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Polizeiexperten in Dresden: Das sind die häufigsten Online-Betrugsmaschen

Immer wieder täuschen Online-Betrüger die Menschen in Dresden und bringen sie um ihr Erspartes. Zwei Polizeiexperten erklären, wie die Täter vorgehen und wie man sich schützen kann.

Von Connor Endt
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Immer wieder versuchen Betrüger, Menschen mit falschen Nachrichten und Links in die Irre zu führen.
Immer wieder versuchen Betrüger, Menschen mit falschen Nachrichten und Links in die Irre zu führen. © dpa

Dresden. Immer wieder täuschen Online-Betrüger Dresdnerinnen und Dresdner, stehlen Bankdaten und räumen Kontos leer. Erst Anfang des Monats brachten Betrüger eine Frau aus Klotzsche um 100.000 Euro ihres Ersparten.

Die beiden Polizisten Enrico Lange und Ronny Dombeck haben täglich mit solchen Fällen zu tun. Lange leitet als Kriminalrat das Dezernat 3, das sich hauptsächlich um Vermögensdelikte in Dresden kümmert. Sein Kollege Dombeck ist Leiter des Kommissariats 33, das zu Cybercrime ermittelt. Die beiden Beamten erklären, welche häufigen Maschen Täter anwenden, wie Dresdner diese erkennen und wie sie sich schützen können.

Kriminalrat Enrico Lange (l.) und Kriminalhauptkommissar Ronny Dombeck haben täglich mit Online-Betrugsfällen zu tun.
Kriminalrat Enrico Lange (l.) und Kriminalhauptkommissar Ronny Dombeck haben täglich mit Online-Betrugsfällen zu tun. © Connor Endt

Messenger-Betrug: "Hallo Mama, ich habe eine neue Nummer"

Betrugsmasche: Jeder hat schon einmal Nachrichten von vermeintlichen Familienangehörigen bekommen, die das Handy gewechselt haben.

"Die Geschädigten werden dann relativ schnell aufgefordert, Geld zu überweisen", sagt Enrico Lange. Häufig würden die Täter Zeitdruck aufbauen, um ihre Opfer zum Handeln zu zwingen, indem sie etwa vorgaukeln, der Angehörige würde am Flughafen feststecken und könne nicht auf sein Konto zugreifen.

Schutz: Enrico Lange rät, niemals die vermeintlich veraltete Telefonnummer von Angehörigen zu löschen, wenn diese sich per SMS melden: "Damit vergibt man die Möglichkeit, sich rückzuversichern, denn dann kann man die alte Nummer nochmal anschreiben oder anrufen und prüfen, ob die Geschichte stimmt, die einem gerade erzählt wird." Zudem empfiehlt der Experte, einen Virenschutz auf dem Handy zu installieren. Dieser kann beispielsweise Nachrichten von unbekannten Absendern herausfiltern. Viele Smartphones haben einen derartigen Schutz ohnehin eingebaut.

TAN-Betrug: Nutzer sollen geheime Nummer durchgeben

Betrugsmasche: Beim TAN-Betrug nutzen die Täter ähnliche Methoden wie beim Messenger-Betrug. Ronny Dombeck erklärt das so: "Der Erstkontakt zu den Geschädigten findet über eine SMS oder eine Phishing-Mail statt. Dann wird Zeitdruck aufgebaut, indem zum Beispiel behauptet wird, dass irgendeine Umstellung nicht erfolgt ist, das Konto oder der Onlinezugang gesperrt ist."

Wenn das potenzielle Opfer dann auf den angehängten Link in der Nachricht klickt, wird es auf einer Website aufgefordert, seine Bankdaten einzugeben. "Mittlerweile wird für jede Transaktion ja aber auch eine TAN gebraucht", sagt Dombeck. "Die Täter rufen dann bei den Leuten an und erklären, dass sie dringend eine TAN herausgeben müssen." So würden die Täter den vollen Zugriff auf das Konto freischalten.

Eine typische Fake-Nachricht, die vom Smartphone als Spam erkannt wurde.
Eine typische Fake-Nachricht, die vom Smartphone als Spam erkannt wurde. © SZ/Privat
Hier versuchen Betrüger, an Bankdaten zu kommen. Der Link am Ende der Nachricht wurde geschwärzt.
Hier versuchen Betrüger, an Bankdaten zu kommen. Der Link am Ende der Nachricht wurde geschwärzt. © SZ/Privat

Schutz: "Eine Bank wird nie nach einer TAN fragen", sagt Ronny Dombeck. "Transaktionen kann die Bank selbst anhalten, dafür braucht es keine TAN des Bürgers." Betrüger-Mails könne man manchmal daran erkennen, dass die Absenderadresse nicht so aussehen wie von der Bank oder die Anrede fehlt.

"Auch hier hilft eine Antiviren-Software, die Spam-Nachrichten herausfiltert", sagt Enrico Lange. Und weiter: "Am besten sollte man gar nicht auf Links klicken, sondern wenn einen die Bank anschreibt und etwa fordert, das TAN-Verfahren zu aktualisieren, dann sollte man in seinen Browser gehen und dort selbst die Adresse der Bank eingeben." Ansonsten könne auch ein Anruf beim persönlichen Bankberater helfen.

Betrug bei Kleinanzeigen: "Sicher bezahlen" ist nicht per se sicher

Betrugsmasche: Die Täter melden sich als angeblich interessiere Käufer bei einem Verkäufer und geben an, dass sie mit der Bezahlmethode "Sicher bezahlen" das Produkt erwerben wollen. "Der Link aus dieser Mail führt dann aber zu einer Seite, welche nur so aussieht wie 'Sicher bezahlen' von Kleinanzeigen", erklärt Ronny Dombeck. "Dort geben die Käufer dann im guten Glauben ihre Zugangsdaten fürs Onlinebanking oder Kreditkartendaten ein, um das angebliche Geld zu erhalten."

Schutz: "Die Funktion 'Sicher bezahlen' von Kleinanzeigen ist ein sehr wichtiger und guter Schutz", sagt Ronny Dombeck. Er rät Kleinanzeigen-Verkäufern, diese Bezahlfunktion von sich aus anzubieten. Außerdem gelte auch hier: Auf keine Links klicken, die einem zugesendet werden. "'Sicher bezahlen' verlangt nur die Eingabe einer IBAN, nicht die Zugangsdaten fürs Onlinebanking oder die Übermittlung von Kreditkartendaten", warnt der Experte.

Fake Shops: täuschend echte Online-Shops

Betrugsmasche: "Die Täter erstellen Online-Shops, die teilweise den Seiten von echten Händlern täuschend ähnlich sind", sagt Enrico Lange. "Dort werden dann Produkte zu sehr niedrigen Preisen angeboten, um potenzielle Opfer anzulocken." In Wirklichkeit gibt es diese Produkte natürlich gar nicht - das bemerken die Opfer aber erst, wenn das Geld bereits überwiesen wurde.

Schutz: Enrico Lange rät Kunden, bei Zweifeln den Fakeshop-Finder der Verbraucherzentrale zu besuchen. "Dort können potenzielle Käufer schauen, ob die Seite, bei der man ein lukratives Schnäppchen entdeckt hat, möglicherweise schon gelistet ist", sagt er. Bei Fake Shops sei außerdem häufig das Impressum auffällig: Entweder sei es gar nicht vorhanden, die Adresse sei nicht vollständig abgebildet oder Telefonnummern des Händlers würden fehlen.