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Der Kampf um Dresdens Straßen

Die Forderung, Busse und Bahnen zu beschleunigen, entfacht einen alten Streit in Dresden neu. Es geht darum, wie die Straßen künftig aufgeteilt werden.

Am Sachsenplatz gibt es häufig Unfälle und Stau - einer der Streitpunkte in Dresden.
Am Sachsenplatz gibt es häufig Unfälle und Stau - einer der Streitpunkte in Dresden. © René Meinig

Dresden. Auto- oder Fahrrad-Stadt? Der Streit um die Ausrichtung der Dresdner Verkehrspolitik entzweit Politik und Bürger. Jetzt flammt er erneut auf. Auslöser ist das Spar- und Schrumpf-Gutachten für die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB).

Die Grünen wollen Tempo 30 zur Regel-Geschwindigkeit in Dresden machen, bessere Bedingungen für Radfahrer und nun auch Busse und Bahnen gezielt und auf Kosten der Schnelligkeit für Autos beschleunigen. Deshalb platzt nun einem erklärten Gegner dieser Maßnahmen der Kragen.

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"Das ist ein Kulturkampf"

"Ich habe das Gefühl, dass einige bei den Grünen ein erotisches Verhältnis zu ihrem Drahtesel haben", platzt es aus Holger Zastrow heraus. Der FDP-Fraktionschef hält den grünen Ansatz bei der Verkehrspolitik für komplett falsch. "Das ist Politik der 1990er-Jahre."

Das habe nichts mit moderner Verkehrspolitik zu tun. "Die Bürger sind multimobil unterwegs und lassen sich nicht vorschreiben, welches Verkehrsmittel sie nutzen", ist sich Zastrow sicher. Je nach Wetter und Situation würden viele Dresdner mal das Rad nutzen, mal das Auto, den Nahverkehr oder zu Fuß gehen, auch Elektroroller spielen für einige dabei eine Rolle. "Doch statt den Nahverkehr zu stärken, denken die Grünen den Verkehr ausschließlich vom Rad aus", sagt Zastrow. "Für sie ist es ein Kulturkampf."

FDP-Fraktionschef Holger Zastrow wettert gegen die Verkehrspolitik der Grünen. Fußgänger würden komplett vernachlässigt.
FDP-Fraktionschef Holger Zastrow wettert gegen die Verkehrspolitik der Grünen. Fußgänger würden komplett vernachlässigt. © René Meinig

Bahnen werden in den Stau geschickt

Die von den Grünen geforderte Beschleunigung für Busse und Bahnen würde laut Zastrow gar nicht funktionieren, so wie aktuelle Verkehrsprojekte geplant sind. "An der Reicker Straße soll beispielsweise eine Autospur zum Radweg werden, Bahnen und Autos müssten sich dort eine Spur teilen", erläutert Zastrow. "Das bedeutet dann, dass Autos und Bahnen im Stau stehen."

Ausgerechnet die Verkehrsmittel, die in Dresden am meisten genutzt werden, würden so ausgebremst, um Radwege zu schaffen. "Um den Nahverkehr zu stärken, benötigen die Bahnen ein eigenes Gleisbett", so Zastrow. "Und die Grünen fordern eigene Busspuren - ich frage mich nur, wo, wenn doch überall Spuren reduziert werden sollen." Dafür führt er neben der Reicker Straße auch die Pläne für die Blasewitzer Straße, die Loschwitzer Straße und den Sachsenplatz an. Er wolle einige Entscheidungen rückgängig machen, wenn sich die politischen Mehrheiten in Dresden ändern sollten.

Radwege, aber nicht überall

Zastrow sei sogar für Radverkehrsrouten, auf denen Radfahrer viel Platz haben und schnell durch die Stadt kommen. "Man kann auch zeitweise auf breiteren Straßen eine Autospur dafür zur Verfügung stellen, aber nicht das ganze Jahr." Der FDP-Mann denkt an Radrouten im Sommer und Autospuren im Winter. Auch könne der Elberadweg zur Radroute werden, wenn dafür durchgängig ein zweiter Weg für Fußgänger geschaffen wird, selbst wenn dafür Eingriffe in das Landschaftsschutzgebiet nötig wären. "Dann dürfen Radfahrer aber in bestimmten anderen Bereichen Dresdens nicht mehr fahren. Wir müssen den Verkehr leiten."

Zastrow störe, dass tatsächlich zu wenige Radwege gebaut werden. "Die Grünen kapitulieren vor ihrer eigenen Verkehrspolitik und pinseln nur noch ab." Damit meint er die Markierungen, die in letzter Zeit deutlich zugenommen haben. "Es wird einfach den Autofahrern Platz weggenommen, anstatt etwas Sinnvolles zu schaffen."

Verkehrserziehung für Radfahrer

Dadurch, dass die Grünen überall Radwege haben wollen, würden Radfahrer animiert, sich wie "die Axt auf der Straße" zu benehmen. "Sie tragen auch für die Rüpel-Radfahrer die Verantwortung", sagt Zastrow. "Wir müssen auch für Radfahrer klare Regeln aufstellen."

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Im Grunde gehe es darum, sich an die geltende Straßenverkehrsordnung zu halten. Dabei gehe es darum, auf welcher Seite sie fahren, Beleuchtung, gegenseitige Rücksicht und nicht auf der Straße zu fahren, wenn Radwege da sind. "Aber viele haben heute ja gar keinen Führerschein, deshalb wäre Verkehrserziehung der richtige Ansatz", sagt Zastrow. Generell seien eben nicht weniger Autos in Dresden unterwegs als früher, es seien nur mehr andere Verkehrsteilnehmer dazugekommen. "Und diese haben halt sehr unterschiedliche Fähigkeiten."

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