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Schluss mit Vorkasse beim Reisen

Nach vielen Beschwerden sollen Vorauszahlung und Rückerstattung neu geregelt werden. Das hat aber seinen Preis.

Ja zur Abschaffung der Vorauskasse: Die beiden Unterstützer Reinhold Jost (l.), saarländischer Verbraucherschutzminister, und der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Klaus Müller.
Ja zur Abschaffung der Vorauskasse: Die beiden Unterstützer Reinhold Jost (l.), saarländischer Verbraucherschutzminister, und der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Klaus Müller. © dpa/Birgit Reichert

Urlauber sollen künftig beim Buchen von Flügen oder Reisen nicht mehr vorab zur Kasse gebeten werden: Darüber sollen die Verbraucherschutzminister der Länder nach einem Vorstoß des saarländischen Ressortchefs Reinhold Jost (SPD) bei ihrem nächsten Treffen im Mai beraten. „100 Prozent Vorkasse geht gar nicht“, sagt Jost. Er setzt sich für eine deutliche Verringerung der Vorab-Zahlungen ein.

Das stößt bei Verbraucherschützern auf offenen Ohren. „Das Beste wäre: Das Geld wird genau in dem Moment abgebucht, wenn ich die Reise antrete“, sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller. Das sei ja in anderen Bereichen der Wirtschaft auch so: „Wenn ich einen neuen Fernseher kaufe, dann bezahle ich auch, wenn ich ihn bekomme.“ Der vzbv fordert schon seit Längerem, dass sich die Bundesregierung für ein Ende der Vorkasse bei Reisen einsetzt.

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Denn das Vertrauen in die Branche ist auf einem Tiefpunkt. 2019 ging Thomas Cook in die Insolvenz. Viele Kunden erhielten für vorbezahlte Reisen keine Gegenleistung. Pflichtversicherungen wiesen bei Weitem nicht die nötige Deckung auf. Ein zentraler Topf zur Sicherung der Einzahlungen fehlte. Im Jahr darauf kam Corona – und erneut konnten Reisen nicht stattfinden, für die das Geld schon überwiesen war. Die Lufthansa brauchte viele Monate Zeit und viele Milliarden vom Staat, bevor sie die Preise für wertlos gewordene Flugtickets halbwegs erstattet hatte. Nach Angaben des vzbz haben sich die Beschwerden über Flug- und Reiseunternehmen bei den Verbraucherzentralen im vergangenen Jahr mehr als verzehnfacht.

„Moderate Preiserhöhungen“

Ein neues Gutachten der Hochschule Luzern zeigt, dass eine Umstellung von der Vorkasse zur Bezahlung bei Check-in für alle Beteiligten wirtschaftlich „gut umsetzbar“ und für Verbraucher nur mit „moderaten Preiserhöhungen“ verbunden sei. Ohne Vorkasse müssten die Flug- und Reiseanbieter für Vorleistungen Eigen- oder Fremdkapital aufnehmen. Wegen der extra Kosten dafür würden nach dem Gutachten die Preise für Flugbuchungen um maximal 3,3 Prozent, die für Pauschalreisen um 1,1 Prozent teurer. „Das ist nicht so teuer, wie viele Leute befürchtet haben“, sagte Müller. Die Abschaffung der Vorkasse-Praxis gehöre in den Koalitionsvertrag nach der Bundestagswahl. Es benachteilige vor allem finanziell Schwächere. „Wir merken das vor allem jetzt in der Pandemie, wo oft jeder Euro zählt“, so Jost. Hinzu kämen Unsicherheiten, ob gebuchte Reisen wegen Corona überhaupt stattfinden könnten und Sorgen wegen möglicher Insolvenzen von Reiseunternehmen. Nach Angaben von Müller werden für Flüge 100 Prozent des Flugpreises im Voraus verlangt, bei Pauschalreisen sind es 20 bis 40 Prozent.

Man dürfe laut Jost aber nicht vergessen, dass Reiseanbieter Vorleistungen zahlen müssten. Von daher hält der Minister eher eine stufenweise Verringerung für sinnvoll. Die Unternehmen brauchen größere Cash-Reserven, wenn sie die Monate bis zum Beginn der Reisesaison überbrücken müssen. Mancher Kunde, der noch nicht bezahlt hat, wird eher noch im letzten Moment abspringen, als jemand, der dadurch Geld verliert. In Krisenzeiten wiederum wirkt der Berg Geld stützend.

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Die automatisierte Rückerstattung von Anzahlungen aber könnte schneller kommen. Der Bundesrat habe sich 2018 bereits für die Einrichtung „automatisierter Verfahren der Rückerstattung“ ausgesprochen. Von der Bundesregierung sei aber nichts umgesetzt worden. Daher werde Jost das Thema auf der Verbrauchschutzministerkonferenz einbringen. (dpa/rnw)

Urlaub 2021: Pläne, Preise, Risikogebiete

Urlaubsreisen stehen bei den Deutschen nach wie vor weit oben auf der Wunschliste. Das geht aus der Reiseanalyse 2021 der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen hervor, die am Montag vorgestellt wurde.

Fast jeder zweite Deutsche ist fest entschlossen, in diesem Jahr zu verreisen. Von dieser Gruppe würde jeder Dritte auch das ursprünglich geplante Ziel wechseln, wenn dies wegen Corona erforderlich wäre. Dagegen sagten 14 Prozent der Befragten, dass sie gar nicht verreisen wollen. Weitere 38 Prozent waren zum Zeitpunkt der Umfragen im Januar 2021 noch unsicher.

Entscheidende Kriterien für potenzielle Urlauber sind die konkreten Möglichkeiten und Bedingungen. Bei der Buchung seien vor allem Flexibilität und Geld-zurück-Garantien wichtig, erklärte der Tourismusexperte Martin Lohmann.

Vergangenes Jahr ist der Urlaubstourismus laut Studie zwischen März und Mai sowie ab Ende Oktober nahezu zum Erliegen gekommen. Insgesamt sei das Reiseverhalten auf das Niveau der späten 1980er-Jahre gesunken.

63 Prozent der Deutschen hatten 2020 mindestens eine Urlaubsreise unternommen; ein Jahr zuvor waren es noch 78 Prozent.

Jeder dritte Befragte änderte im Vorjahr sein ursprüngliches Reiseziel, vor allem zugunsten von Deutschland. Hier stieg die Zahl der Urlauber gegenüber 2019 um rund vier Millionen.

Beliebteste Bundesländer waren Bayern und Mecklenburg-Vorpommern. Sachsen landete lediglich auf Platz 7.

Die Zahl der Auslandsreisen ging um über 24 Millionen zurück. Hier waren vor allem Spanien, Italien, Österreich, die Türkei und die Niederlande gefragt.

Die Preise sind in Deutschland im vergangenen Jahr nur geringfügig gestiegen, ergab eine Auswertung der Travel Data + Analytics GmbH. Deutlich teurer wurden Reisen auf die Malediven (plus 16 Prozent).

Bei den Unterkünften machten Ferienwohnungen im Vorjahr mit plus 37 Prozent den größten Preissprung – allerdings weltweit.

Das Robert-Koch-Institut hat am Sonntag die Bewertung von Ländern aktualisiert. Demnach zählt Griechenland nun komplett als Risikogebiet. Die USA wurden vom Hochinzidenz- zum Risikogebiet herabgestuft. Von der Liste der Risikogebiete gestrichen wurden Regionen in Kroatien und Finnland. Die Balearen zählen weiterhin als Risikogebiet, obwohl die Sieben-Tage-Inzidenz seit Wochen unter der Marke von 50 liegt. (rnw/sk)

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