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Warum geht es beim Impfen in Sachsen so langsam voran?

Wann komme ich dran? Und was muss ich tun? 17 Fragen & Antworten. Der Impf-Report Sachsen.

Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) besichtigt das Impfzentrum auf der Leipziger Messe.
Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) besichtigt das Impfzentrum auf der Leipziger Messe. © Peter Endig

Sie soll das berühmte Licht am Ende des dunklen Corona-Tunnels sein. Doch wenn man nicht weiß, wie lang der Tunnel ist, dann kann auch die Hoffnung auf eine möglichst schnelle Impfung trügerisch sein. Auch in Sachsen geht es eher schleppend voran. Woran das liegt und wie es künftig laufen soll – ein Überblick über die wichtigsten Fragen und Antworten.

1. Wie viele Impfdosen stehen Sachsen seit wann zu Verfügung?

Nach Sachsen sind Ende Dezember 68.250 Dosen des Biontech-Impfstoff ausgeliefert worden. Da zwei Impfungen im Abstand von drei Wochen notwendig sind, würde das also für mindestens 34.125 Menschen ausreichen zu einer kompletten Impfung. Die Hälfte der Dosen wird also erstmal zwischengelagert.

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2. Wie sind diese Impfdosen verteilt worden?

Rund 38.000 Dosen (also für 19.000 Menschen) sind an Krankenhäuser gegangen, die damit ihr Personal schützen können. Mehr als 30.000 Dosen (für 15.000 Personen) stehen den geplanten mobilen 15 Impfteams zu Verfügung, die vor allem in Alten- und Pflegeheimen impfen sollen. An diesem Freitag sollen in Sachsen weitere 34.000 Impfdosen angeliefert werden (für 17.000 Menschen). Das wird auch in den kommenden Wochen so sein, dass in einigem zeitlichen Abstand immer wieder anteilige Impfdosen im Freistaat ankommen.

3. Wieviele Impfungen sind bisher erfolgt?

Nach Angaben des Sozialministeriums sind in Sachsen seit Beginn der Impfaktion bis Dienstagabend (5. Januar) 10.767 Dosen „verimpft“ worden. Sie kamen den Bewohnern und dem Personal von Alten- und Pflegeheimen zugute sowie Ärzten und Pflegern in Krankenhäusern. Damit sind bisher nur 0,26 Prozent der sächsischen Bevölkerung geimpft (Impfquote).

Eine Mitarbeiterin im Städtischen Klinikum Dresden hält im Impfzentrum für Mitarbeiter ein Injektionsfläschchen mit dem Impfstoff gegen Corona in den Händen.
Eine Mitarbeiterin im Städtischen Klinikum Dresden hält im Impfzentrum für Mitarbeiter ein Injektionsfläschchen mit dem Impfstoff gegen Corona in den Händen. © Robert Michael/dpa

4. Warum ist diese Quote so niedrig im Vergleich zu anderen Bundesländern?

Das Sozialministerium verteidigt sein Vorgehen wie folgt: Man habe sich dafür entschieden, seit Impfbeginn am 27. Dezember „kontinuierlich täglich“ zu impfen – und das auch über die Feiertage. Dies sei „auch logistisch sinnvoll“. „Hätten wir sofort alles verimpft, auch über die Impfzentren, hätten wir sehr schnell keinen Impfstoff mehr gehabt und die Impfzentren hätten schließen müssen.“ Das Hauptproblem ist und bleibt der nur äußerst knapp vorhandene Impfstoff. Da die Hälfte des Impfstoffes gemäß der Absprache der Gesundheitsminister-Konferenz eben für die notwendige zweite Impfdosis zurückgelegt werden muss, ein großer Teil an die Krankenhäuser gegangen ist, bleibt derzeit in Sachsen nur ein geringer Spielraum.

5. Aber wo hakt es dann im Vergleich zu anderen Bundesländern?

Häufiger zu hören ist die Kritik, dass man in Sachsen zu spät mit den Impfvorbereitungen begonnen habe – die Alten- und Pflegeheime zu spät angeschrieben und in das Impf-Prozedere miteinbezogen habe. Auch die Einrichtung der Impfzentren ist im Vergleich zu anderen Bundesländern erst relativ spät erfolgt. Zudem sehen Experten die komplizierte Aufteilung der Zusammenarbeit von Rotem Kreuz und Kassenärztlicher Vereinigung kritisch. So baut das DRK zwar die Impfzentren auf, aber die KVS ist für die Ärzte und das Impfen zuständig. Außerdem sind auch die so genannten mobilen Impfteams nicht immer wirklich so mobil: Sie müssen schwere, umfangreiche Computer und Drucker mitschleppen zum Einsatz.

