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Corona lässt sich beim Reisen zusätzlich versichern

Die meisten Rücktrittspolicen zahlen nicht, wenn man kurz vor Abreise positiv getestet wird.

Für die Organisation des PCR-Tests vor der Abreise sind die Urlauber selbst verantwortlich.
Für die Organisation des PCR-Tests vor der Abreise sind die Urlauber selbst verantwortlich. © ebastian Gollnow/dpa

Viele Länder mit niedrigen Fallzahlen werben wieder um Touristen. In der Regel wird bei der Einreise ein PCR-Test verlangt, der nicht älter als 48 oder 72 Stunden sein darf. Doch was passiert, wenn dieser Test positiv ausfällt?

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Grundsätzlich ist ein positiver Test wie eine Erkrankung des Reisenden zu werten, erklärt Claudia Neumerkel von der Verbraucherzentrale Sachsen. Die Reise muss abgesagt werden. „Dieser Umstand ist der sogenannten subjektiven Risikosphäre des Urlaubers zuzurechnen.“ Da man sich in dem Fall nicht auf unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände berufen kann, ist ein kostenfreier Rücktritt von der Reise nicht möglich. Im Klartext: Der Urlauber bleibt auf den Stornierungskosten sitzen.

Springt in dem Fall nicht die Reiserücktrittsversicherung ein?

Nicht unbedingt. Eine Reiserücktrittsversicherung zahlt die Stornokosten, wenn der Urlauber seine Reise wegen einer unerwartet schweren Erkrankung absagen muss. Covid-19 ist jedoch oft nicht abgedeckt. Denn viele Versicherer schließen einen Pandemiefall aus. Eine Untersuchung der Stiftung Warentest im vergangenen Dezember hat ergeben: Nur bei 16 von 50 getesteten Tarifen war der entsprechende Schutz voll enthalten. Am besten schnitten die Reiserücktrittspolicen von TravelSecure/Würzburger und Hanse Merkur ab, sowohl für Alleinreisende als auch für Familien. 18 Anbieter schlossen eine Pandemie als Rücktrittsgrund komplett aus, etwa die Signal Iduna.

Bei den Versicherern, die im Pandemiefall leisten, kommt es wiederum auf die Details an: Manche zahlen die Stornokosten schon bei Vorlage eines positiven Corona-Tests, andere verlangen ein ärztliches Attest oder gar das Auftreten von Symptomen. Wer eine Reise plant, sollte also ganz genau nachfragen.

Welchen Corona-Schutz bieten Reiseveranstalter an?

Um Urlaubern mehr Planungssicherheit zu bieten, haben zahlreiche Versicherer ihre Leistungen angepasst. Der Schutz reicht von Covid-19-Ergänzungspolicen bis zur Erweiterung der Bedingungen bestehender Verträge. Überarbeitet wurden die Voraussetzungen für einen Reiserücktritt und auch für die Inanspruchnahme der Reisekranken- und Reiseabbruchversicherung.

Bei einigen Veranstaltern sind die neuen Corona-Versicherungen kostenlos im Reisepaket enthalten – so bei der Tui bei Abreisen bis Ende Oktober. Abgesichert sind dort der Corona-Verdachtsfall oder eine Erkrankung während der Reise – nicht aber vor einer Reise. „Es werden ein PCR-Test und eine Heilbehandlung vor Ort übernommen sowie Quarantänekosten bis zu einem Festbetrag“, sagt Tui-Sprecherin Susanne Stünckel. Versichert sei auch der Fall, wenn die Einreise am Ankunftsflughafen aufgrund einer Körpertemperaturkontrolle verweigert werden sollte. Ganz ähnliche Regelungen bietet Alltours seinen Kunden an. Beim Reiseveranstalter Olimar gibt es bei Buchung einer Reiserücktrittskostenversicherung einen Corona-Zusatzschutz inklusive. Unabhängig von einer Erkrankung ist bei dem Portugal-Spezialisten damit im Vorfeld auch ein positiver Corona-Test versichert.

Wichtig: Reisende sollten unbedingt eine Auslandsreisekrankenversicherung abgeschlossen haben. Diese sollte auch leisten, falls bei der Buchung bereits eine Reisewarnung für das Zielland vorgelegen hat.

Und wenn ich kurz vor der Abreise in Quarantäne muss?

Wer nicht selbst positiv getestet wurde, aber wegen eines infizierten Familienmitglieds oder Kontakt mit einem anderen Infizierten in Quarantäne muss, hat schlechte Karten. Denn auch in dem Fall werden Stornierungskosten fällig, die klassische Reiserücktrittsversicherung greift nicht. Einen Versicherungsschutz im Falle einer Quarantäne bei Infektionsverdacht – vor Reisebeginn oder am Zielort – bietet aber zum Beispiel eine Corona-Reiserücktritt- und Reiseabbruch-Versicherung der Hanse Merkur. Auch die angepassten Reiseschutz-Produkte der Allianz greifen bei Anordnung der Quarantäne vor dem Abflug in den Urlaub. „Wird die Quarantäne nach Reiseantritt angeordnet, greift die Reiseabbruch-Versicherung“, sagt Sprecherin Sabrina Schertel.

Wer kontrolliert eigentlich, ob ein negatives Testergebnis vorliegt?

In der Regel ist die Bescheinigung über den negativen PCR-Test beim Check-in am Flughafen vorzuweisen, manchmal auch noch einmal bei der Einreise am Zielflughafen beziehungsweise im Hotel. „Das Prozedere klappt sehr gut“, sagt Susanne Wohlgemuth, Sprecherin von FTI Touristik. „Einzelfälle, dass kein Testergebnis rechtzeitig vorgelegt werden kann, gibt es jedoch immer wieder.“ Dann dürfe die Airline die Mitnahme des Passagiers verweigern.

Wo können sich Urlauber testen lassen und wer trägt die Kosten?

Für die Organisation des PCR-Tests vor der Abreise sind die Urlauber selbst verantwortlich. Testen lassen können sie sich in Arztpraxen, Krankenhäusern, Testzentren oder an Flughäfen. Einige Reiseveranstalter kooperieren mit Testzentren. So arbeitet etwa Tui mit dem Partner DasLab zusammen, der Testzentren in verschiedenen deutschen Großstädten anbietet.

Die Kosten für den Test müssen Reisende selbst bezahlen. Laut Kassenärztlicher Vereinigung Sachsen kostet ein PCR-Test derzeit etwa 150 Euro. „Ist hingegen ein Test im Urlaubsland vor Antritt der Heimreise vorgeschrieben, so unterstützen wir soweit möglich bei der Organisation und Abwicklung“, sagt Wohlgemuth.

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Alle Serienteile online: www.sz-link.de/reiseserie

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