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Impfen beim Hausarzt soll einfacher werden

In Sachsen soll die Terminvergabe per App eingeführt werden. Zudem sollen Fachärzte ab Mitte Mai impfen. Das DRK kritisiert derweil die Schließung der Impfzentren.

Erik Bodendieck, Präsident der Sächsischen Landesärztekammer.
Erik Bodendieck, Präsident der Sächsischen Landesärztekammer. © Robert Michael

Dresden. Ewiges Verharren in der Warteschleife an einem Ende der Leitung, genervtes Praxispersonal am anderen: Wer derzeit einen Corona-Impftermin beim Hausarzt bekommen will, braucht viel Geduld. Und das Problem dürfte sich noch verschärfen, wenn Ende Juni zehn der 13 Impfzentren in Sachsen schließen.

Die Lösung soll eine App liefern, wie der Präsident der Sächsischen Landesärztekammer, Erik Bodendieck, am Mittwoch ankündigte. Patienten können dann – ähnlich wie beim Impfportal des Freistaates – prüfen, welche Hausärzte in ihrer Umgebung freie Impftermine anbieten und sich dort anmelden. Wann die App an den Start geht, ist allerdings noch offen. Nach der Prüfung durch die Datenschützer ist nächste Woche ein technischer Test geplant.

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Laut Bodendieck beteiligen sich mittlerweile etwa 1.800 von 2.500 Hausarztpraxen an der Impfkampagne. Einen genauen Überblick haben aber weder Ärztekammer noch Kassenärztliche Vereinigung. Immer neue Entscheidungen zum Impfstoff von Astrazeneca hätten nicht nur bei Patienten, sondern auch bei Ärzten zu Verunsicherung geführt, sagte der Kammerpräsident. Manche scheuten auch den Beratungsaufwand, andere hätten nicht die räumlichen Voraussetzungen fürs Impfen.

Auch Fachärzte sollen impfen

Astrazeneca dürfe nicht zum Ladenhüter werden, sagte Bodendieck: „Der Impfstoff ist deutlich besser als sein Ruf.“ Studien hätten gezeigt, dass schon ab dem 50. Lebensjahr der Nutzen sehr viel größer als das Risiko, eine Hirnvenenthrombose zu erleiden. Die Europäische Arzneimittelbehörde sehe diese Altersgrenze bereits bei 40 Jahren.

Bodendieck äußerte die Hoffnung, dass bis Ende Juni der Großteil der erwachsenen sächsischen Bevölkerung zumindest einmal gegen das Coronavirus geimpft sein wird. Dies sei nur mit „gemeinsamer riesiger Kraftanstrengung“ zu schaffen.

Aus diesem Grund sollen spätestens ab Mitte Mai auch Fachärzte Impfungen in ihren Praxen anbieten. Außerdem plädierte Bodendieck, der selbst als Hausarzt praktiziert, für die Einführung von Impfsprechstunden. Ein Arzt könnte dann bis zu 60 Patienten am Tag beraten und impfen. Logische Konsequenz sei, dass dann weniger Routinebehandlungen möglich sind.

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Das DRK wird mit Ausnahme der Impfzentren in Dresden, Leipzig und Chemnitz nur noch bis Ende Mai Erstimpfungen anbieten. DRK-Sprecher Kai Kranich kritisierte die Schließung von zehn Impfzentren als verfrüht. „Wir haben leidvoll erfahren, was es bedeutet, wenn Erwartungen geweckt werden, die praktisch nicht umsetzbar sind, weil die Ressourcen dafür fehlen“, schrieb er auf der Facebookseite des DRK.

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