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Wer für Coronatests bezahlen muss - und wer nicht

Was Corona-Schnelltests jetzt kosten, welche Ausnahmen gelten - und wie diese nachgewiesen werden. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Corona-Schnelltests sind für viele Menschen jetzt nicht mehr grundsätzlich kostenlos.
Corona-Schnelltests sind für viele Menschen jetzt nicht mehr grundsätzlich kostenlos. © Symbolfoto: dpa

An diesem Montag hat in Deutschland das Angebot für kostenlose Corona-Bürgertests geendet. Menschen ohne Symptome müssen jetzt in der Regel selbst für die Tests zahlen. Allerdings führt die neue Corona-Testverordnung eine Reihe von Ausnahmen auf.

Warum müssen Bürger für Tests künftig selbst zahlen?

Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) verweist darauf, dass mittlerweile allen Bürgern ein unmittelbares Impfangebot gemacht werden kann. Daher sei „eine dauerhafte Übernahme der Kosten für alle Tests durch den Bund und damit den Steuerzahler nicht länger erforderlich.“ Vorausgegangen war ein entsprechender Beschluss der Ministerpräsidenten.

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Wer bekommt auch künftig kostenlose Tests?

Wer keine Möglichkeit hat, einen vollständigen Impfschutz zu erlangen, soll sich weiterhin mindestens einmal wöchentlich kostenlos testen lassen können. Dazu gehören laut Testverordnung Kinder, die noch keine zwölf Jahre alt sind oder erst in den letzten drei Monaten vor der Testung zwölf Jahre alt geworden sind.

Auch Personen, die aus medizinischen Gründen nicht oder noch nicht gegen das Coronavirus geimpft sind, haben weiterhin das Recht auf kostenlose Coronatests. Dies gilt insbesondere bei einer Schwangerschaft im ersten Schwangerschaftsdrittel. Begründung: Die Ständige Impfkommission hat für diese Personengruppe bislang keine generelle Impfempfehlung ausgesprochen.

Wer sich nach einer Corona-Infektion als Kontaktperson in Quarantäne begeben musste, hat zur Beendigung eben dieser auch einen Anspruch auf einen kostenlosen Schnelltest – ebenso wie Personen, die an klinischen Studien zur Wirksamkeit von Impfstoffen gegen das Virus Sars-Cov-2 teilnehmen oder in den letzten drei Monaten vor der Testung an solchen Studien teilgenommen haben.

Was ist mit den anderen Kindern und Jugendlichen?

Wer zum Zeitpunkt der Testung noch minderjährig ist, kann sich zunächst weiter kostenlos testen lassen – allerdings nur noch bis Ende dieses Jahres. Das Gleiche gilt für Schwangere jenseits des ersten Schwangerschaftsdrittels. Zwar gibt es für beide Personengruppen seit August beziehungsweise September 2021 eine generelle Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission. „Um diesen Personen ausreichend Zeit zu gewähren, sich über die bestehenden Impfangebote zu informieren und einen vollständigen Impfschutz zu erlangen, haben sie bis Ende des Jahres weiterhin einen Anspruch auf kostenlose Testung“, erklärt das Ministerium.

Auch Studenten aus dem Ausland, die sich für ein Studium in Deutschland aufhalten und mit in Deutschland nicht anerkannten Impfstoffen geimpft wurden, können sich bis zum 31. Dezember 2021 kostenlos per Schnelltest testen lassen.

Wie können die genannten Personen ihren Anspruch nachweisen?

Die Teststelle prüft die Identität zunächst anhand des Personalausweises oder Passes. Wer wegen einer medizinischen Kontraindikation nicht geimpft werden kann, muss zusätzlich ein entsprechendes Zeugnis vorlegen. „Aus dem Zeugnis muss die Überzeugung der ausstellenden ärztlichen Person oder der ausstellenden Stelle hervorgehen, dass eine medizinische Kontraindikation gegen eine Schutzimpfung gegen Sars-Cov-2 besteht“, betont das BMG. Außerdem müssen der Name, die Anschrift und das Geburtsdatum der getesteten Person sowie die Identität der Person oder Stelle, die das ärztliche Zeugnis ausgestellt hat, enthalten sein. Die Angabe einer Diagnose ist dagegen nicht erforderlich. Schwangere können den Mutterpass als ärztliches Zeugnis verwenden, Studenten ihre Studienbescheinigung nebst Impfausweis.

