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Dresden ist Spitzenreiter bei schweren Radfahrer-Unfällen

Mit sieben Toten und 530 Schwerverletzten in den Jahren 2019 bis 2021 führt Dresden eine traurige Statistik an. Welche Ursachen die Radfahrunfälle haben und was der Fahrradclub ADFC für mehr Sicherheit fordert.

Von Kay Haufe
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Die Zufahrten auf zur Waldschlößchenbrücke gehören zu den Stellen, an denen die häufigsten Unfälle mit Radfahrern in Dresden geschehen.
Die Zufahrten auf zur Waldschlößchenbrücke gehören zu den Stellen, an denen die häufigsten Unfälle mit Radfahrern in Dresden geschehen. © Sven Ellger (Symbolbild)

Dresden. Es gibt eine gefühlte Sicherheit, und es gibt belastbare Zahlen beim Thema sicherer Radverkehr. In beiden Kategorien nimmt Dresden im Vergleich mit anderen Städten negative Spitzenplätze ein. 80 Prozent der 2.026 Befragten beim Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC) haben im Vorjahr angegeben, dass man sich als Radfahrer in Dresden gefährdet fühlt.

Nun haben Rolf Leonhardt und Nils Larsen vom ADFC Dresden in zeitaufwendiger Recherche die Radunfallzahlen für den Dreijahreszeitraum von 2019 bis 2021 analysiert und sie mit den Zahlen von neun anderen, vergleichbar großen Städten wie Leipzig, Bremen, Hannover oder Nürnberg verglichen. Das Ergebnis lässt aufhorchen. Auch die Polizei hatte bereits in ihrer Unfallstatistik vom April darauf hingewiesen.

Wie viele schwere Unfälle mit Radfahrern gab es im Betrachtungszeitraum?

Unter den deutschen Städten, die zwischen 450.000 und 650.000 Einwohner haben, gab es in Dresden zwischen 2019 und 2021 die meisten schweren Radunfälle mit sieben Toten und 530 Schwerverletzten. Der Abstand zu Platz zwei ist enorm: Bremen verzeichnete acht Tote sowie 341 Schwerverletzte. In Duisburg, das auf dem letzten Platz der untersuchten Städte lag, waren es zwei Tote und 147 Schwerverletzte (die Zahlen von Bremen und Duisburg beziehen sich auf Tote infolge Unfällen mit Radbeteiligung). "Dass Dresden mit Abstand die Spitzenposition einnimmt, war auch für uns überraschend", sagt Nils Larsen. "Daraus folgt, dass es dringenden Handlungsbedarf gibt."

Allein vier Unfälle mit tödlichem Ausgang für die Radfahrer ereigneten sich 2019. An der Kreuzung Rudolf-Leonhard-Straße/Stauffenbergallee sowie der an der Kohlenstraße/Innsbrucker Straße waren jeweils Lkw die Unfallgegner. Auch im Jahr 2021 starb eine Radfahrerin durch einen Unfall mit einem Lkw an der Kreuzung Bautzner-/Weintraubenstraße.

Rechnet man die Kategorie der leicht Verletzten zu den Unfällen mit tödlichem Ausgang sowie mit Schwerverletzten dazu, belegt Dresden mit 3.164 Verletzten erneut einen Spitzenplatz, der nur von den 3.202 Verletzten in Hannover übertroffen wird. Zum Vergleich: In Bremen gab es im Betrachtungszeitraum 2.723 Verletzte, in Stuttgart 1.322. Fairerweise muss dazugesagt werden, dass der Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehr in Bremen rund 25 Prozent beträgt, während er in Stuttgart nur bei rund acht Prozent liegt. Die Dresdner Zahl von rund 18 Prozent stammt aus dem Jahr 2018. "Sie dürfte heute auch bei rund 20 Prozent liegen", sagt der Dresdner ADFC-Geschäftsführer Edwin Seifert.

Wo passieren die meisten Radunfälle in der Stadt?

