merken
PLUS Dresden

Lieferdienste boomen in Dresden

Immer mehr Dresdner nutzen den Lieferservice von Restaurants und Supermärkten. Wie das funktioniert und warum Corona das Geschäft anheizt.

Die Lieferando-Kuriere haben auch in Dresden angesichts geschlossener Restaurants jede Menge zu tun. Sie beliefern die Kunden mit Speisen aus Dresdner Lokalen.
Die Lieferando-Kuriere haben auch in Dresden angesichts geschlossener Restaurants jede Menge zu tun. Sie beliefern die Kunden mit Speisen aus Dresdner Lokalen. © dpa/Robert Michael

Dresden. Auch in Dresden dürfen derzeit zwar keine Gäste in den Restaurants vor Ort speisen, dennoch halten etliche Gastronomen ihre Küchen warm. Sie setzen auf den Abhol- und Lieferservice. Für ganz Bequeme bringen die Kurierfahrer das Essen sogar bis an die Haustür. Immer mehr Restaurants sowie Kunden nutzen das auch in Dresden.

Und auch Supermärkte haben erkannt, wie wichtig der Bringeservice besonders jetzt im Lockdown für viele Menschen ist, die sich den Einkauf vor Ort lieber sparen und dafür etwas tiefer in die Tasche greifen. Die SZ hat sich in den verschiedenen Branchen zum Thema Lieferdienst umgehört.

UnbezahlbarLand
Willkommen im UnbezahlbarLand
Willkommen im UnbezahlbarLand

Was ist eigentlich das Unbezahlbarland? Warum ist der Landkreis Görlitz Unbezahlbarland? Hier finden Sie alle Infos.

Restaurants kochen, Lieferando liefert aus

Der niederländische Onlinedienst Just Eat Takeaway betreibt in Deutschland das Tochterunternehmen Lieferando und hat sich darauf spezialisiert, Speisen aus allen möglichen Restaurants an den Kunden zu bringen. Diesen Dienst gibt es hier bereits seit 2008, im vergangenen Pandemiejahr boomte das Geschäft aber vor allem in den Lockdownzeiten aufgrund von geschlossen Gaststätten und Ausgangsbeschränkungen.

Für Dresden kann das Unternehmen zwar keine genauen Zahlen liefern, deutschlandweit konnte der Lieferdienst aber sowohl Kunden als auch Restaurants dazugewinnen, so Lieferando-Sprecher Oliver Klug. Das war zunächst aber gar nicht absehbar. "Als die Pandemie begann, brach der Umsatz erstmal dramatisch ein, die Menschen waren verunsichert und kochten viel selbst zu Hause", so Klug.

Über das Coronavirus informieren wir Sie laufend aktuell in unserem Newsblog.

Ab Ende März ging das Bestellaufkommen wieder nach oben. "An manchen Tagen meldeten sich an einem Tag so viele Restaurants bei uns an wie sonst in einem Monat", sagt Klug. Zuletzt vermittelte Lieferando etwa zehn Millionen Bestellungen pro Monat.

Meldet sich ein Restaurant aus Dresden bei dem Lieferdienst an, so liefern wahlweise die Fahrradkuriere von Lieferando die Speisen aus, oder das Lokal selbst. Bucht das Restaurant die Fahrradkuriere, so bezahlt es eine Provision von 30 Prozent an das Unternehmen, sonst sind es 13 Prozent.

Was wird besonders gern bestellt? "Im Trend liegen gesunde Gerichte wie Poke Bowl oder auch Sushi", so Klug. Der Hauptbestelltag ist der "entspannte" Sonntag, gefolgt vom Freitag. "Viele belohnen sich dann nach einer Woche Homeoffice und Homeschooling", sagt Klug. Auch mittags werde mehr bestellt, da die Menschen wieder zunehmend von zu Hause aus arbeiten.

Freddy Fresh bringt Pizza und Pasta

Auch beim Pizza-Lieferdienst Freddy Fresh lief es im Pandemiejahr gut. "Wir können uns nicht beschweren. Seit 20 Jahren wächst unser Kundenstamm beständig", sagt Freddy-Fresh-Sprecher Michael Welde. Das Unternehmen hatte 2020 rund 15 Prozent mehr Bestellungen als 2019. "Dabei handelt es sich vor allem um Neukunden, welche erstmals einen Lieferdienst in Anspruch genommen haben, da alternative Angebote fehlten", so Welde.

Teilweise sei aber die Herstellung und Auslieferung problematisch, da die Mitarbeiter und Kollegen aufgrund von Schul- und Kindergartenschließung nicht auf Arbeit kommen konnten. Und welche Pizza schmeckt den Dresdnern am besten? "Am meisten bestellten die Dresdner die Pizza Palermo, belegt mit Salami", so Welde.

Konsum Dresden liefert seit erstem Lockdown

Seit dem Frühjahr bietet auch der Konsum Dresden seinen Kunden an, ihre Waren montags bis freitags jeweils von 10 bis 20 Uhr innerhalb von Dresden nach Hause liefern zu lassen. Allerdings muss dafür für mindestens 15 Euro (ohne Pfand) eingekauft werden. Der Einkauf muss verpackt und bezahlt an der Kasse abgegeben werden, für eine Pauschale von fünf Euro wird er innerhalb eines gewünschten Zeitfensters geliefert. Möglich ist auch, beim Konsum anzurufen, ein Fax oder eine E-Mail mit den Produkten zu senden, die man möchte.

