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Grünes Gewölbe: Ermittler suchen nach weiterem Verdächtigen

Im Fall des Einbruchs in das Grüne Gewölbe fahndet die Soko nach einem Museumsbesucher. Der Mann soll sich auffällig verhalten haben.

Von Karin Schlottmann
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Die Polizei Dresden sowie die Staatsanwaltschaft suchen nach dem Einbruch ins Grüne Gewölbe nach einem weiteren Verdächtigen.
Die Polizei Dresden sowie die Staatsanwaltschaft suchen nach dem Einbruch ins Grüne Gewölbe nach einem weiteren Verdächtigen. © Polizei Dresden

Dieser Museumsbesucher kommt der Polizei verdächtig vor: Rund zweieinhalb Stunden soll sich ein Mann am Vortag des Einbruchs in das Grüne Gewölbe in dem Museum aufgehalten haben und dabei immer wieder im Juwelenzimmer gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft Dresden und die Sonderkommission Epaulette veröffentlichten am Mittwoch Aufnahmen des Besuchs vom Sonntag, 24. November 2019, zwischen 10.03 Uhr und 12.21 Uhr. Einen Tag später hatten Einbrecher in den frühen Morgenstunden Schmuck im geschätzten Wert von 113 Millionen Euro aus dem Juwelenzimmer gestohlen. Sechs Angeklagte stehen derzeit wegen Bandendiebstahls und Brandstiftung vor Gericht.

Nach Auswertung der am Mittwoch bekannt gewordenen Aufnahmen bestehe der Anfangsverdacht, der Besucher könne gewonnene Erkenntnisse den unmittelbar Tatbeteiligten zur Verfügung gestellt haben, teilte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Dresden Jürgen Schmidt mit. Sein Verhalten weiche "auffallend von dem eines durchschnittlichen Museumsbesuchers" ab. Wer Hinweise zu dem Gesuchten geben kann, soll sich bei den Ermittlern melden.

Die Aufnahmen seien erst veröffentlicht worden, nachdem alle anderen Möglichkeiten, den Mann ausfindig zu machen, ausgeschöpft worden seien. Es sei gut möglich, dass der Gesuchte ein normaler Besucher gewesen sei, der den Verdacht sehr schnell ausräumen könne, sagte Schmidt.

© Polizei Dresden
© Polizei Dresden
© Polizei Dresden
© Polizei Dresden
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Im Zusammenhang mit dem spektakulären Einbruch in das Dresdner Schloss ermittelt die Soko Epaulette schon länger gegen weitere Beschuldigte, die im Verdacht stehen, den Tatort ausgekundschaftet zu haben oder den Tätern sonstige Unterstützung geleistet zu haben. Dieser Vorwurf gegen vier Männer im Alter zwischen 24 und 37 Jahren sei bisher nicht ausgeräumt worden, sagte Schmidt. Sie wurden im vorigen Juli ebenfalls mithilfe einer Öffentlichkeitsfahndung identifiziert.

Der Prozess gegen die sechs Angeklagten hat am 28. Januar begonnen. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass die Tat auf das Konto krimineller Mitglieder eines bekannten Berliner Clans geht. Die Schmuckstücke sind verschwunden, die Angeklagten äußern sich im Prozess nicht zu den Vorwürfen.

In den ersten Verhandlungstagen hat das Gericht Zeugen vernommen, die in den frühen Morgenstunden des 25. November 2019 am Tatort waren, darunter vor allem Polizeibeamte und Bedienstete einer Sicherheitsfirma. Zwei Frauen berichteten am Dienstag, dass sie gegen fünf Uhr beziehungsweise kurz nach fünf Uhr auf dem Weg zur Arbeit zwei Männer in der Nähe des Schlosses beobachtet hatten.

Wachmann filmt die Flucht

Die Mitarbeiter der Sicherheitsfirma, die das Grüne Gewölbe nachts bewachen, hatten den Einbruch über Kameras beobachtet, die Polizei alarmiert, aber selbst nicht eingegriffen. Einer ihrer Kollegen, der gegenüber im Dresdner Zwinger eingesetzt war, hatte die Einbrecher in ihr Auto springen sehen und geistesgegenwärtig zu seinem Handy gegriffen, um das Fluchtauto zu filmen.

Allerdings habe sich der Wachmann dabei versteckt, um von den Tätern nicht erkannt zu werden, sagte ein Polizist, der mit seiner Kollegin damals Streifendienst hatte und als Erster am Tatort war. Das Handyvideo sei außerdem zu früh abgebrochen worden, sodass die genaue Fahrtrichtung der Täter nicht erkennbar gewesen sei. Die Polizei war wenige Minuten nach dem Einbruch am Schloss. Versuche, das Fluchtfahrzeug noch aufzuspüren, waren allerdings fehlgeschlagen. Später stellte sich heraus, dass die Täter in ihrem Audi A6 auf dem Fußweg über die gesperrte Augustusbrücke gerast waren.

An diesem Freitag will sich das Gericht die etwa einstündige Aufnahme der Überwachungsvideos aus dem Juwelenzimmer ansehen. Die Ermittler hatten gleich nach dem Einbruch einen kurzen Ausschnitt daraus veröffentlicht. Er zeigt zwei Männer, die mit heftigen Axtschlägen die Glasvitrine zertrümmern, in der die Juwelen lagen. Am 22. März soll der damalige Sicherheitschef des Grünen Gewölbes, Michael John, als Zeuge aussagen. Der Vorsitzende Richter Andreas Ziegel teilte mit, dass die Mitarbeiter des Museums während ihrer Aussagen vor Gericht auf eigenen Wunsch von einem Zeugenbeistand begleitet werden.

Hinweise an die Polizei unter 0351-4832233.