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Ein Lockdown-Song mit Ilse Bähnert

Für das bewegende Video holt sich Sänger und Produzent Karsten Dudek Dresdner Promis ins Boot. Lustig wird's aber nur am Ende.

Der Dresdner Musiker und Produzent Karsten Dudek will mit einem berührenden Corona-Song auf die dramatischen Folgen des Lockdowns für die Künstlerszene aufmerksam machen.
Der Dresdner Musiker und Produzent Karsten Dudek will mit einem berührenden Corona-Song auf die dramatischen Folgen des Lockdowns für die Künstlerszene aufmerksam machen. ©  privat

Dresden. Mit Spaßliedern hatte es im Frühjahr 2020 angefangen - oder besser mit Galgenhumor. Mit Songs über den außergewöhnlichen, schwer zu fassenden Zustand in einem noch nie dagewesen Lockdown, der hoffentlich nicht lange andauert. Produzent und Musiker Karsten Dudek schrieb damals Texte über gesperrte Fußballplätze und geschlossene Kneipen. Schon da flammten Sorgen auf, wie es beruflich und finanziell weitergehen soll.

Dass nun im Winter 2020/21 eine noch härtere Zeit kommen würde, war nicht absehbar. Und doch folgte zum Jahresende der zweite Lockdown. Für die Künstlerbranche mit vielen freischaffenden Kreativen verheerend.

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Zwar ließ der Sommer einige Konzerte und Theateraufführungen zu, doch das ganz große Publikum blieb aufgrund von Abstandsregeln aus. Seit November ist wieder alles dicht - wer auf die Bühne angewiesen ist, um Geld zu verdienen, ist zum Nichtstun verdammt. Der neue Corona-Song aus Dudeks Feder schlägt denn nun auch ernstere Töne an. "Don't lock me down" heißt der musikalische Hilferuf aus der Dresdner Künstlerszene.

Um für sein neuestes Projekt prominente Mitstreiter zu gewinnen, musste Karsten Dudek nicht lange telefonieren. Steffen Urban, Dresdens bekanntestes August-der-Starke-Double, Schauspieler und Moderator Philipp Richter, Kabarettist Tom Pauls, um nur einige zu nennen - sie alle sind vom Lockdown betroffen. Nichts ist möglich, alle Konzerte sind abgesagt, die Theater geschlossen.

Für sein Lied hat Dudek einen bewegenden Text auf den Song "High and Dry" der britischen Band Radiohead geschrieben, übernimmt selbst Gesang, Regie und Produktion. Alles auf eigene Kosten. Ebenso wie alle anderen Darsteller und Musiker, darunter auch Bert Stephan, bekannt von den "Rockys" und im Video mit einem Trompeten-Solo vor der leeren Kulisse der Jungen Garde zu sehen. Gänsehaut garantiert.

Zwei Dinge sind Karsten Dudek besonders wichtig, wenn er zu den Gründen für den emotionalen Song gefragt wird: "Das ist absolut kein humoristisches Video und es ist nicht aus Langeweile entstanden", betont er. Vielmehr gehe es darum, die aktuelle katastrophale Situation in der Kunst- und Kulturszene darzustellen.

Als Bedrohung im schwarzen Gewand verkörpert Philipp Richter im Video den Mephisto, der den Künstlern auf die Pelle rückt, ihnen ihre Existenz rauben will, den letzten Groschen aus der Tasche zieht. "Der Song und das Video soll auch als solidarisches Zeichen verstanden werden", sagt Dudek an seine Kollegen in der Branche gerichtet.

Stellvertretend für die Bandbreite an Berufen in der Szene versucht Tänzerin Lena Andreeva der schwarzen Figur auf der Bühne zu entrinnen, Tom Pauls mimt einen Pianisten, dem das nicht gelingt - Mephisto klappt einfach den Klavierdeckel zu. Die Musiker Andree Dippmann (Gitarre), Tom Götze (Bass) und Claas Lausen (Schlagzeug) hadern im Lockdown ebenso mit fehlenden Muggen wie Maskenbildnerin Stephanie Zimmermann mit ausbleibenden Engagements.

Tom Pauls, Bert Stephan, Stephanie Zimmermann, Lena Andreeva, Andree Dippmann und Steffen Urban (v.l.) im Weihnachtsmann- anstatt im Augustkostüm sind Teil des musikalischen Hilferufs.
Tom Pauls, Bert Stephan, Stephanie Zimmermann, Lena Andreeva, Andree Dippmann und Steffen Urban (v.l.) im Weihnachtsmann- anstatt im Augustkostüm sind Teil des musikalischen Hilferufs. ©  privat

Ende mit Augenzwinkern: Ilse Bähnerts Auftritt

Einzig Tom Pauls alias Ilse Bähnert wird ein Auftritt gewährt, wie ihn das Publikum nicht anders erwartet. "Die unverwüstliche Ilse Bähnert gibt uns augenzwinkernd einen kleinen Hoffnungsschimmer", sagt Karsten Dudek. Das sächsische Urgestein mit Hut und Perlenkette lässt sich von Mephisto - natürlich - nicht beirren.

Ein beherzter Schlag mit der Handtasche und eine klare Ansage in breitem Sächsisch setzen dem Corona-Bösewicht übel zu: "Wenn hier einer das Licht ausmacht, bin ich das!" Gedreht wurden die Filmszenen übrigens im Dresdner Boulevardtheater, im Tom-Pauls-Theater in Pirna, in der Freilichtbühne Junge Garde und in Dudeks Tonstudio dieaudiowerkstatt.com.

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