Zu größeren Schwierigkeiten kommt es laut Ministerium immer wieder durch die schwierigen Routenplanungen der mobilen Impfteams für Alten- und Pflegeheime. Es komme häufiger zu kurzfristigen Absagen durch die Heime, teilweise wegen Corona-Ausbrüchen und Quarantäne-Regelungen, doch teilweise seien auch die notwendigen Vorbereitungen in den Heimen auch noch gar nicht abgeschlossen.

6. Gibt es regionale Schwerpunkte oder wurden alle Kreise/Städte mit Impfstoff gleich „bedient“?

Die regionalen Schwerpunkte ergaben sich anfangs laut Sozialministerium aus den Rückmeldungen auf die Impfanfrage des Roten Kreuzes bei den Alten- und Pflegeheimen. Lange vor Weihnachten wurden demnach die Heime informiert über die bevorstehende Impfung und aufgefordert sich zu melden, damit die Impf-Route von mobilen Teams geplant werden kann. Die Auswahlkriterien für die ersten Heime waren laut Sozialministerium die Corona-Inzidenz sowie der Vorbereitungsstatus der Heime – so muss beispielsweise eine von jedem Impfwilligen unterschriebene Einverständniserklärung vorliegen, wie sie auch bei einer Grippe-Impfung verlangt wird.

Kriterien waren auch personelle Ressourcen in der jeweiligen Region sowie eine möglichst effiziente Routenplanung. Problematisch ist derzeit vor allem: In Sachsen sind knapp 43 Prozent der vollstationären Pflege- und Altenheime (278 von 654) derzeit von Corona-Infektionen betroffen. Infizierte dürfen nicht geimpft werden, das bedeutet, es kann nicht oder nur teilweise dort geimpft werden. Eine Quarantäne darf nicht gebrochen werden, heißt es aus dem Sozialministerium.

Anke Döring (r), Internistin im Städtischen Klinikum Dresden, impft im Impfzentrum für Mitarbeiter Hagen Bulir, Krankenpfleger in der Notaufnahme, gegen Corona.
Anke Döring (r), Internistin im Städtischen Klinikum Dresden, impft im Impfzentrum für Mitarbeiter Hagen Bulir, Krankenpfleger in der Notaufnahme, gegen Corona. © Robert Michael/dpa

7. Muss ich mich impfen lassen?

Nein, es besteht keine Impfpflicht.

8. Wann öffnen die Impfzentren und wer kann sich dort impfen lassen?

Sachsen hat 13 Impfzentren eingerichtet, jeweils eines in jedem Landkreis bzw. jeder kreisfreien Stadt. Sie sollen alle am kommenden Montag ihre Arbeit aufnehmen. Das heißt aber nicht, dass dort jeder hinfahren und eine Impfung bekommen kann. Da der Impfstoff auf längere Zeit noch knapp sein wird, sollen in den Zentren zunächst Angehörige prioritär zu impfender Berufsgruppen wie beispielsweise Mitarbeiter von ambulanten Pflegediensten, Sanitäter oder Feuerwehrleute geimpft werden, die bei der Ausübung ihres Berufes besonders gefährdet sind.

9. Wer gehört alles zu der Gruppe der höchsten Priorisierung I – also wer wird zuerst geimpft?

Laut Impfverordnung des Bundes sind das alle über 80-Jährigen, Bewohner in Alten- und Pflegeheimen, Mitarbeiter von ambulanten Pflegediensten, Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen z.B. Krankenhäuser, Rettungsdienste, Notaufnahmen oder Menschen, die Patienten mit einem hohen Risiko behandeln, pflegen und betreuen (beispielsweise Krebspatienten und im Bereich der Transplantationsmedizin). Insgesamt handelt es sich laut Sozialministerium in Sachsen um einen Kreis von rund 457.000 Personen.

10. Wieviele Impfdosen werden bis wann genau nach Sachsen geliefert? Bis Ende Januar, bis Ende Februar – sind weitere Zeiträume bereits absehbar?

An diesem Freitag soll die nächste Impfstoff-Lieferung in Sachsen eintreffen, das werden weitere 34.000 Impfdosen sein. Insgesamt sollen im Januar rund 102.375 Dosen eintreffen, die für mehr als 51.187 Menschen reichen werden. Das heißt: Wenn alles gut läuft – so schätzt das Sozialministerium – könnten bis Ende Januar etwa 18 Prozent der Priorisierungsgruppe I geimpft sein. Bereits ab Montag sollen täglich in Sachsen etwa 2.800 Menschen geimpft werden. Das anfänglich schleppende Tempo würde sich damit deutlich erhöhen.

