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Politik

Kretschmer will Lockdown verlängern

Sachsens Ministerpräsident spricht sich für einen über den 10. Januar hinaus verlängerten Corona-Lockdown aus. Manche Länder wollen aber Ausnahmen.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer will den Lockdown wegen der weiter hohen Infektionszahlen bis Ende Januar verlängern.
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer will den Lockdown wegen der weiter hohen Infektionszahlen bis Ende Januar verlängern. © Peter Endig/dpa

Vor neuen Bund-Länder-Gesprächen am Dienstag läuft alles auf eine Verlängerung des Lockdowns in Deutschland hinaus. Offen ist allerdings, bis wann die Beschränkungen ausgeweitet werden – und was mit Schulen und Kitas passiert. Hier könnten die Länder nach den Gesprächen mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) unterschiedliche Linien fahren.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) nannte eine Verlängerung des Lockdowns in Sachsen „bis mindestens Ende Januar unvermeidbar“. Auf Twitter schrieb er: „Wir befinden uns in der härtesten Phase dieser Pandemie. Die Erfahrungen unserer Nachbarn zeigen: Frühes Lockern führt zum sprunghaften Anstieg der Infektionen.“

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Ebenso wie Kretschmer forderte auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) eine Lockdown-Verlängerung um weitere drei Wochen bis Ende Januar. "Vorschnelle Lockerungen würden uns wieder weit zurückwerfen", sagte er der "Bild am Sonntag". Erst Mitte Januar wisse man wirklich, wie sich Weihnachten und Silvester auf die Infektionszahlen ausgewirkt hätten. "Wir müssen konsequent bleiben und dürfen nicht wieder zu früh aufgeben", sagte Söder.

Auch andere stark von Corona betroffene Bundesländer plädierten laut Medienberichten in der Telefonkonferenz für eine Verlängerung bis Monatsende, während weniger betroffene Länder einer neuen Entscheidung schon nach zwei Wochen zuneigten. Die Regierungschefs von Hamburg, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Rheinland-Pfalz, Peter Tschentscher (SPD), Stephan Weil (SPD), Reiner Haseloff (CDU), Bodo Ramelow (Linke) und Malu Dreyer (SPD), gehen ebenfalls davon aus, dass die strengen Regeln weiter gelten müssen. Sie nannten in Interviews aber keine Zeitspanne.

Schulen und Kitas sorgen für Diskussionen

Tschentscher will zudem über die derzeit geschlossenen Schulen diskutieren. Dieses Thema ist besonders strittig. Der Hamburger Bürgermeister sagte der "Welt am Sonntag", er erwarte vom Bund Informationen, "auf welcher wissenschaftlichen Grundlage beziehungsweise Datengrundlage er eine weitere pauschale Schließung von Kitas und Schulen fordert und wie er sich vorstellt, dass damit die wesentlichen Funktionen der Grundversorgung und medizinischen Behandlungskapazitäten aufrechterhalten werden sollen".

Die Kulturminister der Länder beraten bereits am Montag über die Lage, einen Tag vor den Ministerpräsidenten. Sie halten vor allem die baldige Öffnung der Kitas und Grundschulen für vorrangig. Söder dagegen warnte vor einer "überstürzten Öffnung von Schulen und Kitas". "Es wäre angesichts der hohen Infektionszahlen verantwortungslos, Lehrer und Schüler einfach wieder komplett in die Schulen zu schicken", sagte er. Gerade nach den Ferien sei die Gefahr von Ansteckungen hoch.

In der Telefonkonferenz plädierten Länder mit hohen Fallzahlen dafür, die Schulen vorerst geschlossen zu halten, Länder mit geringeren Zahlen für eine frühere Öffnung mit Wechsel- oder Distanzunterricht höherer Klassen. Einzelne Länder regten auch ein Vorziehen der Winterferien an, die in manchen Ländern zwischen dem 1. und 15. Februar beginnen.

Besorgung und Verteilung der Impfstoffe sorgt für Streit

Auch der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, plädierte für eine Verlängerung des Lockdowns. Bund und Länder sollten um volle vier Wochen nachlegen, sagte er der "Rheinischen Post". Das würde einen Lockdown bis zum 2. Februar bedeuten. "Und ich bin überhaupt nicht sicher, dass dann Schluss ist", sagte Montgomery.

Der Verbandsvorsitzende verteidigte auch das Vorgehen des Bundes und der EU bei der Bestellung der Impfstoffe. "Niemand wusste, welcher Impfstoff zuerst über die Ziellinie der Zulassung gehen würde", sagte er. Alle Vorwürfe jetzt seien "der billige Versuch, politischen Honig aus dem Impfstoffmangel zu saugen".

Führende Politiker aus der Opposition und von der SPD hatten kritisiert, die Bundesregierung habe sich mit der EU zu spät und wenig um die Beschaffung von Impfstoff gekümmert. Vor allem die SPD griff dabei auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) an. Dieser verteidigte sich mit dem Hinweis, dass es zu Impfbeginn zwar wenig Impfstoff gebe, er die Liefermengen aber genau so angekündigt habe, wie sie nun auch kämen.

Söder greift EU-Kommission an

Andere Unionspolitiker stellten sich wie der Berliner Virologe Christian Drosten hinter den Minister und die EU. Doch auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) warnte vor wohlfeiler Kritik an der Impfstoff-Bestellung. "Besserwisserei hilft uns heute gar nichts", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

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Söder dagegen griff die EU-Kommission an, die europaweit für die Beschaffung zuständig war. Sie habe zu wenig bestellt und auf die falschen Hersteller gesetzt. "Es ist schwer zu erklären, dass ein sehr guter Impfstoff in Deutschland entwickelt, aber woanders schneller verimpft wird", sagte er mit Blick auf die Mainzer Firma Biontech.

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