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Der Streit um Sachsens teuerste Bundesstraße

Mit Dämmen und Brücken wird das Seidewitztal durchquert. © Visualisierung: DEGES

Bei der Südumfahrung Pirna kosten 3,8 Kilometer 100 Millionen Euro. Nicht das einzige Projekte, das aus dem Ruder gelaufen ist. 

Pirna/Dresden/Berlin. Die seit mehr als 20 Jahren geplante Südumfahrung der Stadt Pirna kommt noch einmal auf den Prüfstand. Nach Angaben des Bundesrechnungshofs werde man "die Entwicklung der Projektkosten beim Bau der Ortsumgehung Pirna gegebenenfalls genauer untersuchen". Das teilte der Präsident der Behörde, Kay Scheller, im Oktober dem Dresdner Bundestagsabgeordneten Stephan Kühn von den Grünen mit.

Hintergrund des Schreibens ist die Kostenexplosion des Straßenbauprojekts im Süden von Pirna. Es soll vor allem den Ausflugs- und Reiseverkehr in die Sächsische Schweiz um die Stadt herumleiten. Die 3,8 Kilometer lange Strecke soll 96,6 Millionen Euro kosten. In den ersten Planungen war von knapp 20 Millionen Euro die Rede.

"Die Kostendifferenz zwischen Planfeststellungs- und Ausführungsentwurf bei der Umfahrung ist ein Beleg dafür, dass sich die Verlässlichkeit bei Straßenbauvorhaben nicht verbessert hat", urteilt der Bundesrechnungshof.

Der Baubeginn war im August dieses Jahres. 2022 soll das Projekt fertig sein. Mit einem Kilometerpreis von 25,4 Millionen Euro ist es der teuerste Bundesstraßen-Neubau in Sachsen seit der Wende. Bundesweit liegt die Südumfahrung mit dem Wert auf Platz sieben der Bundesstraßen-Projekte.

Kostensteigerungen bei großen Straßenbauvorhaben sind in Sachsen nicht neu. Bei der Westtangente Bautzen (B 96) fiel die Abschlussrechnung um 30 Prozent höher aus als kalkuliert. Bei der Ortsumgehung Großenhain (B 98) waren es 48 Prozent. Der Neubau des Teilstücks der Autobahn 72 zwischen Rötha und Leipzig-Süd kostete gar doppelt so viel wie geplant. Der Bundesrechnungshof kritisiert, die Straßenbauverwaltungen der Länder würden die Kosten zunächst nur "auf Basis einer Kilometer-Pauschale" ermitteln.

Ebenfalls umstritten ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis solcher Straßenbauten. Mittels komplexer Formeln werden Investitionen, Schäden und Nutzenpotenziale für Umwelt und Region verrechnet. Zur Südumfahrung Pirna heißt es, jeder dort investierte Euro bringe der Umwelt letztendlich den 5,9-fachen Wert. Allerdings werden in dieser Rechnung Tunnelstrecken nicht als Flächeninanspruchnahme und Umweltkonflikt gewertet. Großbrückenstrecken gelten als "konfliktvermeidend". Bei der neuen B 172 wird das Gottleubatal mit einer 960 Meter langen Brücke überquert, der Kohlberg wird auf rund 300 Metern untertunnelt.

Einwände des Sachsenforsts hinsichtlich des Verlusts von Mischwald wurden in der Planfeststellung zurückgewiesen, ebenso Bedenken der Landestalsperrenverwaltung zum Hochwasserschutz.