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Köche und Kellner händeringend gesucht

Die Gastronomie hat in der Pandemie Beschäftigte verloren. Auch im Rödertal benötigt die Branche dringend Personal. Das Problem ist aber auch hausgemacht.

Mario Friedrich, Inhaber des Restaurants „Pechhütte“ in Liegau-Augustusbad, sucht Personal. Derzeit steht er selbst wieder regelmäßig in der Küche und ist im Servicebereich tätig.
Mario Friedrich, Inhaber des Restaurants „Pechhütte“ in Liegau-Augustusbad, sucht Personal. Derzeit steht er selbst wieder regelmäßig in der Küche und ist im Servicebereich tätig. © Christian Juppe

Radeberg. Hier kocht der Chef selbst. Mit diesem altbekannten Slogan werben ja oft viele Restaurants und Gaststätten. Um zu zeigen, wie sehr dem Herrn des Hauses das kulinarische Wohl seiner Gäste am Herzen liegt. Aber in diesen Corona-Zeiten bleibt vielen Inhabern gastronomischer Betriebe eigentlich auch gar nichts anders mehr übrig, als selbst für die Gäste zu kochen. Denn die Branche sucht händeringend Personal. Servicekräfte wie Kellner, aber vor allem Köche.

Anruf bei Jens Richter, dem Geschäftsführer des Radeberger Sportwelt-Hotels, zu dem auch ein Restaurantbetrieb gehört. Ja, das sei jetzt eine ganz schwierige Zeit, meint Richter. Derzeit würden überall in der Gastronomie Mitarbeiter benötigt. Auch im Rödertal. Schon vor Corona sei es für hiesige gastronomische Einrichtungen schwer gewesen, an ausgebildete Kochfachkräfte zu kommen. In der Pandemie, so Richter weiter, habe sich diese Problematik noch verstärkt. Natürlich könne man auch mit Pauschalkräften, etwa Studenten, arbeiten. Die könne man sicher als Servicekräfte einsetzen. Aber für die Küche brauche man schon eine Fachkraft, einen ausgebildeten Koch, so Richter weiter. Aber die sind derzeit Mangelware auf dem leergefegten Arbeitsmarkt.

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Das zeigt auch ein Blick in die Statistik. Nach Angaben des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) sind der Gastronomie und Hotellerie während der Pandemie mehr als 325.000 Beschäftigte abhandengekommen. Während des mehrmonatigen Lockdowns haben sich viele der einstigen Minijobber und Festangestellten andere Jobs gesucht, sitzen nun an Supermarktkassen, arbeiten in Fabriken oder ernten Obst und Gemüse. Die Öffnung der Innengastronomie verschärft die bereits bestehenden personellen Engpässe noch. So ist aus dem Gastgewerbe mittlerweile sogar ein Bewerbermarkt geworden. Jetzt, wo die Betriebe wieder öffnen und Gäste bewirten dürfen, wird auf Aushängen, in Sozialen Medien und Zeitungsannoncen um neue Mitarbeiter geworben.

Personalsuche in Tschechien

Auch Mario Friedrich sucht Personal. Der Inhaber des Radeberger Restaurants „Pechhütte“ erzählt, dass er selbst wieder regelmäßig in der Küche stehe und auch noch im Servicebereich tätig sei. Derzeit suche er einen Koch und einen Servicemitarbeiter. Allerdings: Ob er in der nächsten Zeit jemanden finden werde, das sei fraglich, so Friedrich weiter. Bei der Dehoga Sachsen, wo man den eklatanten Fachkräftemangel im Gastgewerbe seit geraumer Zeit registriert hat, versucht man diesen zu kompensieren. „Wir suchen in Tschechien, Ungarn und auch Vietnam geeignetes Personal“, so Hauptgeschäftsführer Axel Klein.

Wer sich in diesen Tagen mit Rödertaler Gastronomen unterhält, erfährt, dass das Personalproblem aber auch hausgemacht ist. „Niedrige Löhne, fehlende Pausen, dazu die ständige permanente zeitliche Überlastung“, all das schrecke in der heutigen Zeit viele ab, sich überhaupt für einen Job in der Gastrobranche zu interessieren, so ein Radeberger Kneipier. Da müsse man sich nicht wundern, wenn immer wenige junge Leute eine Ausbildung in der Gastronomie machen wollten.

Es gibt allerdings auch Ausnahmen: In der Ottendorfer Pension Schwesinger sucht man keine neuen Mitarbeiter. Die, die bei Karsten Schwesinger beschäftigt sind, seien, so der Inhaber, „hier mit ihrem Job glücklich“. Viele der bestehenden Probleme in der Branche seien durch die Pandemie noch verstärkt worden, erklärt Karin Vladimirov von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Gründe, warum junge Menschen immer weniger Lust haben, einen Beruf in der Gastrobranche auszuüben, gebe es ja einige: schlechte Bezahlung, familienunfreundliche Arbeitszeiten und vor allem - fehlende Wertschätzung.

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Dies kann auch Karsten Schwesinger bestätigen. Sie vertritt die Überzeugung, dass man die gegenwärtigen personellen Missstände in der Gastrobranche sicher ein wenig abschwächen könne, wenn Mitarbeiter wie Kellner oder Köche nicht nur angemessen bezahlt, sondern in ihrer Arbeit auch wertgeschätzt würden. Dann, so der Ottendorfer, „bleiben diese Menschen in ihrem Job.“ Weil sie sich dort gut aufgehoben fühlen.

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