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So stark verändert die Dresdner Philharmonie ihr Profil

Das Dresdner Orchester hat die Zeichen der Zeit erkannt, plant 2022/23 ganz neue Konzertformen und wird digitaler für Fans jeden Alters.

Von Bernd Klempnow
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Intendantin Frauke Roth verordnet ihrer Dresdner Philharmonie Veränderungen: etwa in den Konzertformen und in puncto Nachhaltigkeit.
Intendantin Frauke Roth verordnet ihrer Dresdner Philharmonie Veränderungen: etwa in den Konzertformen und in puncto Nachhaltigkeit. © Markenfotografie

Dresdens Philharmoniker haben die Zeichen der Zeit erkannt: „Corona hat gezeigt, die Verbindung zu unserer Stadt und zum Publikum ist wichtiger denn je. Um diese Verbindungen auszubauen, gehen wir neue Wege“, so Intendant Frauke Roth am Freitag bei der Präsentation der Spielzeit 2022/23.

Vor allem würden die Wege einfacher, schneller und kürzer: Mit dem Smartphone ginge es direkt zum Sitzplatz "in drei Clicks", ein digitales Programmheft und ein Podcast informieren vorab über das Konzert, die Solisten begrüßten das Publikum per Instagram-Teaser. „Dafür haben wir unsere Homepage völlig neu aufgebaut und mit allem versehen, was Musikinteressierte jeden Alters, wirklich jeden Alters rund um die Philharmonie und ihre Konzerte erfahren sollten“, so Roth. Die Homepage als „zweite Bühne“ des Orchesters sei Ticketservice, Programmkalender und Mediathek mit Streamings oder Filmen über die Gastkünstler in einem.

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Rote Socken? Warum nicht? Viele im Publikum sind längst zur legeren Anzugsordnung übergegangen. Die Philharmoniker wollen es künftig ab und zu tun.
Rote Socken? Warum nicht? Viele im Publikum sind längst zur legeren Anzugsordnung übergegangen. Die Philharmoniker wollen es künftig ab und zu tun. © Simon Porath

„Gleichzeitig halte ich es für essenziell, Musik auf höchstem Niveau zu präsentieren.“ Dafür stünden Chefdirigent Marek Janowski und seine Programme ebenso wie zahlreiche Gäste und die Philharmonie mit ihrer exzellenten Orchesterkultur.

Und tatsächlich: So konsequent wie das städtische Orchester hat in der Region bislang kein anderes Ensemble und Haus sein – schon vor Corona – eigentlich überholtes, oft an den Realitäten vorbeigehendes Angebot verändert.

Mit neuer Gastronomie, einer Bühne im Eingangsfoyers und weiteren Offerten soll der Kulturpalast mehr Dresdner anlocken, zum "Wohnzimmer" werden.
Mit neuer Gastronomie, einer Bühne im Eingangsfoyers und weiteren Offerten soll der Kulturpalast mehr Dresdner anlocken, zum "Wohnzimmer" werden. © kairospress

Das geht los mit dem Ort. Der Kulturpalast, dessen Hausherr die Philharmonie ist, soll zum „Wohnzimmer der Dresdner“ avancieren, mehr Leben soll einziehen. Dazu gibt es eine neue rote Bühne im Eingangsfoyer. Hier stellen sich junge Musiker vor. Man kann sich an ein Klavier setzen und losspielen. Hier werden auch Theaterproben stattfinden, Philharmoniker solo spielen oder eine kleine Session den Abend ausklingen lassen. Bereits jetzt lädt das Café und Bistro „Tutti“ im 1. Stock ganztags ein – mit einem nachhaltigen, regionalen Angebot und der Möglichkeit, sich im Foyer oder auf dem Kulturpalast-Balkon mit einem Getränk und Snack hinzusetzen. Ein neuer Raum für Wissenschaft soll dank des Barkhausen-Instituts die Möglichkeit bieten, die Forschung auf dem Gebiet diverser Zukunftstechnologien live zu erleben, in Austausch zu kommen und auch kritisch mit zu diskutieren.

Auch in puncto Nachhaltigkeit passiert einiges. Hundert Prozent Ökostrom – das ist für den Kulturpalast dank Solarpanels auf dem Dach schon Wirklichkeit. Alle Lampen würden nach und nach auf LED umgestellt. Damit noch mehr Menschen Lust haben, mit dem Rad zu kommen, soll es mehr und sichere Radparkplätze geben. Zudem wird die kostbare Ressource Papier geschont, weil schrittweise alles Gedruckte digital im Angebot ist.

Chefdirigent Marek Janowski will in seiner letzten Saison in Dresden Spitzenwerke von Beethoven bis Wagner musizieren.
Chefdirigent Marek Janowski will in seiner letzten Saison in Dresden Spitzenwerke von Beethoven bis Wagner musizieren. © Archiv: Matthias Rietschel

Ganz neue Akzente dürften neue Formate setzen. So wird die Reihe „Flow!“ aufgelegt: Sowohl „Yoga und Musik“ als auch „Mindful Concerts“ sollen dazu einladen, aufmerksames Hören, Achtsamkeitsübungen und körperliche Wahrnehmung miteinander zu verbinden und Musik auf neue Weise zu erleben. „Das Publikum wird in einen ruhigen, bewussten und wahrnehmungsfähigen Geisteszustand versetzt und erhält Tipps, worauf es beim jeweils folgenden Stück achten sollte. Es sind keinerlei Vorkenntnisse nötig.“

Nicht minder originell ist die Kurzkonzert-Reihe „abgeFRACKt“. Jüngeres und mit Klassikkonzerten vielleicht nicht so vertrautes Publikum soll erreicht werden. Die Aufführungen dauern circa eine Stunde. Es werden ein Werk oder zwei Kürzere gespielt, die Musiker geben sich leger. Interessant: Wer sich die neue Wolfgang-App aufs Smartphone lädt, kann während des Kurzkonzerts Informationen zur jeweils gespielten Musik abrufen.

Der erste "Ring" in 150 Jahren

Natürlich wird es weiterhin auch das klassische Sinfoniekonzert und die große konzertante Opernaufführung geben. Ebenso den Artist und den Composer in Residenz sowie den Palastorganisten. Auch Chorkonzerte, Jazz, Filmmusik, Kammermusik und Literatur sind wieder Offerten. Chefdirigent Marek Janowski wird den ihm sehr vertrauten „Ring des Nibelungen“ von Wagner leiten. Erstmals spielt dann die Philharmonie in ihrer über 150-jährigen Geschichte diese komplexe, raffinierte Tetralogie. Meisterwerke von Bruckner, Beethoven und Henze leitet der Chef. Kollegen wie sein Vorgänger Michael Sanderling bieten Mahler, Mozart, Bach und Uraufführungen.

„Kulturpalast 2.0“, so Intendantin Roth, „heißt für mich Interaktion, Teilhabe, Kultur erleben und mitmachen. Und das an einem Ort, der sich aktiv in die Entwicklung der Stadt und ihrer Menschen einbringt. Also zögern Sie nicht, probieren Sie aus und werden Sie Teil eines lebendigen Hauses!“

  • Der Vorverkauf für Abos und Wahlabos beginnt am 7. Juni, 10 Uhr. Der freie Ticketverkauf startet am 4. Juli.
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