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"Striezelmarkt essenziell für Erfolg des Adventsgeschäfts"

Dresdens Reisebranche bangt um den Striezelmarkt, denn viele Touristen warten die nächste Corona-Verordnung ab. Die Marktbetreiber haben klare Forderungen.

Von Kay Haufe & Julia Vollmer & Christoph Springer & Niels Heudtlaß
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Der Dresdner Striezelmarkt ist essentiell für den Erfolg des Adventsgeschäfts von Beherbergungs- und Gastronomiebetrieben.
Der Dresdner Striezelmarkt ist essentiell für den Erfolg des Adventsgeschäfts von Beherbergungs- und Gastronomiebetrieben. © freier Fotograf

Dresden. Kann er stattfinden oder nicht? Die Dresdner Reisebranche bangt um den Striezelmarkt.

Nach der coronabedingten Absage im vergangenen Jahr setzt der Tourismusverband Dresden (TVD) darauf, dass es den Striezelmarkt in diesem Jahr gibt. "Die Vorweihnachtszeit gehört im Dresden-Tourismus seit jeher zu den umsatzstärksten Wochen des Jahres", so Tourismusverbandschef Johannes Lohmeyer. "Der Striezelmarkt sowie die anderen Weihnachtsmärkte in der Stadt sind somit essenziell für den Erfolg des Adventsgeschäfts von Beherbergungs- und Gastronomiebetrieben, Gästeführern, Incoming-Unternehmen und Kultureinrichtungen."

Forderungen nach Planungssicherheit

Die Branche sei nach den Umsatzausfällen durch die Lockdowns und das Wegbleiben internationaler Gäste arg gebeutelt, Arbeitsplätze sind in Gefahr. "Deshalb vertrauen wir darauf, dass die Stadtverwaltung alles daran setzen wird, die Bestimmungen zum Corona-Schutz umzusetzen und insbesondere den Striezelmarkt zu ermöglichen - mit einem umsetzbaren und sicheren Konzept, das allen Beteiligten Planungssicherheit gibt“, sagt Anne Schwarz, Mitglied im TVD-Vorstand. Und der TVD-Vorsitzende Johannes Lohmeyer ergänzt: „Wir wissen sehr zu schätzen, dass die Stadt gerade alles unternimmt, um die Weihnachtsmärkte zu ermöglichen. Umso bedauerlicher ist es, dass einzelne Stadträte aus reiner Profilierungssucht dies öffentlich zerreden.“

Der Tourismusverband habe den Hilferuf der Händler auf den Dresdner Weihnachtsmärkten vernommen, die sich gegen ein Alkoholverbot im Fall des Eintretens der Überlastungsstufe ausgesprochen haben. „Wie auch die Händlerinnen und Händler haben wir Verständnis für einschränkende Maßnahmen, finden jedoch, dass ein generelles Alkoholverbot zu weit geht und befürworten Lösungen wie in anderen Städten, in denen der Verkauf von alkoholischen Getränken zwar begrenzt, aber nicht völlig untersagt wird", so Lohmeyer.

Unruhe gibt es auch in mehreren Städten der Region, darunter Meißen, Pirna und Freital. Die Bürgermeister haben eine gemeinsame Erklärung an die Landesregierung aufgesetzt. Auch sie beklagen fehlende Planungssicherheit. Einheitliche Regelungen bis zum Ende der Weihnachtsmärkte seien unerlässlich, um Städten, Händlern, Bürgern und Touristen eine Perspektive zu bieten, heißt es in der Erklärung. Deswegen fordern sie eine Verlängerung der aktuellen Weihnachtsmarkt-Regelungen von Ende November auf Ende Dezember.

"Viele Gäste befinden sich in einer Art Lauerstellung"

Viele Reiseveranstalter aus der Region setzen in der Adventszeit auf den Striezelmarkt als Zugpferd für Reiseangebote nach Dresden. “Wir werben seit 2009 kontinuierlich für die Wintersaison in Dresden Elbland, womit es uns gelungen ist, die Nachfrage und damit auch die Übernachtungen in diesen Monaten sukzessive zu steigern. Unsere aktuelle Kommunikation gleichen wir ständig mit der coronabedingten Situation ab”, sagt Corinne Miseer, Geschäftsführerin der Dresden Marketing GmbH.

Doch für viele Unternehmen ist die Wintersaison in Dresden dieses Jahr nur schwer planbar. Kommen also genug Gäste von außerhalb zum Weihnachtsmarkt?

Es gebe zwar einzelne Stornierungen, aber es sei noch keine große Stornierungswelle für die Weihnachtsreisen nach Dresden wahrzunehmen, sagt Julia Oertel von der Dresden Information GmbH. "Viele Gäste befinden sich nach meinem Gefühl in einer Art Lauerstellung und warten die Entwicklungen ab", vermutet die Zuständige für Gruppenreisen nach Dresden. In dieser Zeit sei sowieso nichts mehr planbar in der Branche und man müsse die Entwicklungen abwarten.

Die Tourismus-Marketing-Gesellschaft Sachsen GmbH (TMGS) bestätigt zum Teil den Dresdner Eindruck. "Die Gäste warten vor allem auf den 25. November, wenn die aktuelle Corona-Verordnung ausläuft", sagt Ines Nebelung, Pressesprecherin der TMGS.

Busreisen hängen in der Schwebe

Ein großes Problem sieht sie allerdings für die Veranstalter von Busreisen, die längere Fahrten mit Übernachtungen in der Adventszeit anbieten. Die Unternehmen seien darauf angewiesen, dass die Busse voll sind. Wenn dort viele Kunden absagen, weil sie aufgrund der Einschränkungen nicht in Hotels übernachten dürften oder Veranstaltungen wie dem Striezelmarkt fernbleiben müssten, könne das zu Problemen führen. "Einige Veranstalter haben mir bereits signalisiert, dass sie in diesem Fall die gesamte Reise stornieren würden", sagt Nebelung. Das heißt, dass dann auch geimpfte Gäste keine Möglichkeit hätten nach Dresden zu reisen.

Für Reiseveranstalter wie Eberhard Travel gehören jedoch Reisen nach Dresden, auch zum Striezelmarkt, zum Geschäft. "Unsere Reisen stehen nach wie vor allen Reise-Interessierten offen. Wenn die 2G-Regelungen in Kraft treten, werden wir unsere Kunden darüber informieren und uns dafür entschuldigen", so Sprecherin Daniela Paulan. Wenn dann die Kunden wegen dieser Einschränkungen nicht an der Reise teilnehmen wollen oder können, dann bitte man sie um eine Umbuchung auf eine andere Reise oder einen späteren Reisetermin. Die Folgen einer möglichen Absage für ihr Geschäft kann sie noch nicht abschätzen.