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Wieder Vandalismus auf Heidefriedhof

Unbekannte haben auf dem Dresdner Heidefriedhof in den vergangenen zwei Wochen mehrfach Graffiti hinterlassen - aus politischer Motivation.

Der Heidefriedhof: Hier stehen verschiedene Kriegsdenkmäler, die immer wieder zum Politikum werden.
Der Heidefriedhof: Hier stehen verschiedene Kriegsdenkmäler, die immer wieder zum Politikum werden. © Tino Plunert

Update vom 5. Februar: In der Nacht von Donnerstag auf Freitag wurden auf dem Heidefriedhof erneut Beschädigungen und Schmierereien festgestellt.

Polizeibeamte bemerkten gegen 2.30 Uhr frische Farbe auf einer Gedenksäule. Wieder nahmen die rosafarbenen Schmierereien Bezug zum Gedenken im Zusammenhang mit dem 13. Februar. Außerdem klauten die Täter mehrere in der Säule eingelassene Buchstaben. Der Staatsschutz der Polizeidirektion Dresden ermittelt wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung.

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Erneute Schmierereien auf dem Heidefriedhof.
Erneute Schmierereien auf dem Heidefriedhof. © Tino Plunert

Dresden. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch haben Unbekannte die Sandsteinmauer zum Gedenken an die Opfer der Bombardierung Dresdens mit Graffiti besprüht - offenbar aus politischen Gründen.

Das geht aus der Bekenner-Mail einer Gruppe mit dem Namen "AG Gedenken beenden" hervor, das Sächsische.de vorliegt. Darin heißt es, man habe "anlässlich des Internationalen Tages zum Gedenken an die Opfer des Holocausts und in Anbetracht des baldigen 13.-Februar-Gedenkens die große Gedenktafel zur Bombardierung Dresdens neugestaltet, um radikale Kritik an dem Dresdner Gedenken zu üben".

Dabei habe man den Spruch "Deutschland und Dresden: Keine Opfer sondern Täter" an das Denkmal gesprüht.

Friedhöfe zum 13. Februar: Immer wieder Störaktionen

Die Polizeidirektion Dresden bestätigte den Vorfall am Mittwochnachmittag, der Staatsschutz ermittelt. Rund um das Gedenken zum 13. Februar kommt es in Dresden immer wieder zu Auseinandersetzungen und Sachbeschädigungen.

Neonazis nutzen das für viele Dresdner traumatische Ereignis alljährlich für große Aufmärsche, dabei kommt es häufig zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit antifaschistischen Gruppierungen.

Aber auch die dezentralen Gedenken auf den Friedhöfen der Stadt sind immer wieder von Störaktionen und politischen Instrumentalisierungen betroffen. So hatten rund 25 Personen vergangenes Jahr die stille Veranstaltung auf dem Heidefriedhof mit linkspolitischen Zwischenrufen unterbrochen.

Gleichzeitig waren auch mehrere einschlägig bekannte Personen aus der rechtsradikalen Szene auf dem Gelände gewesen und hatten sich unter die Trauernden gemischt.

Ähnlicher Fall im vergangenen Jahr

Einen ähnlichen Fall wie in der Nacht zu Mittwoch hatte es am 14. Februar auf dem Annenfriedhof in Dresden-Löbtau gegeben. Auch dort besprühten Unbekannte ein Mahnmal mit dem Spruch "Keine Opfer sondern Täter" und verbrannten niedergelegte Trauerkränze.

Die "AG Gedenken beenden" kritisiert in ihrer Mail, dass beim jährlichen Vorlesen von Namen am 13. Februar Holocaust-Opfer und Opfer der Bombenangriffe vorgelesen würden. Damit werde "die Gleichrangigkeit der Ereignisse" impliziert.

Holger Hase vom Verein Denk Mal Fort e.V., der seit 2015 die Friedhofsgedenken zur Bombardierung organisiert, sieht das völlig anders. "Der 27. Januar ist ein sehr schwieriges Datum in der deutschen Geschichte und es ist wichtig, diese Dinge immer wieder hervorzuheben", sagt er.

Doch darauf käme aus Sicht von Hase den "Phrasendreschern" nicht an. "Den Störern geht es nur um Aufmerksamkeit", sagt er. Die Mehrheit der Dresdner, glaubt er, könne aber gut einschätzen, wer aus welchen Gründen Aktionen zum 13. Februar durchführe.

"Schmierereien im Vorfeld sind leider ein Ritual geworden. Teilweise werden die Friedhöfe deshalb Nachts ausgeleuchtet und Sicherheitspersonal läuft Streife." Ob vielleicht auch Kameras nötig wären, sei aber Sache der Stadt.

Bei der Stadtverwaltung heißt es, das Areal werde vor, während und nach dem 13. Februar durch eine private Sicherheitsfirma abgesichert. Neben Kontrollgängen werde es auch Nachtwachen geben.

"Dazu wird der Memorialkomplex im Zentrum der Anlage separat ausgeleuchtet, um eine Gefährdung entsprechend zu minimieren. Eine Koordinierungsberatung zur Gefährdungslage wird mit der Polizei und dem zuständigen Ordnungsamt zeitnah vor dem 13. Februar durchgeführt", erklärt eine Sprecherin.

Allerdings bedeute dies nicht, "dass man vor Störungen, Vandalismus oder anderartiger Sachbeschädigung gefeit ist". Auf dem Heidefriedhof werde es anstatt des Gedenkens eine Kunstaktion geben, sagt Kulturbürgermeisterin Klepsch. Zwischen 10 und 13 Uhr seien 17 rollende Engelsskulpturen der norwegisch-dänischen Künstlerin Marit Benthe Norheim, ausgestattet mit einer Klanginstallation des norwegischen Komponisten Geir Johnson auf dem Friedhof unterwegs.

Keine Menschenkette geplant, Nazis kündigen sich an

Dieses Jahr soll es aufgrund der Corona-Pandemie zum 13. Februar auch keine Menschenkette in der Dresdner Innenstadt geben. Das hatte die Stadt vor zwei Wochen bekanntgegeben. "Ein Großveranstaltung ist in der aktuellen Situation nicht vermittelbar", erklärte dazu der Moderator der Arbeitsgruppe 13. Februar, Joachim Klose. Man überlege, die Lichter durch Kerzen zu ersetzen und corona-konforme dezentrale Gedenken mit wenigen Personen auf den Friedhöfen zuzulassen.

Gleichzeitig hat die AfD am Abend des 13. Februar eine Veranstaltung auf dem Altmarkt angekündigt, auch Neonazis wollen wieder Aufmärsche planen. Breiter Protest hat sich bereits angekündigt.

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