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Arbeit und Bildung

Ein Holländer in der Backwirtschaft

Marek Schouten (17) arbeitet seit über vier Monaten in der Bäckerei Wippler in Dresden. Sein Praktikum begann mit einer besonderen Ost-West-Geschichte.

© Steffen Unger

Dresden.  Vielleicht wird er zu Hause mal vom Dresdner Stollen träumen. Immerhin kennt Marek inzwischen wohl jede Spielart des beliebtesten sächsischen Weihnachtsgebäcks. „Ich wusste nicht, dass es da so viele Unterschiede gibt“, sagt der junge Holländer und lächelt sein breites Lächeln. Aber wer in der Vorweihnachtszeit in einer Dresdner Bäckerei arbeitet, der kommt natürlich nicht um den Stollen herum. Und Marek, 17 Jahre alt, schlank und hochgewachsen, hat seit September vergangenen Jahres eine ganze Menge übers Bäckerleben gelernt.

Seitdem wohnt der junge Mann in der Lehrlings-WG der Bäckerei Wippler direkt am Elbufer unterhalb des Pillnitzer Schlosses. Als Praktikant hat er inzwischen überall schon einmal mit angepackt - beim Ausliefern, im Verkauf hinter der Ladentheke und natürlich in der Backstube. Inklusive Arbeitsbeginn mitten in der Nacht. Doch, das sei schon gewöhnungsbedürftig gewesen, gibt Marek zu. Spaß mache ihm die Arbeit auf jeden Fall. Aber wie kommt ein Holländer eigentlich zu einem Praktikum in Dresden? Hier kommt Andreas Wippler ins Spiel. Er ist Geschäftsführer des gleichnamigen Unternehmens und damit zurzeit auch Mareks erster Ansprechpartner bei allen Fragen rund um den Job. Die Förderung junger Leute ist dem Familienvater wichtig. Zurzeit lernen vier angehende Bäcker ihr Handwerk im Betrieb. Im Sommer soll eine Konditorenlehrstelle dazukommen. Marek allerdings verdankt seine Bekanntschaft mit dem Dresdener Stollen einer privaten Freundschaft, die bis in DDR-Zeiten zurückreicht. Damals war Andreas Wippler selbst noch Kind - und staunte nicht schlecht, als eines Tages Touristen aus Holland an der Dresdener Bäckerei Halt machten. Mit dem Rad. „Sie wollten weiter nach Ungarn, der Mann und mein Vater kamen ins Gespräch und blieben in Kontakt“, erzählt Andreas Wippler. Diesen Kontakt intensivierte Mareks Vater vor einem Jahr wieder, weil sein Sohn einen besonderen Wunsch hatte. Er wollte richtig Deutsch lernen. Und wie geht das besser als beim gemeinsamen Leben und Arbeiten? „Wir sind uns schnell einig geworden“, sagt Andreas Wippler.

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Faible für die Eierschecke

Marek hatte Lust, das Bäckerhandwerk kennenzulernen, auch wenn er in seiner Heimat nicht in der Backstube arbeiten, sondern Betriebswirtschaft studieren möchte. Die Chemie stimmte sowieso und dank der Lehrlings-WG, die Wipplers direkt unterm Dach ihrer Pillnitzer Backwirtschaft eingerichtet hatten, war auch die Frage einer passsenden Unterkunft schnell geklärt. Weil Marek zu Hause Fußball spielt, meldete ihn Andreas Wippler gleich noch beim Pillnitzer Sportverein an. Eine gute Idee, denn so fühlte sich der junge Holländer schnell heimisch und fand auch Anschluss an Gleichaltrige.

Und er hat durchaus Unterschiede zwischen Deutschen und Holländern festgestellt. „Hier sind die Leute immer sehr nett. In Holland ist man viel direkter“, sagt er. Egal, ob beim Fußball, beim Bummeln oder beim Stollenfest – überall habe er die Dresdner als freundlich erlebt. Dass er nun nicht nur gut Deutsch, sondern auch Sächsisch gelernt hat, sieht er als Bonus. Und wenn er in ein paar Wochen zurück nach Hause fährt, nimmt er neben vielen neuen Eindrücken und Freundschaften auch ein neues Lieblingsbackwerk mit. Nein, gemeint ist nicht der Stollen - sondern die Sächsische Eierschecke. Die findet Marek nämlich noch viel traumhafter.