Mein Selbsttest ist positiv – und nun?

Zeigt der Antigen-Schnelltest, den man beispielsweise zu Hause gemacht hat, ein positives Ergebnis, besteht weiterhin die Möglichkeit für einen kostenlosen PCR-Test in einem Testzentrum. Dazu sollte man zuvor einen Termin beim Hausarzt machen oder sich unter der Telefonnummer 116117 melden – und bis zum endgültigen Testergebnis daheim bleiben. Übrigens: Eine Meldepflicht gibt es nach einem positiven Selbsttest nicht, nach einem überwachten Antigen-Schnelltest dagegen sehr wohl.

Und wenn jemand coronatypische Symptome hat?

Ob Personen mit Symptomen mittels Antigen-Schnelltest oder PCR-Test auf eine Corona-Infektion getestet werden, bleibe eine ärztliche Entscheidung, teilt das BMG mit. „Wird ein Test vorgenommen, werden die Kosten als Krankenbehandlung von den Krankenkassen übernommen.“

Welche medizinischen Gründe können gegen eine Impfung sprechen?

Nach Einschätzung des Robert Koch-Institus (RKI) gibt es nur sehr wenige Kontraindikationen. Genannt werden das Thrombose-mit-Thrombozytopenie-Syndrom (TTS) und das Kapillarlecksyndrom – hier wurden schwere Nebenwirkungen nach einer Impfung mit einem Vektor-basierten Impfstoff (zum Beispiel von Astrazeneca) beobachtet. Vereinzelt kam es auch zu allergischen Reaktionen nach der Impfung mit einem mRNA-Impfstoff (zum Beispiel von Biontech/Pfizer). Laut RKI könnten Betroffene stattdessen meist mit dem jeweils anderen Impfstofftyp geimpft werden.

Viele weitere Vorerkrankungen, darunter auch Krebs, Rheuma und Multiple Sklerose, sprechen aus Sicht des RKI nicht gegen eine Corona-Impfung. Auch die Behandlung mit Antibiotika sowie Störungen des Immunsystems gelten demnach nicht als Kontraindikation. Für Menschen mit einer Immunstörung hat das RKI erst vor wenigen Tagen seine Impfempfehlung aktualisiert und konkretisiert.

Was kosten künftig die Tests in den Testzentren und Apotheken?

Dazu gibt es zurzeit noch keine Aussagen. Das BMG geht davon aus, dass das Angebot weiter flächendeckend zur Verfügung steht und so groß sein wird, dass der Preis nicht reguliert werden muss. Zurzeit erhalten Testzentren, Apotheken oder Praxen für den sogenannten Bürgertest 11,50 Euro vom Bund erstattet. Der Betrag setzt sich aus 3,50 Euro Sachkostenpauschale und acht Euro Vergütung – unter anderem für die Abstrichnahme – zusammen. Eine PCR-Testung einschließlich der allgemeinen ärztlichen Laborleistungen, Versandmaterial und Transportkosten wird in der Regel mit 43,56 Euro vergütet, im Einzelfall mit maximal 82,96 Euro.

Gilt die Kostenpflicht auch für Pflegeheime und -dienste?

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Nein. Pflegeheime und andere Einrichtungen des Gesundheitswesens – etwa Kliniken, Arztpraxen und Reha-Einrichtungen – können überwachte Antigen-Tests in eigener Verantwortung beschaffen und nutzen. Die monatliche Menge ist allerdings begrenzt und abhängig von der Zahl der betreuten Menschen. Außerdem wird nach der Art der Einrichtung unterschieden. Krankenhäuser und stationäre Pflegeeinrichtungen dürfen je behandelter, betreuter, gepflegter oder untergebrachter Person bis zu 30 PoC-Antigen-Tests pro Monat beschaffen, ambulante Pflegedienste dagegen höchstens 20.

Schnelltest in Kitas und Schulen werden von den Ländern beschafft und bezahlt. Wenn Unternehmen ihre Belegschaft oder der Einzelhandel und Restaurants ihre Kunden testen lassen wollen, müssen sie selber für die Kosten aufkommen.

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