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Wann gibt es Medikamente gegen Corona?

Ärzten fehlen noch immer wirksame Arzneimittel gegen Corona. Dabei wird auf Hochtouren daran geforscht. Ein Überblick zu Hoffnungsträgern und Flops.

Während weltweit gegen Corona geimpft wird, suchen Ärzte und Pharmakologen auf Hochtouren nach Medikamenten gegen das Virus.
Während weltweit gegen Corona geimpft wird, suchen Ärzte und Pharmakologen auf Hochtouren nach Medikamenten gegen das Virus. © Robert Michael/dpa

München. Die dritte Corona-Welle rollt über Deutschland hinweg. Während im Rekordtempo gleich mehrere Impfstoffe zugelassen wurden, fehlt es Ärzten noch immer an wirksamen Medikamenten zur Behandlung ihrer Patienten - trotz weltweit mit Milliardensummen unterstützter Forschung an Arzneimitteln gegen Corona.

Derzeit würden rund 400 verschiedene Substanzen auf Wirksamkeit gegen Sars-CoV-2 untersucht, sagt Stefan Kluge, Koordinator der Behandlungsleitlinien der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). Bisher aber habe es bei fast allen Studien negative Ergebnisse gegeben.

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Zuletzt sei bei der Entwicklung von Arzneien "ein bisschen Ernüchterung" eingetreten, sagt auch der Infektiologe Clemens Wendtner von der München Klinik. Hoffnungen ruhen etwa noch auf synthetisch hergestellten Antikörpern, die das Virus im Körper außer Gefecht setzen sollen. Doch die Erwartungen sind inzwischen gedämpft. Auch eine Reihe sogenannter antiviraler Substanzen wird untersucht. Bisher fehlt aber ein Mittel, das das Virus spezifisch bekämpft.

Antibiotika nur in Ausnahmefällen sinnvoll

Bei Klinik-Patienten wird bislang vor allem das entzündungshemmende und lange bekannte Kortikoid Dexamethason eingesetzt. Es soll eine überschießende Immunreaktion bremsen, die bei Covid häufig auftritt, und gehört zu den laut nationaler Leitlinie empfohlenen Medikamenten.

Auch andere anti-entzündliche Wirkstoffe werden untersucht. In absehbarer Zeit zugelassen werden könnte der bisher gegen rheumatische Arthritis eingesetzte Wirkstoff Tocilizumab. Zudem greifen Ärzte zu erprobten Arzneien, die je nach Verlauf bei bestimmten Komplikationen schützen. Oft bekommen Klinik-Patienten Blutverdünner - denn Covid-19 erhöht die Gefahr von Thrombosen, Infarkten und Schlaganfällen.

Wegen der Gefahr einer zusätzlichen bakteriellen Infektion werden häufig auch Antibiotika verabreicht. Doch diese seien gegen das Virus wirkungslos und nur in bestimmten Fällen sinnvoll, mahnt Kluge, der auch Chef der Intensivmedizin am Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf ist. Weltweit sei der Antibiotika-Verbrauch mit der Pandemie rasant gestiegen - das werde unter anderem zu weiteren Resistenzen führen. "Antibiotika haben bei Covid-19 primär nichts zu suchen. Da muss man sehr kritisch hingucken."

Bei Klinik-Corona-Patienten wird vor allem das entzündungshemmende und lange bekannte Kortikoid Dexamethason eingesetzt.
Bei Klinik-Corona-Patienten wird vor allem das entzündungshemmende und lange bekannte Kortikoid Dexamethason eingesetzt. © Oliver Berg/dpa

Dass überhaupt ein rundum wirksames Heilmittel gegen Covid-19 gefunden wird, gilt als unwahrscheinlich. "Wir werden nichts finden, was die derzeitige Sterblichkeit von 20 bis 30 Prozent auf der Intensivstation auf 0 Prozent reduziert", sagt Kluge.

Bei Grippe und anderen Viruskrankheiten fehlen direkte Heilmittel bis heute. "Es gibt auch bei anderen respiratorischen Viren nur bedingt wirksame Therapie-Optionen", sagt Christoph Spinner, Oberarzt Infektiologie und Pandemiebeauftragter des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München (TUM).

