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Das ist die aktuelle Corona-Lage in Sachsen

Noch keine Aussicht auf Lockerungen, Musikschulen wehren sich, Impfzentren in jedem Landkreis, Semperopernball verschoben. Ein Überblick.

Vorerst bis Ende November dürfen Restaurants deutschlandweit nur einen Liefer- und Abholservice anbieten.
Vorerst bis Ende November dürfen Restaurants deutschlandweit nur einen Liefer- und Abholservice anbieten. © dpa

Dresden. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer sieht angesichts der gegenwärtigen Corona-Infektionszahlen noch keine Möglichkeit für eine Lockerung der Beschränkungen. "Die Zahlen, die wir jetzt haben, reichen bei weitem nicht aus", sagte der CDU-Politiker am Mittwoch im ARD-"Morgenmagazin". Wenn es nicht gelinge, die Zahlen nach unten zu bekommen, das heißt 50 Infizierte je 100.000 Einwohner in sieben Tagen, „dann werden das schwierige Monate, die vor uns liegen", so der Ministerpräsident.

Man sei erst eine Woche im „Teil-Lockdown“, es könne sich also noch einiges verändern. Erst wenn die Zahl der Neuinfektionen nach unten geht, könne man die Gastronomie wieder öffnen und Weihnachtsmärkte veranstalten. „Das kann man anhand der jetzt vorliegenden Zahlen noch nicht sehen."

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Harnwegsinfektionen können Wohlbefinden und Lebensqualität erheblich einschränken. Frauen sind davon etwa viermal häufiger betroffen als Männer.

Sachsens Gesundheitsministerium meldete am Mittwoch 1.738 neu nachgewiesene Corona-Infektionen, am Dienstag waren es noch 1.059 neue Fälle. Nach Ministeriumsangaben sind 466 Menschen an oder mit einer solchen Infektion gestorben, das sind 38 mehr als noch am Vortag. Inzwischen gelten geschätzt 16.100 Menschen als genesen.

1.321 Menschen befinden sich wegen einer Corona-Infektion derzeit in einem Krankenhaus, 264 davon auf einer Intensivstation. Die Zahl der laborbestätigten Neuinfektionen der vergangenen sieben Tage pro 100.000 Einwohner ist im gesamten Freistaat am Mittwoch auf 180 gestiegen, am Vortag betrug die Zahl noch 168.

Bautzen: Fast 1.000 Verstöße gegen Quarantäne-Regeln

Im Landkreis Bautzen hat das Gesundheitsamt für fast 4.000 Menschen häusliche Quarantäne angeordnet. Nicht alle halten sich daran. Mittlerweile hat der Landkreis Bußgelder in Höhe von etwa 48.000 Euro ausgesprochen.  Auch Landrat Michael Harig (CDU) ist seit Montag isoliert. Zwar wurde er inzwischen negativ auf das Coronavirus getestet, dennoch ist seine Quarantäne bis zum 20. November verlängert worden. Grund: Nach dem ersten Kontakt zu einer positiv getesteten Person wurde er in einem weiteren Fall als Kontaktperson angegeben. Auch für Vize-Landrat Udo Witschas (CDU) wurde am Dienstag aufgrund eines Kontaktes eine Quarantäne ausgesprochen. Positiv getestet wurde Amtsärztin Jana Gärtner. Sie befindet sich nun ebenfalls in häuslicher Quarantäne.

Musikschulen wehren sich gegen Schließung

Eine Online-Petition zur Wiedereröffnung der sächsischen Musikschulen ist beim Sächsischen Landtag eingereicht worden. Zuvor sei das notwendige Quorum erreicht worden, die Petition habe mehr als 12.000 Stimmen bekommen, teilte die Initiatorin Martina Bunk am Mittwoch in Freiberg mit. Sachsen sei das einzige Bundesland, in welchem die Musikschulen wegen der gültigen Corona-Schutzverordnung geschlossen sind, so die Musiklehrerin. Dabei sei die Ansteckungsgefahr an den Musikschulen gering, da der Unterricht meist in Form von Einzelunterricht oder in Kleingruppen stattfinde und aufwendige Hygienekonzepte umgesetzt worden seien. Die Petition der Lehrerin wird vom Sächsischen Musikrat und dem Landesverband Sachsen des Verbands Deutscher Musikschulen unterstützt. 

Sachsen hat unterdessen seine Corona-Regeln angepasst. Bis Ende November bleiben neben Musikschulen auch die Volkshochschulen geschlossen. Übernachtungen in Hotels und Pensionen sind nur aus notwendigen beruflichen, sozialen oder medizinischen Gründen erlaubt. Als Konsequenz aus der Großdemonstration in Leipzig am Sonnabend hat das Kabinett auch beschlossen, Versammlungen auf 1.000 Teilnehmer zu begrenzen. Das gilt ab Freitag.

Die Bläser aus der Musikschule Meißen können nicht mehr in der Schule üben.
Die Bläser aus der Musikschule Meißen können nicht mehr in der Schule üben. © Klaus-Dieter Brühl

Sachsen plant Impfstellen in jedem Landkreis

In Sachsen soll in jedem Kreis eine Impfmöglichkeit gegen das Coronavirus entstehen. Nach Plänen des Gesundheitsministeriums soll es pro Landkreis oder kreisfreier Stadt mindestens ein Impfzentrum oder eine Anlaufstelle zum Impfen geben. Derzeit würde noch abgestimmt, an welchen konkreten Orten diese entstehen sollen, heißt es aus Sachsens Gesundheitsministerium. Auch der Einsatz mobiler Teams werde geprüft. Sie sollen Menschen versorgen, denen es nicht möglich ist, die Impfzentren aufzusuchen.