Ein Impfausweis mit der eingetragenen Impfung gegen Corona. Der Impfstoff von Biontech bekam den Namen Comirnaty.
Ein Impfausweis mit der eingetragenen Impfung gegen Corona. Der Impfstoff von Biontech bekam den Namen Comirnaty. © Robert Michael/dpa

11. Werden die Impfzentren am Montag alle eröffnet?

Ja, alle werden dann am Start und täglich geöffnet sein. Das Rote Kreuz plant unter der Woche Öffnungszeiten von zehn Stunden, an Wochenenden von acht Stunden. Jedes Impfzentrum soll anfangs jeweils mit mindestens zwei Impfstrecken ausgestattet sein, die größeren können auf bis zu zehn erweitert werden. Das heißt: Wenn ausreichend Impfstoff da ist, könnten in Sachsen pro Tag dann 13.000 Menschen allein in diesen Zentren geimpft werden. Sobald mehr Impfstoff da ist, könnte es auch weitere ortsnahe Filialen von Impfzentren geben, heißt es aus dem Sozialministerium. Hin zu kommt pro Impfzentrum ein mobiles Impfteam, in Dresden und Leipzig ab Montag sogar jeweils zwei.

12. Wenn bald mehr Impfstoff zu Verfügung steht? Wie wird er aufgeteilt?

Die Zahl der Impfdosen orientiert sich dann an der Bevölkerungszahl eines Kreises oder einer Stadt. Aber die zu Verfügung stehenden Mengen sind weiterhin erschreckend gering: So sollen pro Landkreis etwa 100 Impfdosen täglich verimpft werden können, in den kreisfreien Städten etwa 200. Jedem der 13 Impfzentren sollen je nach Bevölkerungszahl 50 bis 230 Impfdosen zugeteilt werden. Kommt mehr Impfstoff, erhöhen sich die zugeteilten Dosen dementsprechend.

13. Wie kann ich an eine Impfung kommen?

Wer nicht zur Priorisierungsgruppe I gehört, wird noch länger darauf warten müssen. Jüngere, gesundheitlich nicht Vorbelastete vermutlich sogar noch einige Monate. Ab Montag soll eine Termin-Buchungsseite für individuelle Impf-Termine online starten, „in Kürze“ soll es auch eine telefonische Termin-Hotline geben, denn eine Impfung wird es nur nach vorheriger Termin-Absprache geben – aber all dies eben auch erstmal nur für die Priorisierungsgruppe I. Dabei appelliert Sozialministerin Petra Köpping an Alle, jetzt den Älteren zu helfen, zum Impfzentrum zu kommen. Auch für immobile Personen soll es bald ein Angebot geben, verspricht sie.

Hanna Hertzsch, 85-jährige Bewohnerin in einem Pflegeheim in Lichtentanne im Landkreis Zwickau, ist am 27. Dezember gegen Corona geimpft worden - im Hintergrund Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD).
Hanna Hertzsch, 85-jährige Bewohnerin in einem Pflegeheim in Lichtentanne im Landkreis Zwickau, ist am 27. Dezember gegen Corona geimpft worden - im Hintergrund Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD). © Robert Michael/dpa

14. Werden mögliche „Impfkandidaten“ der höchsten Priorisierung angeschrieben und zur Impfung „eingeladen“?

Nein, so etwas ist nicht geplant. Man konzentriere sich derzeit auf die mobilen über 80-Jährigen, die selbständig in ein Impfzentrum kommen könnten, heißt es aus dem Sozialministerium. Dabei sei „Eigenverantwortung bei der Planung gefragt sowie die Hilfe von Angehörigen“. Das bedeutet für Tausende von pflegenden Angehörigen, dass sie ab Montag versuchen müssen, einen Termin über die Online-Buchungsplattform zu ergattern. Eine kleiner Erleichterung soll es aber geben: Man darf sich das Impfzentrum aussuchen, das am leichtesten erreichbar ist - unabhängig von der Kreiszugehörigkeit.

15. Eine Impfung zuhause ist nicht möglich?

Vorläufig nicht, auch nicht für Angehörige, die zuhause gepflegt werden. Das liegt an der notwendigen und aufwendigen Kühlung für den derzeitig verwendeten Impfstoff von Biontech.

16. Warum sind Hausärzte nicht in die Impfungen mit eingebunden?

Bund und Länder haben sich gemeinsam zunächst dagegen entschieden, Hausärzte in dieser frühen Impfphase mit einzubeziehen. Das liegt vor allem am knappen Impfstoff sowie den hohen Lagerungs-Anforderungen beim Biontech-Impfstoff.

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17. Wenn weitere Impfstoffe in Europa zugelassen und geliefert sind – darf man sich eigentlich für die eigene Impfung den Impfstoff aussuchen?

Nein, heißt es aus dem Sozialministerium dazu. Möglicherweise werde es aber Empfehlungen geben für einzelne Impfstoffe.

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