"Das dürfte vor allem daran liegen, dass bei den respiratorischen Erkrankungen nur ein frühes Fenster für die antiviralen Ansätze bleibt, während dann bei den komplizierten späten Erkrankungsphasen mehr immunologische Therapien erforderlich sind." Dexamathason senke die Sterblichkeit zwar signifikant, aber nicht auf Null. "Daher macht die Verhinderung der schweren Infektion durch Impfung einfach am meisten Sinn."

Tests mit synthetisch hergestellten Antikörpern

In mehreren Kliniken in Deutschland werden derzeit synthetisch hergestellte Antikörper erprobt: Bamlanivimab sowie REGN-COV2, das auch Ex-Präsident Donald Trump bekam. Trotz bisher schlechter Studienlage und mangelnder Empfehlung dafür hatte sich die Bundesregierung von beiden Medikamenten 200.000 Dosen für rund 400 Millionen Euro gesichert.

Sie liegen nun im Schrank, wie Mediziner berichten. Von 100 therapeutischen Bamlanivimab-Einheiten sei an der München Klinik bis Anfang März nur eine Einzige verwendet worden, in anderen Kliniken gebe es ähnliche Erfahrungen, sagt Wendtner. "Das ist nicht der Blockbuster, der ständig aus dem Apotheken-Schrank gezogen wird."

Das Mittel dürfen Ärzte in Deutschland nur in der Klinik ausgewählten Patienten in der Frühphase verabreichen. Werde es zu spät gegeben, könnte der Körper schon eigene Antikörper gebildet haben, sagt Wendtner. "Das Medikament kann dann eine schwere Immunreaktion auslösen bis zum allergischen Schock."

Plasma mit Corona-Antikörpern wird beim DRK Blutspendedienst Oldenburg aus dem Blut einer Spenderin mit genesener Corona-Infektion gewonnen.
Plasma mit Corona-Antikörpern wird beim DRK Blutspendedienst Oldenburg aus dem Blut einer Spenderin mit genesener Corona-Infektion gewonnen. © Sina Schuldt/dpa

In den USA heißt es mittlerweile von Behördenseite, dass Bamlanivimab als alleiniger Antikörper nicht mehr eingesetzt werden soll, weil er gegen viele Corona-Varianten nicht helfe. Experten des RKI schrieben andererseits erst kürzlich mit Verweis auf Laborexperimente, dass Bamlanivimab bei der mittlerweile in Deutschland dominierenden Variante B.1.1.7 wirksam sei.

Auch sogenanntes Rekonvaleszentenplasma - aus dem Blut von Genesenen gewonnene Antikörper - wird in Deutschland weiter erprobt. Der Wirkmechanismus ist vergleichbar mit dem synthetischer Antikörper. Bundesweit hatten Universitätskliniken schon vor einem Jahr Corona-Genesene um Blutplasma-Spenden gebeten. Die Aussagen zur Wirksamkeit seien allerdings "heterogen", sagt Spinner vom Klinikum rechts der Isar.

Geforscht wird auch an Medikamenten, die eine Zerstörung der Lunge verhindern. Dabei geht es etwa um sogenannte mesenchymale Stammzellen. Sie werden aus Nabelschnurgewebe gewonnen, sind Vorläufer für verschiedene Zelltypen im Körper - und könnten nach ersten Studien schwer erkrankten Corona-Patienten helfen. Sie sollen Lungengewebe schützen oder regenerieren.

Vor Monaten wurde die Zulassung des ursprüngliche gegen das Ebola-Virus entwickelten Remdesivir als Meilenstein gefeiert. Das Mittel kommt nun kaum zum Einsatz, wie Ärzte übereinstimmend berichten. Als nicht wirksam und teils sogar kontraindiziert erwies sich das Malaria-Medikament Chloroquin. Trump hatte dieses zu Beginn der Pandemie als Wunderwaffe und "Geschenk Gottes" gepriesen. Die FDA erteilte dem Mittel die Notfallzulassung - die schon nach einigen Wochen wieder zurückgezogen wurde.

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