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Events in Dresden: Draußen Maske, drinnen nicht?

Volle Konzertsäle ohne Abstand auf der einen, Maskenpflicht im Freien auf der anderen Seite. Wie sind diese Bilder aus Dresden zu erklären?

Die Polizei kontrolliert seit Dienstag die Maskenpflicht im Freien in Dresden. Bei Großveranstaltungen wie den Jazztagen gilt dagegen keine Maskenpflicht. Wie passt das zusammen?
Die Polizei kontrolliert seit Dienstag die Maskenpflicht im Freien in Dresden. Bei Großveranstaltungen wie den Jazztagen gilt dagegen keine Maskenpflicht. Wie passt das zusammen? © xcitepress, Andreas Weihs

Dresden. Überrascht reagiert das junge Paar aus dem Stuttgarter Raum, das sich gerade im Zwinger umschaut. Maskenpflicht im Freien? Das wussten die beiden nicht. Nun ziehen sie pflichtbewusst ihre Masken aus der Tasche. Nur etwa die Hälfte der Dresdner und Besucher, die am Dienstagmorgen im Zentrum unterwegs waren, hielt sich an die neue Vorschrift.

Während draußen die Regeln verschärft wurden, sorgten Bilder der Dresdner Jazztage für Aufsehen in ganz Deutschland. Dicht an dicht sitzen die Besucher im Ostradome. Zwischen ihnen kaum Abstand. Kein halber Meter trennt viele der Zuhörer am Sonntag voneinander. Masken? Nur hier und da sind im Publikum welche zu sehen. Die Mehrheit trägt keine. Wie ist das möglich, nachdem Dresden zum Corona-Risikogebiet erklärt wurde und die Menschen nun sogar an der frischen Luft Masken tragen müssen?

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Maskenpflicht galt bei den Jazztagen nur bis zum Sitzplatz

Einen Teil der Frage beantwortet ein Blick auf die Corona-Regeln, wie sie am Sonntag gültig waren: Die Sächsische Corona-Schutzverordnung regelt im Groben, wie Veranstaltungen stattfinden dürfen. So waren am Wochenende bis zu 1.000 Besucher erlaubt. Darüber hinaus müssen die Organisatoren ein Hygienekonzept vorlegen, das noch vor Veranstaltungsbeginn vom Gesundheitsamt genehmigt werden muss. 

Mit diesem Konzept soll vor allem sichergestellt werden, dass zwischen den Besuchern ausreichend Abstand herrscht. In der ergänzenden Allgemeinverfügung des Freistaates heißt es einschränkend: „Sofern eine verpflichtende, sitzplatzbezogene, datenschutzkonforme und datensparsame Erhebung von Kontaktdaten sichergestellt werden kann, ist eine Verringerung des Mindestabstands von 1,50 Metern möglich.“ 

Heißt: Kann das Gesundheitsamt im Falle eines Corona-Falls bei den Jazztagen die Sitznachbarn problemlos ermitteln, darf auch enger beieinandergesessen werden. Maskenpflicht galt am Sonntag nur bis zum Sitzplatz.

"Freiwillige Infektionsgruppen"

Hat Organisator Kilian Forster also gar nichts falsch gemacht? Knackpunkt sind die Sitzgruppen, die bei dem Ganser-Vortrag gebildet wurden. Tatsächlich sind sogenannte Infektionsgemeinschaften möglich. Das heißt, Menschen, die ohnehin einen sehr engen Kontakt zueinander haben, dürfen sich nebeneinandersetzen. Das können Familien, Wohngemeinschaften oder enge Freundeskreise sein. 

Doch Forster hat auf freiwilliger Basis auch Besucher zusammengesetzt, die sich noch nie zuvor gesehen haben. Auf der Homepage der Jazztage heißt es, bei diesen Gruppen handle es sich um „freiwillige Infektionsgruppen“. Mit dem Ticketkauf erkläre man sich mit der Platzierung innerhalb dieser Gruppe einverstanden. Wer nicht in solch einer Gruppe sitzen möchte und lieber einen Mund-Nasen-Schutz tragen will, für den sei ein separater Bereich eingerichtet worden.