Nur die Hälfte der Bürger in Sachsen würde sich momentan gegen Corona impfen lassen. 37,7 Prozent lehnen eine Impfung ab, etwa jeder Zehnte ist unentschlossen. Das geht aus einer Langzeitbefragung von Sächsische.de mit den Meinungsforschern von Civey hervor.

Kritik am Gerichtsbeschluss zu Demo in Leipzig

Der frühere sächsische Justizminister Geert Mackenroth hat den Beschluss des Oberverwaltungsgerichts Bautzen zur "Querdenken"-Demo in Leipzig kritisiert. Der Kernpunkt sei die Einschätzung des Gerichts, ob eine solche Versammlung in der Leipziger Innenstadt gehe, sagte der CDU-Politiker am Mittwoch. Das Gericht hatte das bejaht und sich dabei auf eine Gefahrenprognose der sächsischen Polizei berufen. Mackenroth sagte zudem, der Hinweis in dem Beschluss, dass die Polizei die in Leipzigs Zentrum geltende Maskenpflicht durchsetzen müsse, scheine ihm "ein bisschen sehr lebensfremd" zu sein. Mackenroth sprang mit seiner Kritik dem CDU-Innenminister Roland Wöller bei, der die Zulassung der Demo in der Innenstadt als unverantwortlich bezeichnet hatte.

Die Stadt Leipzig hatte die Kundgebung auf einen großen Messe-Parkplatz am Stadtrand verlegen wollen. Das OVG entschied anders. Mackenroth sagte zudem, es seien "noch ein paar andere Fehler" passiert. So hätte die Versammlung früher aufgelöst werden müssen. Es sei gut, dass der Innen- und der Rechtsausschuss am Donnerstag das Geschehen von Leipzig aufarbeiten wolle. "Sowas wie in Leipzig darf sich einfach nicht wiederholen, das ist ein fatales Signal", sagte der CDU-Politiker.

Dresdner Semperopernball wird verschoben

Der für den 26. Februar 2021 geplante Semperopernball in Dresden wird aufgrund der Corona-Pandemie verschoben. Wie der Semper Opernball e.V. in Dresden am Mittwoch mitteilt, mache die Entwicklung der Krise die Durchführung eines Balles im Februar unmöglich. Man habe sich auf eine Verschiebung geeinigt.  

So schön wird die Dresdner Semperoper im Februar nicht aussehen.
So schön wird die Dresdner Semperoper im Februar nicht aussehen. © André Wirsig

Keine Maskenpflicht an Sachsens Grundschulen

Kultusminister Christian Piwarz (CDU) hält eine Maskenpflicht an Grundschulen derzeit nicht für notwendig. Gerade jüngere Schüler seien nicht Treiber der Pandemie, sagte er. "Maskenpflicht für Grundschüler wäre simpler Aktionismus und pädagogisch schädlich." Die Erfahrung aus mehr als zwei Monaten Regelbetrieb zeigten, dass die Infektionen fast immer von außen in die Schulen hineingetragen würden. "Schulen sind keine Hotspots", betonte Piwarz.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hatte sich für eine Maskenpflicht im Unterricht auch in Grundschulen ausgesprochen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte sich offen dafür gezeigt, zur Eindämmung der Corona-Pandemie die Maskenpflicht an Schulen auszuweiten. Man solle mit allen möglichen Maßnahmen dafür sorgen, Schulen und Kitas offenzuhalten, sagte er. In mehreren Bundesländern gilt wegen der gestiegenen Infektionszahlen derzeit eine Maskenpflicht im Unterricht an weiterführenden Schulen - in Sachsen für Schüler der 11. und 12. Klasse sowie für Berufsschüler. Grundschüler sind allerdings in der Regel davon ausgenommen.  

Studie will Ansteckungsherde identifizieren

Bei ungefähr drei Viertel aller Personen, die in Deutschland positiv auf das Coronavirus getestet wurden, ist nicht bekannt, wo und bei wem sie sich angesteckt haben. Das Robert Koch-Institut will deshalb in einer neuen Studie herausfinden, ob Kneipen- und Restaurantbesuche mit einem erhöhten Risiko für eine Infektion verbunden sind. Ein mögliches höheres Risiko ist wissenschaftlich nicht belegt. Zudem soll herausgefunden werden, ob es einen Unterschied macht, ob man sich mit Freunden drinnen oder draußen trifft und bei welchen Veranstaltungen genau ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht. Die Studie läuft seit Anfang November und soll bis zum Frühjahr dauern. An der Studie teilnehmen können Erwachsene, die an Covid-19 erkrankt sind und die nicht Teil eines lokalen Ausbruchsgeschehens, wie in einem Pflegeheim, sind.

CoronaCast: Die Lage auf Sachsens Intensivstationen

Sind Kliniken im Freistaat auf einen starken Anstieg der Corona-Intensivpatienten vorbereitet? In unserem Podcast-Gespräch blickt Dr. Thea Koch von der Uniklinik Dresden voraus.

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