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Kindersegen am Keulenberg

Seit Jahren gibt es in Großnaundorf auffällig viel Nachwuchs. Auch beim SZ-Familienkompass schnitt der kleine Ort gut ab. Warum sich Familien hier besonders wohl fühlen.

Bürgermeister Christian Rammer freut sich über den Zuwachs in Großnaundorf. Die Freie evangelische Grundschule, die 2019 eröffnet wurde, zieht Familien an. Die Erstklässler Justus, Lennox, Greta und Anni (v.l.) fühlen sich wohl hier.
Bürgermeister Christian Rammer freut sich über den Zuwachs in Großnaundorf. Die Freie evangelische Grundschule, die 2019 eröffnet wurde, zieht Familien an. Die Erstklässler Justus, Lennox, Greta und Anni (v.l.) fühlen sich wohl hier. © Matthias Schumann

Großnaundorf. Kinderreichstes Dorf Sachsens! Das war doch mal eine Auszeichnung im Jahr 2014. Damals kamen in der kleinen Gemeinde Großnaundorf  bei Pulsnitz gleich 17 Babys zur Welt. So viele Kinder wie hier wurden - bezogen auf die Einwohnerzahl - nirgendwo in Sachsen geboren. "Ja, das war das Fußball-WM-Jahr. Wir wollten eben  auch in etwas Sieger sein", sagt Bürgermeister Christian Rammer (parteilos) schmunzelnd. Sein Vorgänger Jürgen Kästner ließ sich die Zahlen vor sechs Jahren von höchster Stelle bestätigen. "Es war sehr auffällig, was damals passierte", sagt Christian Rammer.  Und seitdem ging es fleißig weiter mit dem Kindersegen.

Der neue Bürgermeister hat gut lachen, denn auch er wurde damals Papa. Lennox  geht heute in die erste Klasse der Freien evangelischen Grundschule. Diese öffnete 2019  ihre Pforten und ist ein wichtiger Garant dafür, dass sich junge Familien in Großnaundorf ansiedeln wollen. Beim "Familienkompass Sachsen" landete Großnaundorf zusammen mit Königsbrück und Laußnitz auf Platz 8 im Landkreis-Ranking. Und bekam damit sogar die besten Werte im Altkreis Kamenz. 

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Die Nachfrage nach Bauplätzen ist groß

Doch worin liegt der Zauber des kleinen Ortes am Keulenberg? In der Natur? Den Angeboten? Engagierten Vereinen? Der Nähe zur Landeshauptstadt? "Keine Ahnung - wahrscheinlich im Mix aus allem", sagt der Bürgermeister.  Hierbleiber, Rückkehrer, Neuansiedler - alle wollen nach Großnaundorf.  "Es lebt sich prima bei uns. Man kennt sich, redet noch miteinander. Zurzeit haben wir mehr  Zuzugs-Anfragen, als wir abdecken können", so Christian Rammer. Das alles deckt sich mit den Zahlen des Familienkompasses. In vielen Bereichen liegt das Dorf zusammen mit Königsbrück und Laußnitz auffällig über dem Sachsen-Durchschnitt.

Grundstücke sind begehrt. Aber der Ort liegt im Landschaftsschutzgebiet. Was einerseits den Reiz für Ruhesuchende ausmacht, wird andererseits zum Problem. "Die Leute wollen bauen. Doch uns sind die Hände gebunden", so Rammer. Die Gemeinde könne aktuell wenig Bauplätze anbieten. Auch deshalb soll bald ein neuer Flächennutzungsplan erarbeitet werden, zusammen mit der Verwaltungsgemeinschaft Pulsnitz. "Das ist eine langwierige Sache, aber die einzige Chance zu wachsen."

Fußball zieht viele Familienväter an

"Kinder sind unsere Zukunft, das hat auch mein Vorgänger erkannt. Ich will hier nicht allein die Lorbeeren für etwas ernten, das auf jahrzehntelanger Vorarbeit basiert", sagt der jetzige Gemeindechef.  Gleich neben der Gemeindeverwaltung befindet sich die neue Schule. Früher waren hier Büros und Gewerbe untergebracht, noch früher ein Teil der alten Polytechnischen Oberschule.

Man kennt sich, duzt sich.  Die Türen stehen weit offen. Gerade ist Pause, und die Kinder drängen an die Luft. Es klingt nach Lebensfreude, Ungezwungenheit. Der geburtenstarke Jahrgang von 2014 füllt hier mittlerweile zusammen fast die gesamte erste Klasse. "Noch ist es nur eine freie Grundschule, doch wir träumen schon vorsichtig von einer Oberschule", so der Bürgermeister.

Auch die Kita "Kleine Strolche" trägt zum Erfolg bei. "Ein echter Waldkindergarten ist das. Man tritt aus dem Haus und ist in der Natur", schwärmt Christian Rammer. Und gleich neben der Kita gibt es den Sportplatz. Die SG Großnaundorf ist hier vor allem mit ihrer Fußball-Sektion am Start, sie spielt in der Kreis-Oberliga. "Da kommen zu Derbys bis 500 Zuschauer zu uns. Das hat Flair", schwärmt Rammer. So klischeehaft es klingt - der Fußball bringt Leben ins Dorf. Viele Familienväter fühlen sich davon angezogen.  

Zwölf Vereine sorgen für ein breites Freizeitangebot

Schon Ex-Bürgermeister Jürgen Kästner wollte vor Jahren mit Blick auf die stolze Geburtenrate nicht an einen Zufall glauben. "Der Zusammenhalt in der Gemeinde und den Vereinen ist immer da, obwohl wir in finanzieller Hinsicht nicht verwöhnt sind", sagte er damals. 

Die Vielfalt macht das Leben hier lebenswert: Bei einem Landwirt kann man sein Obst selber pflücken gehen, beim anderen den Hofladen besuchen, der nächste züchtet Alpakas. Es gibt Yoga mit Blick zum Keulenberg, auch Massagen und der Friseurbesuch direkt im Ort sind möglich. Dienstags kommt der Hausarzt aus Oberlichtenau zur Sprechstunde. Ein paar Gewerbetreibende haben sich angesiedelt. Nur zum Großeinkauf muss man in die nächste Stadt fahren. Dafür gibt es ein Freibad, von dem manche Kommune nur träumen kann. Und der neue Spielplatz im Ortszentrum ist der Hingucker, ebenso die moderne Sporthalle.

Auch die Vielzahl an Vereinen im 950-Seelen-Dorf ist beeindruckend. Zwölf arbeiten Hand in Hand. "Der Hüttenkracher um Thomas Börner ist zum Beispiel ein echter Segen für uns. Der Verein versorgt uns alle mit Kultur und Partys. Und das ist wichtig, damit man gern in seinem Ort wohnt".  Corona-bedingt fiel in diesem Jahr vieles aus. Doch der  Weihnachtsmarkt soll am zweiten Advent stattfinden.  "Wir sind halt anders als die meisten", sagt Christian Rammer schmunzelnd. Und freut sich darauf. 

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