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"Mit Maske will niemand Hochzeit feiern"

Die Dresdner Hochzeitsplanerin Doreen Körner hat die Corona-Krise genutzt, um ihren eigenen Laden zu eröffnen. Zukunftsangst? Dafür hat sie keine Zeit.

Hochzeitsplanerin Doreen Körner eröffnete im vergangenen Herbst ihren eigenen Laden. Vom Lockdown lässt sie sich die Laune nicht vermiesen.
Hochzeitsplanerin Doreen Körner eröffnete im vergangenen Herbst ihren eigenen Laden. Vom Lockdown lässt sie sich die Laune nicht vermiesen. © Sven Ellger

Dresden. Wenn der Bräutigam die Ringe verlegt hat oder der Brautmutter die Hochzeitstorte aus den Händen gleitet, dann sind viele Hochzeitspaare froh, wenn es jemanden gibt, der die Nerven und den Überblick behält. Jemanden wie Doreen Körner.

Gerade bei Notfällen kennt sich die 40-jährige Dresdnerin aus. Lange Zeit arbeitete die gelernte Krankenschwester in der Anästhesie im Neustädter Krankenhaus. Mit zwei Kindern waren die 24-Stunden-Schichten allerdings immer weniger unter einen Hut zu bekommen. Als ihr dann 2014 auch noch der Kindergarten offenbarte, dass sie den erhofften Platz nicht bekommen werde, beschloss sie, sich komplett neu zu orientieren.

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Erst 2012 hatte Doreen Körner ihren Freund geheiratet und die große Hilfe ihres Hochzeitsplaners danach nie mehr aus dem Kopf bekommen. Warum nicht selbst einer werden, dachte sie sich nun. Wenige Monate und ein Gründungsseminar später begleitete sie die ersten Paare bis zu ihrem großen Tag.

Wer ausgefallene Figuren für die Hochzeitstorte sucht, könnte bei Doreen Körner richtig sein.
Wer ausgefallene Figuren für die Hochzeitstorte sucht, könnte bei Doreen Körner richtig sein. © Sven Ellger

"Ich sage immer gern: Hochzeiten sind wie ein Hausbau. Die Planungen gehen zwar am Ende nie auf, aber es ist trotzdem wichtig, dass es einen Plan gibt." Auch nach acht Jahren brennt die Dresdnerin noch für ihre Aufgabe - und hat mit ihren medizinischen Fähigkeiten schon so manche Hochzeit gerettet. So behandelte sie einen Gast nach einem allergischen Schock und infundierte ein anderes Mal den vom Norovirus geplagten Bräutigam so fit, dass er bis nachts um zwei feiern konnte.

Einmal Krankenschwester, immer Krankenschwester. "Wenn man mich jetzt in den OP-Saal stellen würde, dann würde ich sicher auch noch eine Narkose hinbekommen", sagt sie. Eine Rückkehr in ihren alten Beruf steht dennoch vorerst nicht zur Debatte.

Im Gegenteil: Im vergangenen Jahr wagte sie den nächsten Schritt und kaufte kurzerhand ein Geschäft für Hochzeitsartikel, das bis dahin in Chemnitz seine Kunden empfangen hatte. Jeden Schrank, jeden Kronleuchter und sämtliche Ware ließ sie nach Dresden transportieren, wo sie sich in der Leisniger Straße in Pieschen die passenden Räumlichkeiten gesichert hatte.

Im Oktober eröffnete Doreen Körner voller Enthusiasmus ihren "Hochzeitsshop Sachsen" - und musste schon im November wieder schließen. Noch bevor sich das neue Geschäft in der Stadt herumsprechen konnte, schlug der Corona-Lockdown erbarmungslos zu. Seitdem können sich nur sie und ihre Mitarbeiterin Kyra über die hübsche Dekoration freuen. "Ich lass das aber gar nicht an mich ran", sagt die Chefin. "Jetzt zu jammern, würde niemanden weiterbringen." Und das will sie unbedingt: Weitermachen, wachsen, bekannter werden.

Unzählige Schuhe warten in den Verkaufsregalen und im Lager auf die richtigen Füße.
Unzählige Schuhe warten in den Verkaufsregalen und im Lager auf die richtigen Füße. © Sven Ellger

Brexit macht auch Hochzeitsgeschäfte schwerer

Das recht gut laufende Onlinegeschäft mit Bändern, Stammbüchern, Ringkissen und rund 9.000 anderen Artikeln bringe sie über die Krisenwochen, wenngleich die Rücklagen inzwischen aufgebraucht seien. Natürlich habe auch die Bank recht schnell wegen der Finanzplanung nachgefragt, habe aber viel Verständnis gezeigt. "Die melden sich erst Ende des Quartals wieder", sagt Doreen Körner und schmunzelt.

Zur Zeit mache ihr neben Corona vor allem der Brexit zu schaffen. Lieferungen von zwei wichtigen Händlern aus Großbritannien kosten sie plötzlich mehrere Hundert Euro zusätzlich. "Da muss ich schon überlegen, wie sinnvoll das künftig noch ist."

Auch ihr zweites Standbein, die Hochzeitsplanung, lahmt seit vergangenem Frühjahr mal mehr und mal weniger. Seit Doreen Körner den Laden übernommen hat, bietet sie aus Zeitgründen keine Komplettplanungen mehr an, steht Paaren aber immer gern beratend zur Seite. "Im Oktober hatte ich noch zwei Hochzeiten, die haben wir durchgezogen", sagt sie. "Danach wurde es natürlich schwieriger."

Fertige Konzepte für Feiern unter besonderen Hygienebedingungen hat sie nicht in der Schublade. "Das würde auch nichts bringen, denn die Anforderungen können sich ja jeden Tag ändern." Stattdessen sei sie gern bereit, in jedem Einzelfall zu beraten und das Mögliche möglich zu machen. Hübsch bestickte Masken oder besonders dekorative Spender für Desinfektionsmittel gehören allerdings nicht zu ihrer Produktpalette. "Mit Maske will sowieso niemand Hochzeit feiern", sagt sie. "Da waren sich bisher alle Paare einig."

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Auch mit Alkoholverbot oder einer Begrenzung bis 23 Uhr wollen sich die wenigsten arrangieren. Zwar würden die Trauungen nur selten abgesagt, die Feiern dann aber in der Regel verschoben. "Das Verschieben ist zurzeit auch meine Hauptaufgabe", sagt Doreen Körner. Glücklicherweise seien die meisten Partner, ob Vermieter oder Floristen, äußerst verständnisvoll.

Für alle, die in diesem Jahr ihre Hochzeit planen, hat sie einen Tipp: "Wer mit 200 Gästen feiern will, dem rate ich: Macht es nicht." Bei 50 bis 75 Gästen sei die Chance deutlich höher, dass sich die Vorfreude nicht in Enttäuschung über eine Absage verwandele. Grundsätzlich sollten derzeit mindestens zwei Varianten parallel verfolgt werden. Nur so könne man auf unvorhersehbare Entwicklungen reagieren.

Die Hochzeitsplanerin selbst ist inzwischen eine Meisterin im Umplanen. Vielleicht will Doreen Körner demnächst auch ihren Laden noch einmal umbenennen, da sie viele schöne Dinge verkaufe, die nicht nur zu Hochzeiten Freude bereiten. Ihre Luftballons und Girlanden könnten genauso auch Geburtstage und andere Jubiläen schmücken - sobald die wieder gefeiert werden dürfen.

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