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Dritte Corona-Welle im Kreis Görlitz verläuft anders

Eine Welle ist nicht wie die andere. Die dritte zeigt deutliche Unterschiede bei Klinikpatienten, Todesfällen, Infektionsgeschehen. Das spricht für eine andere Corona-Politik.

Die Schulen sind bislang noch im Wechselunterricht geöffnet.
Die Schulen sind bislang noch im Wechselunterricht geöffnet. © André Schulze

Die dritte Welle zeichnet im Landkreis Görlitz bislang ein leicht anderes Bild als die zweite. Deren Eigenheit: Viele Patienten auf Normal- wie Intensivstationen, sehr hohe Inzidenz, viele Todesfälle, vor allem bei den über 80-Jährigen, Probleme bei der Kontaktnachverfolgung. Jetzt sieht es so aus: hohe Inzidenzwerte, viele Patienten auf Intensivstationen, vergleichsweise wenige auf Normalstationen, bislang geringere Sterblichkeit. Das bestätigen auch die Zahlen vom Montag.

Mit einer 7-Tage-Inzidenz um die 250 verharrt dieser wichtigste Indikator für die Corona-Pandemie seit einer Woche im Landkreis Görlitz auf einem Niveau, das deutlich über dem erstrebten von unter 50 liegt, aber nicht an die Spitzenwerte der zweiten Welle heranreicht. Am 16. Dezember lag sie bei 701. Die Inzidenzwerte des Kreis-Gesundheitsamtes und des Robert-Koch-Institutes in Berlin unterscheiden sich dabei momentan nur minimal, das RKI sah die Inzidenz am Montagmorgen bei 248, der Kreis am Montagmittag bei 250.

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Auch das Tempo der Pandemie ist nicht so hoch wie in der zweiten Welle. Dauerte es im Oktober/November gerade mal 16 Tage, dass die Inzidenz im Kreis Görlitz von 56 auf 258 stieg, so dauerte es in diesem Frühjahr fast zwei Monate, vom 22. Februar bis 13. April, dass die Inzidenz von 63 auf 244 kletterte. Ausbrüche in Altenheimen gibt es kaum noch, ein Ergebnis der Impfung der über 80-Jährigen und Altenheim-Bewohner. Bislang sind im Landkreis knapp 40.000 Einwohner und damit rund 16 Prozent mindestens einmal geimpft worden. Dafür findet das Coronavirus in Schulen und Kitas derzeit leichter den Weg von einem Kind zum anderen.

Schon viele Intensivpatienten, wenige auf Normalstationen

Zugleich aber zeigt die dritte Welle, dass die Betten auf der Normalstation viel weniger belegt sind als in der zweiten Welle. Stand Montag waren es 121 Menschen, die in einem Krankenhaus im Landkreis Görlitz stationär wegen Covid-19 behandelt werden mussten. Auf dem Höhepunkt der zweiten Welle am 30. Dezember waren es 280, am 11. März aber auch nur 53. Der Kreis hat aus den Erfahrungen der zweiten Welle die Erkenntnis gezogen, dass die Lage so lange kontrollierbar ist, bis 60 Prozent der 240 für Covid-19-Patienten vorgehaltenen Betten belegt sind, das wären 144.

Ein anderes Bild ergibt sich bei den Patienten, die eine intensivmedizinische Behandlung benötigen. Das waren am Montag 19, vor dem Wochenende 23. Diese Zahlen liegen näher am Höhepunkt der zweiten Welle, als beispielsweise am 2. und 3. Januar 30 Patienten auf den Intensivstationen lagen. Die Ärzte sehen im Moment, dass die Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen zwischen 60 und 80 Jahre alt sind und länger auf Station liegen - weil sie länger dem Coronavirus widerstehen als die noch betagteren Patienten in der zweiten Welle. Höher ist auch der Anteil der unter 60-Jährigen auf den Intensivstationen als noch vor Wochen.

Mit sechs Neuinfektionen, die die Labore und Praxen dem Kreis-Gesundheitsamt binnen 24 Stunden meldeten, ist das normale Montagsniveau nicht überschritten worden. Montags sind die Zahlen besonders niedrig, weil am Wochenende kaum Arztpraxen geöffnet haben und weniger Tests gemacht werden.

Todesfälle gehen stark zurück

In Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion sind im Landkreis Görlitz bislang 1.033 Menschen verstorben. Aber auch hier gibt es den Zahlen des Kreis-Gesundheitsamtes zufolge einen klaren Trend. Die Behörde vermeldet die Todesfälle, wenn sie ihr bekannt werden. Wurden zwischen 25. März und Anfang November 28 Todesfälle nach einer Coronavirus-Infektion verzeichnet, waren es im November 105, im Dezember und Januar jeweils 321, im Februar 161 und im März 72. Im April sind es bislang 25.

Unsicher ist, wie es nun weitergeht. Die Erkenntnis der zweiten Welle hieß, erst steigen die Infektionen, dann die Zahl der Patienten auf den Infektionsstationen, schließlich die Todesfälle. Ob das auch in der dritten Welle gilt, wo viel mehr Menschen zwischen 16 und 50 Jahren infiziert sind, ist derzeit offen.

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