Mindestabstand von einem Meter zwischen zwei Hausständen

Genau in diesem Punkt widerspricht das Dresdner Gesundheitsamt. Denn freiwillige Infektionsgruppen, wie Forster es schreibt, seien nie als Teil des Hygienekonzeptes genehmigt worden. „Das Gesundheitsamt hat den Veranstalter aufgefordert, unverzüglich sein Vorgehen zu ändern“, teilte die Behörde am Dienstag auf SZ-Anfrage mit. „Die Bildung sogenannter freiwilliger Infektionsgemeinschaften ist ausdrücklich nicht im Sinne der Landeshauptstadt Dresden.“

Es sei unterstrichen worden, dass zum Beispiel zwischen zwei Hausständen ein Mindestabstand von 1,0 Metern permanent, und insbesondere auch während Aufführungen zu gewährleisten sei. „Lose oder gar freiwillige Infektionsgemeinschaften sind damit ausdrücklich nicht möglich.“

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Forster widerspricht: „Die freiwilligen Infektionsgruppen stehen genauso wie von uns veröffentlicht und kommuniziert im Hygienekonzept. Da gab es wenig Deutungsspielraum“, ließ er mitteilen.

Mit Hygienekonzept auch über 100 Gäste möglich

Können sich Bilder wie die vom Wochenende wiederholen? Nein, denn die Stadt Dresden hat eine neue Allgemeinverfügung erlassen. Sie ist am Dienstag in Kraft getreten. Ausnahmen von der Regel gibt es in Form von Hygienekonzepten zwar weiterhin. Aber: Die bereits genehmigten Hygienekonzepte behalten ohne erneute Einreichung beim Gesundheitsamt nur dann ihre Gültigkeit, wenn zusätzliche Auflagen beachtet werden, schreibt die Stadt. 

Die Veranstalter müssen demnach Name, Anschrift und Telefonnummer ihrer Gäste erfassen; sicherstellen, dass jeder Besucher während des gesamten Zeitraums einen Mund-Nasen-Schutz trägt, auch am Platz; und schlussendlich auf die nun größeren Mindestabstände achten. 

Davon verspreche man sich laut Gesundheitsamt, dass bei zukünftigen Veranstaltungen „potenzielle Infektionsrisiken für die Besucherinnen und Besucher“ minimiert werden. Was bleibt, ist, dass Veranstalter mit Hygienekonzept von der Obergrenze von 100 Personen abweichen dürfen.

Maskenpflicht im Freien seit Dienstag

Eigentlich hätten die Corona-Maßnahmen schon eher verschärft werden können. Die Stadtverwaltung hat dazu jederzeit die Möglichkeit. Einen Anlass gab es auch, denn am Freitag hatte Dresden die Schwelle von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen überschritten und galt damit als Risikogebiet. 

Doch Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) wollte den Dresdnern die Möglichkeit einräumen, sich mit den neuen Regeln vertraut zu machen, und setzte sie erst an diesem Dienstag in Kraft.

Dazu gehört eben auch die Maskenpflicht im Freien. Sie gilt bis auf Weiteres für die Bereiche zwischen Zwinger, Hauptbahnhof und Terrassenufer auf der Altstädter Seite, die Augustusbrücke sowie weite Teile der Neustadt zwischen Albertplatz und Stauffenbergallee. Ausnahmen gibt es nur für Jogger und Radfahrer.

Straßenkünstler wie Lato Berki aus Tschechien, der als weißer Engel mit Heiligenschein vor der Frauenkirche sitzt, trägt am Dienstag ebenfalls Mundschutz. „Das ist doch selbstverständlich“, sagt er, während die nächste Touristengruppe kommt und ihn um ein Foto bittet. Immerhin tragen alle Mund-Nasen-Schutz. 

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