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Prozess: Baby mit Schädelfrakturen und Hirn-Blutungen

Er soll seinen knapp vier Monate alten Sohn massiv geschlagen und geschüttelt haben. Jetzt steht ein 28-Jähriger vor Gericht.

Marek W., hier mit seinem Verteidiger Jürgen Saupe (l.), schweigt zu den Vorwürfen. Er steht vor dem Landgericht Dresden, weil er 2017 seinen erst knapp vier Monate alten Sohn geschlagen haben soll.
Marek W., hier mit seinem Verteidiger Jürgen Saupe (l.), schweigt zu den Vorwürfen. Er steht vor dem Landgericht Dresden, weil er 2017 seinen erst knapp vier Monate alten Sohn geschlagen haben soll. © Foto: Alexander Schneider

Am zweiten Verhandlungstag im Prozess um schwere Misshandlungen eines Säuglings hatten Sachverständige das Wort. Die gute Nachricht kam von einem rechtsmedizinischen Gutachter: Er berichtete zwar von ganz erheblich schweren Verletzungen, die dem kleinen Jungen zugefügt worden sein müssen. Darunter zwei Frakturen des Schädels, Schwellungen, Hirnblutungen bis hin zu zerstörtem Hirngewebe.

Allerdings, und das ist die gute Nachricht, seien für den inzwischen dreieinhalb Jahre alten Jungen ohne bleibende Schäden abgeheilt. Die Verletzungen, auch das wies der Sachverständige nach, seien nicht mit einem „Sturzgeschehen“ in Einklang zu bringen.

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Marek W., ein 28-jähriger Maler, soll im Juli 2017 sein Kind massiv geschlagen und geschüttelt haben. Er steht daher seit Montag wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen und gefährlicher Körperverletzung vor dem Landgericht Dresden. Bislang hat er sich zu den Vorwürfen nicht geäußert, was sein gutes Recht ist.

Richter hofft auf Angaben des Angeklagten

Eine Szene von Freitag verdeutlicht, wie das Verhalten bei der Kammer ankommt. Nachdem der Rechtsmediziner sein Gutachten erstattet hatte, bat Verteidiger Jürgen Saupe das Gericht vorsichtig um ein Rechtsgespräch. Er suchte außerhalb der öffentlichen Verhandlung das Gespräch mit den Beteiligten. Doch der Vorsitzende Richter Christian Linhardt lehnte das ab. Er könne nicht erkennen, warum. „Vielleicht reden Sie mal mit Ihrem Mandanten, ob er nicht doch etwas sagen will“, entgegnete der Vorsitzende.

Marek W. war am Tattag alleine mit seinem Sohn in der Wohnung. Seine damalige Lebensgefährtin und Mutter des Babys war wegen eines mehrtägigen Krankenhausaufenthalts nicht zu Hause. Nach der Tat, die sich am frühen Morgen zugetragen haben soll, habe W. es auch unterlassen, den Notarzt zu rufen, heißt es in der Anklage. Erst eine Freundin der 24-jährigen Kindesmutter, die offenbar ein Auge auf Vater und Sohn hatte werfen sollen, alarmierte am Nachmittag die Mutter.

W. habe ihr zunächst gesagt, das Kind sei vom Wickeltisch gefallen, berichtete die Mutter als Zeugin zum Prozessauftakt. Dann habe sie die erheblich beschädigte Wiege gesehen.

Gutachter der Polizei und der Dekra haben untersucht, ob das Kind aus der Wiege gefallen sein könnte, ob es möglicherweise auch mit Wucht in die Wiege geworfen worden sei oder ob auch ein Sturz auch größerer Höhe zu diesen Verletzungen hätten führen können. Der Dekra-Ingenieur, der ebenfalls am Freitag sein Gutachten erstattete, sagte, man habe dazu eine 3,8 Kilogramm schwere Hebammen-Puppe und eine neun Kilo schweren Kinder-Dummy aus der Unfallforschung verwendet und aus der – tatsächlich demolierten – Wiege sowie aus 1,70 Metern Höhe fallen lassen.

Wie die Wiege demoliert wurde, bleibt unklar

Untersucht wurden neben der beschädigten Wiege auch ein baugleiches intaktes Modell der Schlafstatt.  Ein erst drei Monate altes Kind sei nicht in der Lage, zwei Gitterstäbe zu lösen, um dann alleine aus der Wiege zu fallen, sagte der 36-Jährige Sachverständige. Ein Sturz aus rund 40 Zentimetern Höhe hätte auch nicht die schweren Folgen, wie sie an dem Säugling festgestellt wurden. 

Wie es zu den Schäden an der Wiege kam, das kann wohl nur der Angeklagte beantworten. W.s Verteidiger hatte zum Prozessauftakt die Schäden sogar in Abrede gestellt. Sie seien auf den Fotos nicht erkennbar. 

Der Angeklagte, der selbst aus zerrütteten Verhältnissen stammt und viele Jahre im Kinderheim gelebt hatte,  muss im Umgang mit Babys komplett unerfahren gewesen sein. Das berichtete eine Familienhelferin, die nach der Geburt regelmäßig in die Prohliser Wohnung gekommen war. W. habe schon das Baby kurz nach der Geburt viel zu hart und unsensibel angefasst, berichtete sie.

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Die Sozialarbeiterin sagte, der Angeklagte sei nicht in der Lage, seinen Sohn mehrere Tage alleine zu versorgen. Sie habe den Mann als teilnahmslos wahrgenommen, als sie in der Familie war. Weil die Betreuer davon ausgegangen waren, dass ein männlicher Familienhelfer möglicherweise einen besseren Zugang zu dem Kindesvater aufbauen könnte, sei es Mitte Mai 2017 daher zu einem Wechsel gekommen. 

Der Prozess wird fortgesetzt.

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