Das wird seit Beginn besonders gut angenommen, seit November steigen die Zahlen noch einmal stark an. Nicht nur Ältere nutzen den Service, sondern auch Familien, die sich den Einkauf sparen wollen, oder Personen, die in Quarantäne müssen, erfuhr die SZ vom Konsum.

Seit dem Jahreswechsel hat der Konsum auch einen Onlineshop. Unter konsum-bringts.de können Kunden dort ihre Favoriten auswählen. Derzeit liege der Schwerpunkt noch auf Getränken und Grundnahrungsmitteln, doch nach Aussage des Anbieters wird der Shop ständig erweitert. Die Resonanz darauf sei bisher sehr gut, obwohl der Mindestbestellwert bei 40 Euro liegt und zehn Euro Lieferkosten fällig werden. Seit März hat sich das Bringedienst-Team auf sechs Mitarbeiter erweitert.

Hohe Nachfrage bei Rewe-Lieferdienst und Abholung

Schon seit 2011 ist die Supermarktkette Rewe mit einem Lieferdienst am Markt, seit 2015 auch in Dresden und Leipzig und deren Umgebung. Der Service sei in mehr als 75 Städten mit eigenen Lieferfahrzeugen und festangestellten Fahrern verfügbar, teilt Rewe-Sprecher Thomas Bonrath auf SZ-Anfrage mit. 2019 wurde der Dienst zudem um regionale Anbieter erweitert, sodass er inzwischen an 250 Standorten genutzt werden kann, so Bonrath.

Rewe liefert bestellte Lebensmittel und andere Waren von montags bis samstags in der Zeit von 7 bis 22 Uhr daheim an. Allerdings sollten Kunden in Dresden ihre Bestellung schon einige Tage vorher online abgeben, denn zuletzt waren Liefertermine über Tage hinweg bereits ausgebucht. Auch das ist ein Zeichen dafür, dass immer mehr Dresdner auf den Einkauf vor Ort im Supermarkt lieber verzichten. Ob aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus oder aus Bequemlichkeit, lässt sich allerdings nicht ermitteln.

Geliefert wird die Ware bis an die Wohnungstür, egal in welchem Stockwerk sie sich befindet, betont das Unternehmen. Auch hier werden gekühlte Produkte entsprechend transportiert, bezahlt wird erst nach der Lieferung. Leere Pfandflaschen nimmt der Lieferfahrer wieder mit. Die Liefergebühr richtet sich nach dem Liefertermin und dem Bestellwert und liegt zwischen 0 und 5,90 Euro. Neue Kunden bekommen ihre erste Lieferung kostenlos, vorausgesetzt der Bestellwert beträgt mindestens 50 Euro.

Zudem ist es möglich, den Einkauf online zu erledigen und ihn dann fertig zusammengepackt an der Kasse eines bestimmten Marktes abzuholen. Das ist deutschlandweit an 1.000 Standorten möglich, so der Rewe-Sprecher. Auch in Dresden bieten das mehrere Märkte an. Mit Liefer- und Abholservice könnten derzeit etwa 90 Prozent der deutschen Haushalte frische Lebensmittel online bestellen, erklärt Thomas Bonrath.

Auch dort verweist Rewe derzeit darauf, dass die Nachfrage sehr hoch ist und die Zeitfenster für die Abholung deshalb begrenzt seien. Einen Mindestbestellwert gibt es dabei nicht. "Im Online-Bereich verzeichnen wir – wie auch in den stationären Supermärkten – letztlich seit Ausbruch der Corona-Pandemie eine verstärkte Nachfrage", so Bonrath zur Entwicklung in diesem Geschäftszweig. "Vor diesem Hintergrund haben wir in allen Liefergebieten die Kapazitäten weiter ausgebaut."

Auf Sächsische.de möchten wir ganz unterschiedliche Erfahrungsberichte von Corona-Infizierten aus Dresden teilen. Wenn Sie die Erkrankung bereits überstanden haben und uns davon erzählen möchten, schreiben Sie uns an [email protected]ächsische.de.

Weiterführende Artikel

Dresdner Lieferdienst fürs Friedenslicht

Dresdner Lieferdienst fürs Friedenslicht

Weil die Bethlehemkirche zum Schutz vor Corona geschlossen bleibt, bringt Pfarrer Hans-Peter Hasse den Menschen den Friedensgruß an Heiligabend nach Hause.

Er liefert Dresdens Geschenke zu Weihnachten

Er liefert Dresdens Geschenke zu Weihnachten

Vor einem Jahr gründete der Syrer Khaled Al-Abbas einen Paketdienst mit zwei Mietautos in Dresden. Nun sind er und seine 100 Mitarbeiter gefragt wie nie.

Dresdner Wirte stellen Lieferdienste ein

Dresdner Wirte stellen Lieferdienste ein

Das Geschäft lohnt sich nicht für jeden, einige Gaststätten schließen komplett. Andere setzen weiter auf den Bringe-Dienst - und auf neue Ideen.

Nachrichten und Hintergründe zum Coronavirus bekommen Sie von uns auch per E-Mail. Hier können Sie sich für unseren Newsletter zum Coronavirus anmelden.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden