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Schwimmen lernen: So sollen Sachsens Schüler aufholen

Wegen Corona fällt schon das zweite Schuljahr in Folge der Schwimmunterricht aus. Die Eltern sind alarmiert. Wie die Regierung nun helfen will.

Im Schwimmunterricht lernen die Kinder die Grundfertigkeiten.
Im Schwimmunterricht lernen die Kinder die Grundfertigkeiten. © Nikolai Schmidt

Dresden. Es ist ein stiller Tod. Wenn Kinder im Wasser untergehen, passiert das so plötzlich, dass sie nicht um Hilfe rufen können. Schwimmen lernen ist deswegen für kleine Kinder essenziell. „Eigentlich sollten die Kinder von klein auf Kontakt mit Wasser haben“, sagt Schwimmtrainer Jens Kruppa. Aber sowohl die Einheiten im Kindergarten als auch der reguläre Schwimmunterricht in der zweiten Klasse der Grund- und Förderschulen fanden in der Corona-Pandemie seit 2020 nicht statt.

„Der Schwimmunterricht für die jetzigen Zweit- und Drittklässler hängt weiterhin sehr zurück“, sagte Nadine Eichhorn, die stellvertretende Vorsitzende des Kreiselternrates Meißen. „Viele Eltern haben große Sorgen, dass dieser nicht adäquat nachgeholt werden kann.“ Erst Anfang Mai durften die Bäder nach den Corona-Regeln des Freistaates für den Schwimmunterricht in der Schule wieder öffnen. Doch in vielen Kommunen blieben die Hallenbäder trotzdem geschlossen – aus wirtschaftlichen Gründen. Das Schwimmbad nur für die Schulen zu betreiben, lohnt sich finanziell nicht.

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Etwa 40.000 Kinder betroffen

Betroffen sind etwa 40.000 Mädchen und Jungen vor allem der zweiten Klassenstufe der Grund- und Förderschulen, teilt das sächsische Kultusministerium mit. Sie sollen den Schwimmunterricht nach der Sommerpause etwa bis zu den Herbstferien nachholen.

Eigentlich sind in der zweiten Klassenstufe dafür 35 Unterrichtsstunden vorgesehen. Nach den Plänen des Ministeriums sollen jedoch 20 bis 25 Unterrichtsstunden ausreichen, damit die Jungen und Mädchen die Grundfertigkeiten erwerben: ein Sprung ins tiefe Wasser, 100 Meter schwimmen und die Fähigkeit, selbstständig ohne Hilfsmittel aus dem Wasser zu kommen.

Schwimmkurse in den Ferien

Reicht für einige die Zeit nicht zum Schwimmen lernen aus, sollen ihnen als „ergänzende Maßnahme“ unter anderem Gutscheine für Schwimmkurse angeboten werden. Das betreffe auch etwa 2.000 Schüler des vorhergehenden Schuljahres 2019/20, deren Schwimmunterricht damals wegen des ersten Lockdowns ausfiel. Für sie soll es in den Sommerferien und darüber hinaus Kurs-Angebote geben, kündigte Kultusminister Christian Piwarz (CDU) an. Die Teilnahme ist freiwillig.

Das können etwa Kompaktkurse mit etwa 15 Einheiten von 10 bis 12 Teilnehmern unter Anleitung von lizenzierten Trainern der Vereine sein. Die Eltern sollen hierfür individuelle Verträge mit Schwimmunterricht-Anbietern abschließen. Kosten sollen den Eltern dabei nicht entstehen, so das Ministerium. Sie erhalten von den Schulen „rechtzeitig vor Ende des laufenden Schuljahres“ Gutscheine. 600.000 Euro stehen dafür bereit.

Nicht genügend Wasserfläche

Ganz so einfach ist es aber nicht, sagt Elternrätin Nadine Eichhorn. Die Eltern müssten in den Ferien überhaupt die Zeit haben, um die Kinder zum Kurs zu begleiten. „Das können nicht alle organisieren“, sagt sie. Im ländlichen Raum sei es aber nahezu unmöglich, die Kinder allein zur Schwimmhalle zu schicken – weil das Bad mancherorts weiter weg ist.

Genauso wenig können es sich alle Eltern leisten, für private Schwimmkurse finanziell in Vorleistung zu gehen, so Eichhorn. In sozial schwächer gestellten Familien oder Familien mit Migrationshintergrund sei der Schwimmunterricht aber wichtig.

Aus Sicht der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Sachsen könnten es bis zu 10.000 Kinder sein, die zusätzliche Schwimmkurse benötigen. Die Nachwirkungen der Pandemie könnten so bis zu zwei Jahre spürbar bleiben. Denn dass alle in den nächsten Wochen drankommen, ist unwahrscheinlich. „Die Wasserfläche, die für die Schwimmkurse zur Verfügung steht, ist begrenzt“, sagt Jens Kruppa, Olympionike und Schwimm-Europameister, der auch Kurse für Erwachsene gibt. Schon in regulären Zeiten seien etwa die Schwimmbäder in Dresden am Limit. „Nur 50 bis 60 Prozent der Schüler bekommen Schwimmunterricht, weil die Kapazitäten nicht ausreichen.“

Freibäder ausgebucht

Schwimmkurse in den Sommerferien hätten den Vorteil, dass man auch die Freibäder nutzen könnte. „Wir dürfen die Sommerzeit nicht verstreichen lassen“, so Kruppa. Das Problem: Wegen der Corona-Regeln gelten Höchstgrenzen bei den Besucherzahlen, die Bäder sind oft schon ausgebucht. „Das ist eine gesellschaftliche Entscheidung“, sagt Kruppa. „Wollen wir, dass unsere Kinder schwimmen können, oder ist uns das egal?“

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Elternrätin Nadine Eichhorn wünscht sich mehr Unterstützung der Schulen durch die Landesbehörden bei der Organisation des Schwimmunterrichts, etwa indem Alternativen zu geschlossenen Bädern aufgezeigt werden. Die Grünen-Fraktion im Landtag forderte auch verstärkte Kooperationen mit außerschulischen Partnern – etwa zur Nutzung von weiteren Wasserflächen. Zudem soll es mehr Möglichkeiten in höheren Jahrgangsstufen geben, um das Schwimmen zu festigen. (mit dpa)

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