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Der Wieler-Knacker folgt dem Räucher-Drosten

Tino Günthers Räuchermännel wird nun im Museum ausgestellt und bekommt einen Kumpel: ein Nussknacker, der optisch an RKI-Chef Wieler erinnert.

In der Werkstatt des Spielzeugmachers Tino Günther in Seiffen raucht der neuesten Figur des Sortiments der Kopf. Der Virologen-Räuchermann mit seinem Mund-Nasen-Schutz erinnert stark an den Charité-Virologen Drosten.
In der Werkstatt des Spielzeugmachers Tino Günther in Seiffen raucht der neuesten Figur des Sortiments der Kopf. Der Virologen-Räuchermann mit seinem Mund-Nasen-Schutz erinnert stark an den Charité-Virologen Drosten. © dpa-Zentralbild

Auch wenn das Ende der Pandemie wohl alle herbeisehnen: In vielen Wohnzimmern wird Corona die Zeit überdauern – und zwar in Schrankwänden oder Regalen. Tausendfach qualmt es bereits in Deutschlands Stuben aus dem Räuchermännel in Form des Virologen Christian Drosten. Der Seiffener Spielzeughändler Tino Günther hat die Figur kreiert.

Nun zieht ein zweites Unternehmen aus dem Erzgebirge nach. Die Manufaktur Steinbach Volkskunst aus Marienberg hat einen Nussknacker im Sortiment, der an den Präsidenten des Robert Koch-Instituts (RKI) Lothar Wieler erinnert.

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Die Ähnlichkeit ist jedenfalls auffällig: Wie der RKI-Chef trägt auch der Nussknacker, der im weißen Mediziner-Kittel gekleidet ist, seine grauen, kurzen Haare leicht nach oben gebürstet. „Ähnlichkeiten zu Personen des öffentlichen Lebens sind reiner Zufall“, bestreitet Robert Liebich von Steinbach Volkskunst aber jede Verbindung zum RKI-Chef. Über 90 Prozent der Nussknacker würde die Manufaktur in den USA verkaufen. „Von unseren amerikanischen Kunden kennt kaum jemand Herrn Wieler.“

Tausendfach wurde Tino Günthers Räucherfigur verkauft.
Tausendfach wurde Tino Günthers Räucherfigur verkauft. © Jürgen Lösel

Entsprechend trägt die Figur den neutralen Namen „Covid-19-Fighter“, Kämpfer gegen Covid-19. „Seit Jahrhunderten ist die traditionelle Bestimmung der Nussknacker, die Menschen vor bösen Geistern zu beschützen und schöne Momente zu spenden“, erklärt Manufaktur-Geschäftsführer Rico Paul die Idee. Der Covid-19-Kämpfer aus seinem Haus soll den Menschen zum Start der Impfungen gegen das Coronavirus etwas Hoffnung geben. Erst vor wenigen Tagen erfolgte der Verkaufsstart auf einer Messe im amerikanischen Atlanta. „Die Resonanz ist überwältigend“, sagt Paul.

Nur wenige Dutzend der Figuren hatte die Manufaktur zunächst produziert. „Wir haben innerhalb weniger Minuten den kompletten Lagerbestand an unsere amerikanischen Kunden ausverkauft“, freut sich der Geschäftsführer. Und das trotz des stolzen Preises: Für 239 Euro ist der Virologen-Nussknacker im Online-Shop der Manufaktur zu haben. Nun soll schnellstens nachproduziert werden – zumal die Neugierde an dem Nussknacker auch hierzulande da ist. Das große Interesse in Deutschland komme „ziemlich überraschend“, heißt es bei der Manufaktur.

Der Marienberger Händler Rico Paul zieht mit einem Nussknacker im Arztkittel nach.
Der Marienberger Händler Rico Paul zieht mit einem Nussknacker im Arztkittel nach. © Steinbach Volkskunst

Überrascht wurde auch Tino Günther aus Seiffen, als er vergangenen Herbst seine Räucherfigur in Form des Virologen Christian Drosten entwarf. Inzwischen sind um die 10.000 Bestellungen bei ihm eingegangen, teils sogar aus den USA, Japan und Shanghai. Ein besonderer Käufer ist das Bonner Museum Haus der Geschichte, wo die Figur ausgestellt werden soll. Der Drosten-Räuchermann verkörpere ein Stück Zeitgeschichte und illustriere, wie der Wissenschaftler der Berliner Charité während der Corona-Pandemie Eingang in die Populärkultur gefunden habe, sagte Museumssprecher Peter Hoffmann der Nachrichtenagentur dpa.

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Die Anfrage des Bonner Museums erfüllt Günther mit Stolz. „Das ist eine große Ehre für mich und das erzgebirgische Kunsthandwerk“, sagt der Händler, der immer noch ungläubig von dem Hype um seine Figur berichtet. „Wer mich kennt, der weiß, dass ich kühn träume. Aber das hab ich mir in meinen allerkühnsten Träumen nicht vorgestellt .“ Da liegt es nah, mit einer weiteren Figur nachzulegen. Etwa Gesundheitsminister Spahn? Günther lacht und winkt ab. Zwei Prinzipien habe er. Erstens: keine Politiker. Und zweitens: keine gute Idee nachahmen. „Das ist wie in der Musikbranche. Wenn man einen Hit hat und einen ähnlichen nachschieben will, geht das schief.“ Sein nächstes Projekt wird daher ein Brettspiel. Das fertigt er mit einer Kinderbuchautorin – und ohne Virologen. (mit dpa)

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