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Wie die Technische Universität Dresden gegründet wurde

Die TU Dresden ist mehr als ein gutes Aushängeschild der Stadt. Sie versorgt die Wirtschaft des Landes seit fast 200 Jahren mit Ingenieuren und Technikern. Ein Blick zurück auf ihre Anfänge.

Von Ralf Hübner
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Der Beyer-Bau mit seinem 40 Meter hohen Turm ist das Wahrzeichen der TU Dresden. Das Bauingenieurgebäude wurde von 1908 bis 1913 nach Plänen des Architekten Martin Dülfer errichtete. Der Komplex wird bis 2024 saniert.
Der Beyer-Bau mit seinem 40 Meter hohen Turm ist das Wahrzeichen der TU Dresden. Das Bauingenieurgebäude wurde von 1908 bis 1913 nach Plänen des Architekten Martin Dülfer errichtete. Der Komplex wird bis 2024 saniert. © Sammlung H. Naumann

Dresden. Mit gut 30.000 Studenten aus rund 80 Ländern ist die Technische Universität Dresden eine der größten und zudem auch ältesten Technischen Hochschulen in Deutschland. An 17 Fakultäten können die Studenten zwischen 126 Studiengängen wählen. Gegründet wurde sie als Technische Bildungsanstalt am 1. Mai 1823. Das war vor 195 Jahren. 1871 avancierte sie zum Polytechnikum, 1890 zur Hochschule und 1961 zur Universität.

Nach dem Ende Napoleons und der von ihm verhängten Kontinentalsperre überfluteten günstige englische Industriewaren die Märkte und setzten dem einheimischen Gewerbe heftig zu. Zudem litt Sachsen nach dem Wiener Kongress unter dem Verlust von rund zwei Drittel seines Gebietes und rund der Hälfte der Bevölkerung. Um die Wirtschaft anzukurbeln, wurden Fachkräfte gebraucht, gut ausgebildete Techniker.

Langer Weg bis zur ersten Technischen Schule

So hatten 1822 der Direktor der Finanzplankammer und Kameralvermessungsanstalt, Wilhelm Ernst August von Schlieben, zusammen mit dem Geodäten und Topographen Wilhelm Gotthelf Lohrmann die polytechnischen Lehranstalten in München, Prag und Wien inspiziert. Vor allem bei Lohrmann war die Erkenntnis gereift, dass auch für Baumeister, Mechaniker, Instrumentenmacher, Metallarbeiter, Maschinen- und Werkmeister die fachlichen Anforderungen stiegen. Selbst in altehrwürdigen Berufen wie Tischler, Sattler, Weber und auch in vielen anderen Gewerken benötigte man zunehmend eine zeitgemäße fachliche Bildung.

Der Entwurf von Schlieben und Lohrmann für eine eigenen technische Schule vom 28. November 1822 wurde jedoch abgelehnt. Ein Reskript des Königs vom 31. Mai 1823 erklärte die Schaffung des Polytechnikums "als zur Zeit nicht notwendig".

Nur ein Jahr später mahnte 1824 die Kurie der Ritterschaft des Landtages in einer "allgemeinen Interzessionsschrift" ebenfalls erfolglos die Bildung einer polytechnischen Lehranstalt in Sachsen. Erst im Frühjahr 1827 kam durch die Ökonomische Gesellschaft und deren Vorsitzenden, Detlev Graf von Einsiedel, Bewegung in die Angelegenheit. Sie forderte den Dresdner Mechanikus, Inspektor Rudolf Sigismund Blochmann, auf, einen Lehrplan mit Kostenanschlag für die Anstalt auszuarbeiten.

Der Entwurf fand die Zustimmung der Gesellschaft. König Anton, der erst kurz im Amt war, bestätigte am 23. August 1827, wohl von dem damals einflussreichen Grafen Einsiedel gedrängt, mit seiner Unterschrift die Gründung. Die königliche Kommerziendeputation übernahm die Direktion, Wilhelm Gotthelf Lohrmann nebenamtlich die Funktion des Schulvorstehers.

Andreas Schubert steigt zum Professor auf

Die neu gegründete Anstalt war zunächst bescheiden im Gartenpavillon auf der Brühlschen Terrasse untergekommen. Zuvor war dort eine Konditorei. Im runden Mittelteil des Pavillons wurden Vorlesungen gehalten. In den Zimmern zeichneten Schüler. Im Eckgewölbe des nahe gelegenen Kufenhauses wurde ein chemisches Laboratorium eingerichtet.

Der Studientag begann sechs Uhr früh und endete abends um acht. Von 69 wöchentlichen Unterrichtsstunden verbrachten die Studenten 49 im "mechanischen Atelier" in der Waisenhausgasse. Neun Stunden entfielen auf die technischen Hilfs- und Hauptwissenschaften sowie allgemeinen Fächer wie deutsche Sprache und Zeichnen. Mit jeweils fünf Wochenstunden dominierte die Mathematik, die vierjährige theoretische Grundlagenausbildung. Zu ihr gehörten außerdem Physik, Chemie, Geometrie, Mineralogie, Maschinenlehre, Technologie und Buchhaltung. Auch Tanzunterricht wurde gegeben, bei denen den Schülern gesellschaftliche Umgangsformen beigebracht wurden. Regelmäßig veranstaltete die Bildungsanstalt Schülerbälle.

Der Aufstieg der Technischen Bildungsanstalt war in den ersten Jahren vor allem mit drei Wissenschaftlern verbunden. Der nebenamtliche Vorsteher Lohrmann, Kameralvermesser und Oberinspektor des Mathematisch-Physikalischen Salons, konnte gut integrieren und erwies sich als ideale Besetzung beim Aufbau der Anstalt. Johann Andreas Schubert, der Pionier bei der Industrialisierung Sachsens, Wissenschaftler, Ingenieur und Unternehmer, bekannt als Erbauer der ersten betriebsfähigen deutschen Dampflokomotive "Saxonia", war als Lehrer bei den Schülern ausnehmend populär. Er wurde zum Lehrer für Buchhaltung und Mathematik berufen und stieg später zum technischen Hauptlehrer und Professor auf. Ihm zur Seite stand ab 1850 der Direktor Julius Ambrosius Hülse, der die Reorganisation und die Modernisierung der Schule vorantrieb.

Promotionsrecht ab 1900

Wegen der rasch steigende Schülerzahlen und Unterrichtsstunden wurde schon bald der Platz knapp. 1833 zog die Technische Bildungsanstalt deshalb zunächst in den damaligen Jüdenhof und 1846 in einen Neubau am Antonsplatz. 1851 befördert König Friedrich August II. die Lehranstalt zur Königlichen Polytechnischen Schule. 1871 wurde sie in Königlich-Sächsisches Polytechnikum umbenannt.

Nichttechnische Fächer wie Volkswirtschaftslehre, Rechtswissenschaft, Philosophie, Geschichte und Sprachen kamen hinzu. Am 3. Februar 1890 wurde das Polytechnikum in den Rang einer Technischen Hochschule erhoben. Deren erster Rektor wurde Karl Ernst Hartig. Seit 1900 besaß die TH Dresden schließlich das Promotionsrecht. Ab 1902 bot sie eine vollständige wissenschaftliche oder künstlerische Ausbildung für technische Berufe und Lehrberufe in technischen Bereichen an. 1907 wurden Frauen zum Vollstudium zugelassen. Schon damals gab es Pläne zur Umwandlung in eine Universität.