Laut gesetzlich vorgegebener Definition sind Unfallhäufungsstellen Orte, an denen sich mindestens fünf Unfälle mit Verletzten im Drei-Jahres-Zeitraum ereignet haben. In Dresden gibt es allein zwölf Stellen, an denen mindestens zehn Radunfälle zwischen 2019 und 2021 passierten.

Allen voran sind das die Kreuzung Sachsenallee/Roßbachstraße am Sachsenplatz und die Auffahrten an der Fetscherstraße zur Waldschlößchenbrücke. An beiden ereigneten sich jeweils 20 Radunfälle, gefolgt von den Kreuzungen Comenius-/Zwinglistraße mit 18 sowie Albertbrücke/Terrassenufer mit 15 Unfällen. Problematisch ist auch die Kreuzung Löbtauer/Hirschfelder Straße und der Strehlener Platz, wo es jeweils 14 Unfälle gab.

Häufungsstellen sind auch die Kreuzungen Oederaner Straße/Nossener Brücke, Güntz-/Dürerstraße und Fetscher-/Holbeinstraße, wo es jeweils zu 12 Unfällen kam. Je zehn ereigneten sich an den Kreuzungen Anton-/Leipziger Straße, Boxdorfer/Volkersdorfer Straße und Königsbrücker Straße/Bischofsweg.

"Mit der Sachsenallee sowie den Rampen zur Waldschlößchenbrücke sind wir bundesweit unter den elf Stellen mit den meisten Radunfällen vertreten", sagt Rolf Leonhardt.

Was sind die Ursachen für die meisten Unfälle?

Jeder, der regelmäßig mit dem Rad unterwegs ist, kennt es: In Dresden hören Radwege nicht selten vor Kreuzungen auf, der Radfahrer muss sich in den Gesamtverkehr "einfädeln" wie auf der Königsbrücker Straße stadteinwärts in Höhe der Fußgängerbrücke. Oft genug gibt es gar keine Radwege oder sie sind sehr schmal.

Ein Knackpunkt seien die großen Kurvenradien, die schnelles Abbiegen ermöglichten, was Radfahrer wie an den Zufahrten der Waldschlößchenbrücke in Gefahr bringt. Aber auch hohes Tempo, für das die Dresdner Straßen gemacht scheinen, und kaum längere Tempo-30-Zonen begünstigten Unfälle.

"Problematisch ist der schleppende Umbau von Unfallhäufungsstellen", sagt Rolf Leonhardt. Die Unfallkommission arbeite mangelhaft, denn solche Stellen müssten per Gesetz nach einem Jahr beseitigt sein, in Dresden gebe es einige aber schon seit Jahren. Oft werde nach der Devise "lieber freier Autoverkehrsfluss statt aufwendiger Lösung" verfahren.

Was fordert der ADFC, um Radfahrer sicherer durch Dresden kommen zu lassen?

Die Forderungen des Fahrradclubs sind klar: Tempo 30 stadtweit an allen Unfallhäufungsstellen und dort, wo durchgängige Radwege fehlen. Außerdem brauche es mehr stationäre Blitzer, breitere und vor allem miteinander verbundene Radwege.

"Dresden hat ein Radwegekonzept mit rund 450 Stellen, die bis 2025 verbessert sein sollten. Bis jetzt sind aber gerade mal 20 Prozent umgesetzt", sagt Nils Larsen. "Das muss endlich Priorität haben."

Unfallhäufungsstellen müssten schneller beseitigt werden, auch mit zunächst provisorischen Lösungen. "Aber damit tut sich Dresden enorm schwer", kritisiert Seifert. Auch Ampelschaltungen sollten fußgänger- und radfahrerfreundlicher werden, große Kurvenradien endlich wegfallen oder mit Markierungen wie an der Nossener Brücke sicherere gestaltet werden.

"Wir würden gern frühzeitiger in Straßenplanungen der Stadt einbezogen werden, um Radfahrbelange besser einbringen zu können", sagt Leonhardt.