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Vom Puder zur Creme: Florena wird 100

1920 wurde für die Marke aus Waldheim Patent angemeldet. Nun sind die Tage des Betriebs an der Zschopau gezählt.

1920 wurde für die Marke aus Waldheim Patent angemeldet. Nun sind die Tage des Betriebs an der Zschopau gezählt.
1920 wurde für die Marke aus Waldheim Patent angemeldet. Nun sind die Tage des Betriebs an der Zschopau gezählt. © beiersdorf ag

Hamburg/Waldheim. Sie ist eines der beliebten Ost-Produkte, die sich auch nach der Wende am Markt gehalten haben: die Florena-Creme. Seit mittlerweile 100 Jahren ist in Deutschland die Rede von der Marke. 1920 wurde jene von der Waldheimer Parfümerie- und Toilettenseifenfabrik beim damaligen Reichspatentamt in Berlin registriert. Der Anfang einer Erfolgsgeschichte, die bis heute andauert.

Allerdings hat sich die Produktpalette von Florena in den vergangenen Jahren deutlich geändert. So wurde anfangs ein Talkum-Puder, wie es zum Beispiel in Baby-Puder vorkommt, mit der „blumig-lieblichen Wortschöpfung“ bezeichnet, wie es in der Geschichte von Florena heißt.

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Die Firma hinter Florena, die Waldheimer Parfümerie- und Toilettenseifenfabrik, wurde bereits 1852 von Adolf Heinrich August Bergmann als „Fabrik zur Bereitung chemischer Düngemittel“ gegründet. Hergestellt wurde hier zunächst Zahnseife, der Vorläufer der heutigen Zahncreme. Fast 50 Jahre später, 1897, bietet die Firma bereits rund 800 verschiedene Produkte, darunter Zahnpasta, Taschentuchparfüm, Toilettenseife und Sommersprossenmilch an.

Weltweite Exporte vor der Weltwirtschaftskrise

1920 schließlich kommt es zur Geburt von „Florena“. Nach einer Phase des Tiefs durch die Inflation 1923 geht es für die Waldheimer Fabrik wieder aufwärts, 1928 ist die Rede von Exporten aus Waldheim in die ganze Welt, unter anderem nach Südafrika, in die USA, nach Südamerika sowie nach fast ganz Europa. Doch die Weltwirtschaftskrise ab 1929 bremst die Euphorie.

Nach dem Zweiten Weltkrieg folgt die Umfirmierung zu einem Volkseigenen Betrieb (VEB). Der Name VEB Rosodont Werk Waldheim bleibt bis 1970 bestehen. In jener Zeit entwickelte sich der Betrieb gut, sagt Anke Schmidt, Sprecherin der Beiersdorf AG, zu welcher das Waldheimer Werk seit 2002 gehört. „Eine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung wird aufgebaut“, schildert Schmidt. Die Produktpalette mit dem Namen „Florena“ wächst.

Erste "Hautkrem" kommt 1955 auf den Markt

Höhepunkt in der Markengeschichte ist die Einführung der ersten Florena-„Hautkrem“ im Jahr 1955. Wie beliebt die Creme ist, zeigt sich auch daran, dass die Transporte der Ware an die Sowjetunion nach Bernau von Wachmännern begleitet werden müssen. „Zu oft sind die Transporte geplündert worden“, steht in der Markengeschichte.

„Fünf Jahre später wird auf dieser Basis die neu entwickelte Universalcreme für die ganze Familie zum Erfolg“, sagt die Beiersdorf-Sprecherin. Knapp 700 Mitarbeiter seien zu der Zeit für das Werk tätig gewesen, heißt es in der Online-Enzyklopädie Wikipedia. Diese Creme habe das Werk zum führenden Kosmetikhersteller der DDR gemacht, meint Schmidt.

Konkurrenz zur Nivea-Creme

Eben in jene Zeit fallen offenbar auch Streitigkeiten mit der Firma Beiersdorf in Hamburg, wie aus der Online-Enzyklopädie Wikipedia hervorgeht. 1960 sei demnach die erste Creme in einer blau-weißen Dose auf den Markt gekommen. Jene ähnelt der Dose der Nivea-Creme aus Westdeutschland.

„Die westdeutsche Beiersdorf in Hamburg prozessierte in der Folgezeit erfolglos gegen die Farbgebung der Dose“, heißt es auf Wikipedia. Nach den Klagen hätten sich die Hersteller darauf geeinigt, dass Florena nicht in den westeuropäischen Markt exportiert werden durfte. „Hauptexportmarkt waren somit überwiegend die Mitgliedsstaaten des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) und Staaten im Nahen Osten.“

Bestätigt wurde diese Passage aus der Unternehmensgeschichte am Dienstag von Beiersdorf allerdings nicht.

1989 tritt erneut Beiersdorf in Erscheinung. Zwischen dem mittlerweile als VEB Kosmetik-Kombinat fungierenden Werk in Waldheim sowie dem Konzern beginnt eine Zusammenarbeit. Es wird eine Produktionsvereinbarung abgeschlossen. In jener ist geregelt, dass in Waldheim auch die Nivea Creme hergestellt wird.

Werk schließt voraussichtlich 2022

Nach der Wiedervereinigung erfolgt 1990 die Umstrukturierung des VEB Florena Waldheim/Döbeln in die „Florena Cosmetic GmbH“. Im selben Jahr kommt die erste Creme von Florena ohne Konservierungsstoffe auf den Markt. Das Werk entwickelt sich auch nach der Wende gut. 1993 wird die komplette Fertigung auf umweltfreundliche Technologien umgestellt. 1994 erhält der Betrieb ein Qualitätsmanagement-Zertifikat, nach eigenen Angaben als erstes deutsches Unternehmen in der Kosmetikbranche. Ein weiteres bedeutendes Jahr kommt 1997 mit der kompletten Modernisierung des Werkes.

2002 verliert das Werk in Waldheim seine Eigenständigkeit. Es wird zu einer 100-prozentigen Tochtergesellschaft der Beiersdorf AG. Bis 2007 fließen knapp sechs Millionen Euro an die Zschopau, es entsteht ein neues Logistiklager, die Produktion wird erweitert. Seit 2007 werden auch Eucerin- und Niveaprodukte in Waldheim hergestellt. Im selben Jahr gibt es Berichten zufolge Umstrukturierungen am Standort. Rund 350 Mitarbeiter sind zu diesem Zeitpunkt vor Ort tätig. 2008 wird das Werk reiner Produktionsstandort.

2012 wird aus der Florena Cosmetic die Beiersdorf Manufacturing Waldheim GmbH. 2014 erhalten die Produkte von Florena ein neues Design. 2017 wird das Sortiment gestrafft.

Ende 2019 informiert der Konzern, das nahe Leipzig ein neues Werk errichtet wird. Zunächst heißt es, dass dies keine Auswirkungen auf Waldheim hat. Aber bereits im Februar 2020 wird bekannt, dass der Standort mit den rund 250 Mitarbeitern nicht zu halten ist. Voraussichtlich 2022 wird das ehemalige Florena-Werk in Waldheim schließen.

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