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Dresdner Schokoladenfabrik wird saniert

Seit Jahrzehnten verfällt das Areal in der Johannstadt, nun wird es zum Treffpunkt für Familien. Was genau geplant ist und wann es fertig sein wird.

Vom alten Glanz des Fabrikgebäudes ist heute nicht mehr viel erhalten. Und dennoch ist sie Teil der Johannstädter Geschichte. Nun wird sie ausgebaut.
Vom alten Glanz des Fabrikgebäudes ist heute nicht mehr viel erhalten. Und dennoch ist sie Teil der Johannstädter Geschichte. Nun wird sie ausgebaut. © Marion Doering

Dresden. Was gab es nicht alles für Pläne für die ehemalige Schokoladenfabrik in der Dresdner Johannstadt. Dort, wo in den 1920er-Jahren angeblich die Blockschokolade erfunden wurde, sollte Ende der 1990er-Jahre ein Stadtteilhaus sein Domizil bekommen. Aber auch der Dresdner Ortsverband des Kinderschutzbundes war immer wieder ein heißer Kandidat für die Immobilie, hatte zwischenzeitlich sogar einen Jugendtreff dort eingerichtet. Immer wieder wurde die Sanierung der alten Fabrik angekündigt, doch letztlich verfiel das Areal immer mehr.

Nun, mehr als 20 Jahre später, wird aus dem Plan ein reales Projekt: Aus der Schokoladenfabrik soll ein Familienzentrum werden - betrieben vom Kinderschutzbund. Damit findet ein langer Weg mit vielen Rückschlägen nun ein versöhnliches Ende in einem Stadtteil, in dem ein solches Angebot besonders wichtig ist.

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Im Februar sollen die ersten Bauarbeiten beginnen. 2018 hatte der Kinderschutzbund das Grundstück in dem wenig bekannten und teilweise brachliegenden Teil der Johannstadt gekauft, nun soll das marode Gebäude saniert werden. Möglich ist das nur mit Fördermitteln aus dem Programm "Investitionspaket - Soziale Integration im Quartier".

Rund 4,2 Millionen Euro stehen dafür zur Verfügung, der Bund und der Freistaat Sachsen stellen 90 Prozent der Fördermittel. Mit mehr als 400.000 Euro steuert auch die Landeshautstadt ihren Teil dazu bei. "Ohne diese Fördermittel hätten wir das Bauvorhaben niemals stemmen können", sagt Heike Heubner-Christa, Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes.

Industriecharakter soll erhalten bleiben

Entworfen und geplant wurde die Sanierung der alten Schokoladenfabrik durch das Büro Alexander Pötzsch Architekten. Anliegen sei es gewesen, den Industriecharakter zu erhalten und damit auch einen Teil der Geschichte der Schokoladenfabrik und des Stadtteils. Bis spätestens 2023 soll das Familienzentrum fertig sein. Der Name geht übrigens auf die Schokoladenfabrik von Bruno Clauß zurück, die sich seit 1921 auf der Hopfgartenstraße befand.

Im östlich gelegenen Gebäude soll das neue Familienzentrum einziehen. Die Architekten wollen den Industriecharakter und damit einen Teil der Stadtteilgeschichte erhalten.
Im östlich gelegenen Gebäude soll das neue Familienzentrum einziehen. Die Architekten wollen den Industriecharakter und damit einen Teil der Stadtteilgeschichte erhalten. © Alexander Pötzsch Architekten

Im Gebäude soll sich im Zuge der Sanierung einiges verändern. Im unteren Bereich wird es eine Begegnungsmöglichkeit für Jugendliche geben. Im Stockwerk darüber ist ein kleines Konferenzzentrum geplant, das aus zwei modernen Räumen mit Küche und Sanitärbereich besteht.

Auch die Geschäftsstelle des Kinderschutzbundes, das Team der Mobilen Hilfen sowie die Beratungsstellen des Kinderschutzbundes und des Bundesprogramms "Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist" werden in das sanierte Haus einziehen. Das Förderprogramm ist ein wichtiges Angebot in der Dresdner Johannstadt, wohnen hier doch vergleichsweise viele Ausländer.

Im oberen und geschützten Bereich des Gebäudes wird die Intensivwohngruppe "Trampolin" Kindern und Jugendlichen ein befristetes neues Zuhause bieten. Dort sind große Aufenthalts- und Therapieräume sowie eine Dachterrasse geplant.

Unten Jugendtreff, in der Etage darüber die Geschäftsstelle des Kinderschutzbundes und ganz oben die Räume einer Intensivwohngruppe - so sehen die Pläne für das neue Familienzentrum aus.
Unten Jugendtreff, in der Etage darüber die Geschäftsstelle des Kinderschutzbundes und ganz oben die Räume einer Intensivwohngruppe - so sehen die Pläne für das neue Familienzentrum aus. © Entwurf: Alexander Pötzsch Architekten

Eine Bibliothek für alle Johannstädter

"Derzeit kann man sich nur schwer vorstellen, dass in dem zum Teil ruinösen Gebäude bereits 2023 Hilfen für Jung und Alt aus einer Hand angeboten werden, aber wir sind optimistisch, dass uns dies gelingt", so Geschäftsführerin Heike Heubner-Christa.

Und auch für alle anderen Johannstädter wird es in der sanierten Schokoladenfabrik eine neue Anlaufstelle geben: eine Bibliothek, die auch als Begegnungsort für Menschen jeden Alters und jeder Kultur sowie für Veranstaltungen genutzt werden kann. Damit wird auch ein Wunsch der Anwohner berücksichtigt.

Das Familienzentrum wird jedoch nur einen Teil des Areals beleben. Saniert und ausgebaut wird dafür das östlich gelegene Gebäude, auch der Schornstein der alten Fabrik soll erhalten bleiben. Das westliche Gebäude hat einen anderen Eigentümer. Bereits seit 2016 ist dort der Dresdner Musikproduzent und Musiker Johannes Gerstengarbe mit den Ballroom Studios eingezogen, einem Projekt für Ton- und Videoproduktionen.

Auch andere kreative Köpfe haben hier einen der begehrten Plätze für ihre Arbeit gefunden. Für das Gebäude gebe es einen langfristigen Mietvertrag, sagt Gerstengarbe. Mit dem Kinderschutzbund und dem Familienzentrum bekommt das Kreativzentrum nun einen neuen Nachbarn.

Auf der großen Brache nebenan in Richtung Trinitatiskirche befand sich übrigens bis 1990 ein Plattenwerk, in dem die einzelnen Elemente für die Wohnhäuser des großen Plattenbaugebiets gefertigt wurden. Das Werk nutzte zu DDR-Zeiten auch die Räume der Schokoladenfabrik.

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Alle Informationen zum Familienzentrum: www.kinderschutzbund-dresden.de.

Dieses Foto aus dem Jahr 2001 zeigt den Blick auf das verwahrloste Gelände des seit 1990 stillgelegten Beton-Plattenwerkes in der Johannstadt.
Dieses Foto aus dem Jahr 2001 zeigt den Blick auf das verwahrloste Gelände des seit 1990 stillgelegten Beton-Plattenwerkes in der Johannstadt. © Archiv: Steffen Füssel

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