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Leben und Stil

Bitte kein Bargeld!

Wegen Corona heißt das bevorzugte Zahlungsmittel derzeit oft Karte statt Bargeld. Doch dürfen Händler auf Kartenzahlung bestehen?

Bei kleinen Beträgen ist kontaktloses Bezahlen oft auch ohne PIN-Eingabe möglich.
Bei kleinen Beträgen ist kontaktloses Bezahlen oft auch ohne PIN-Eingabe möglich. © dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Von Katja Fischer

Berlin. "Bitte zahlen Sie mit Karte": steht derzeit an vielen Kassen der Supermärkte und Einzelhandelsgeschäfte. Auch in Restaurants wird Kartenzahlung gern gesehen. Wegen der Corona-Pandemie sollen Menschen direkten Kontakt vermeiden - also soll möglichst auch kein Bargeld von Hand zu Hand gehen.

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Was passiert aber, wenn ein Kunde sich weigert, der Aufforderung nachzukommen? Dürfen Händler oder Gastronomen die Annahme von Bargeld in ihrem Geschäft vollständig ablehnen?

Händler müssen kein Bargeld annehmen

"Grundsätzlich gilt das Prinzip der Vertragsfreiheit", erklärt Ulrich Binnebößel vom Handelsverband Deutschland (HDE) in Berlin. Das bedeutet: Händler und Kunden können den Inhalt des Vertrages und damit auch die Art und Weise der Zahlung frei bestimmen.

Der Händler muss also keine Bargeldzahlungen akzeptieren. Begründen muss er das nicht. "Eine andere Frage ist sicherlich, ob ein solches Verhalten besonders kundenfreundlich ist." Voraussetzung für dieses Vorgehen ist, dass er Kunden vor dem Anschluss des Kaufvertrags explizit darüber informiert, welche Zahlung er nicht akzeptiert. Ein Hinweisschild vor dem Eingang oder spätestens an der Kasse genügt.

Auch bestimmte Banknoten dürfen Händler ablehnen

Händler können auch festlegen, dass sie bestimmte Banknoten nicht annehmen. "Man sieht dies recht häufig an Tankstellen, wo große Banknoten nicht akzeptiert werden", nennt Binnebößel als Beispiel.

Dahinter stecke oft der Gedanke, dass man barzahlenden Kunden möglichst das entsprechende Wechselgeld wiedergeben möchte. "Das wäre kaum möglich, wenn früh morgens schon mehrere Kunden mit großen Scheinen bezahlen wollen", so Binnebößel.

Der Händler darf auch Kunden wegschicken, die mit einem Beutel voller Münzen kommen. "Die Einzelhandelsunternehmen sind nicht verpflichtet, mehr als 50 Münzen bei einer einzelnen Zahlung anzunehmen", erklärt Binnebößel. Das gehe aus einer EU-Verordnung hervor - und gilt in allen Ländern der Europäischen Währungsunion.

Bargeldlose Alternativen

Die Deutschen hängen an ihrem Bargeld. Dennoch nutzen viele zunehmend bargeldlose Zahlungsarten - gerade jetzt während der Corona-Pandemie. "Wir beobachten aktuell einen weiter beschleunigten Trend zu bargeldlosen Zahlungen", erklärt Cornelia Schulz, Pressesprecherin für die Deutsche Kreditwirtschaft (DK) - dort ist der Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken derzeit federführend.

Auch Händler, die bisher am Bargeld festhielten, stellen laut Schulz angesichts der Corona-Pandemie vermehrt auf kontaktlose Bezahlungen um - also auf girocard oder Kreditkarte. So könne der Bezahlvorgang an der Kasse hygienisch, sicher und schnell vonstattengehen.

Neben der physischen Karte können Kunden immer häufiger auch kontaktlos zahlen. Dies entspreche "denselben hohen Sicherheitsstandards der Deutschen Kreditwirtschaft wie kontaktbehaftete Kartenzahlungen", erläutert Schulz.

Kontaktlos bezahlen - teils auch ohne PIN

Kontaktlos zahlen können Kunden auf vielfältige Weise, mit der Girokarte, der Kreditkarte oder dem Smartphone. Einfach die Karte oder das Smartphone mit einigen Zentimetern Abstand an das Lesegerät halten, schon wird der Betrag abgebucht - wenn die entsprechende Funktion aktiviert ist.

Bei kleineren Beträgen ist die Eingabe einer PIN meist nicht notwendig. "Bisher waren in Deutschland meist nur Zahlungen bis 25 Euro ohne PIN möglich", sagt Michael Herte von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. "Aufgrund der Corona-Pandemie wurde diese Grenze auf 50 Euro angehoben."

Unabhängig von dem höheren Limit müssen Verbraucher allerdings zwischendurch ihre Geheimnummer wieder eingeben - spätestens nach fünf Transaktionen oder nach einer Gesamtsumme von maximal 150 Euro.

Kunden können Kosten entstehen

Ob Bargeld oder Karte - bei beiden Zahlungsarten entstehen dem Händler Kosten. Diese kann er an den Kunden weitergeben - etwa über die Preise. "Direkte Zusatzkosten fallen für den Kunden aber nicht an, egal wie er zahlt", sagt Binnebößel.

Allerdings kann es passieren, dass Kunden bei ihrer Bank für jede bargeldlose Zahlung eine Gebühr entrichten müssen. "Das kommt auf das persönliche Kontomodell an", sagt Herte. Wer etwa für jede Transaktion ein Entgelt bezahlt, "wird am Monatsende bei der Kontoabrechnung staunen, wenn die Girokarte oft zum Einsatz gekommen ist", warnt Herte.

Bankgebühren vorab prüfen

Verbraucher sollten daher unbedingt die Gebühren checken, bevor sie zugunsten des bargeldlosen Zahlens auf Scheine und Münzen verzichten. Manchmal findet man diese Kosten im Preisaushang der Bank unter allgemeinen Begriffen wie "beleglose Buchung" und "Basislastschrift".

"Im Zweifel hilft es, ganz konkret bei der Bank nachzufragen, ob die Kartenzahlung im Supermarkt etwas kostet", rät Herte. Besonders Konten ohne oder mit geringer Grundgebühr können hohe Einzelentgelte auslösen - so die Erfahrung des Verbraucherschützers.

Wollen Kunden die Kosten für die Kartenzahlung vermeiden, können sie über einen Kontowechsel nachdenken. "Allerdings gibt es kostenlose Kartenzahlungen eher bei den höherpreisigen Kontomodellen", gibt Herte zu bedenken. Verbraucher müssten also abwägen, ob sie die Karte oft genug einsetzen, dass sich der Kontowechsel lohnt. (dpa)

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