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Freital: Neuer Ärger mit den Gelben Tonnen

Seit Wochen wurden die Behälter an etlichen Grundstücken nicht geleert. Die Anwohner sind wütend, die Vermieter ratlos.

Seit Mitte Dezember nicht geleert: In Hainsberg und nicht nur dort sind die Müllplätze überfüllt.
Seit Mitte Dezember nicht geleert: In Hainsberg und nicht nur dort sind die Müllplätze überfüllt. © Karl-Ludwig Oberthür

Eigentlich sind die Genossenschaftshäuser an der Rabenauer Straße in Freital als gepflegte Wohnlage bekannt. Doch seit einigen Wochen gleicht die Gegend eher einer Müllanlage. So zumindest würde es Andrea Boden ausdrücken. "Es ist eine Sauerei, die ich hier so noch nie erlebt habe. Seit Wochen wurden die Gelben Tonnen nicht geleert und auch keine Gelben Säcke mehr mitgenommen. Überall fliegt der Müll herum, der Sturm hat ihn neulich noch so richtig verteilt", schimpft sie.

Und tatsächlich: Die Müllplätze an der Rabenauer Straße und in etlichen Grundstücken angrenzender Straßenzüge, wie zum Beispiel an der Oberhausener Straße, quellen über. Gelbe Säcke stapeln sich. Verpackungen liegen in Hecken, auf Wiesen und Wegen. Vor Weihnachten, so erinnert sich Andrea Boden, sei hier das letzte Mal die Müllabfuhr gekommen.

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Umstellung auf Gelbe Tonnen

Beim Vermieter, der Freitaler Wohnungsgenossenschaft Gewo, ist man ebenfalls sauer. Laut Abfallkalender sollte am 29. Dezember und am 15. Januar geleert werden, was offensichtlich nicht geschah. Und es trifft nicht nur den Stadtteil Hainsberg. Auch in Pesterwitz beispielsweise habe man Probleme mit der Abholung der Behälter, heißt es seitens der Genossenschaft .

"Wir wissen uns nicht mehr zu helfen", sagt Friederike Ebert, Mitglied im Vorstand. Man habe mehrmals beim verantwortlichen Entsorger - der Firma Kühl in Heidenau - angerufen und Mails an die Niederlassungsleitung geschrieben. "Es gab ein paar Ausreden, jetzt geht keiner mehr ans Telefon", berichtet Ebert.

Das Dilemma begann schon im Oktober. Damals wurden im gesamten Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge Gelbe Tonnen aufgestellt. Die Behälter ersetzen nun den Gelben Sack. Übergangsweise sollte noch beides abgeholt werden.

So steht es auf der Internetseite von Kühl, zuständig für die Entsorgung der Gelben Tonnen im Landkreis. "Es werden ab dem 1. Januar 2021 keine Gelben Säcke mehr verteilt beziehungsweise herausgegeben und auch nicht mehr abgeholt. Das heißt, abgestellte Gelbe Säcke werden ab Januar nicht mehr mitgenommen und sollten vorher in die Gelbe Tonne umgefüllt werden", informiert Kühl.

Müll soll am Straßenrand abgestellt werden

Soweit, so klar. Doch die Wohnungsgenossenschaft bekam für ihre großen Mietshäuser nicht die gewünschten Gelben Container, die 1.100 Liter fassen, sondern nur viele kleine 240-Liter-Tonnen. An manchen Anlagen stehen jetzt ein Dutzend solcher Behälter.

In den Genossenschaftshäusern entlang der Rabenauer Straße und Auf der Scheibe wurden im Herbst kleine Tonnen aufgestellt - teilweise ein gutes Dutzend pro Haus.
In den Genossenschaftshäusern entlang der Rabenauer Straße und Auf der Scheibe wurden im Herbst kleine Tonnen aufgestellt - teilweise ein gutes Dutzend pro Haus. © Egbert Kamprath

Diese sollen nun bei jeder Leerung an den Straßenrand gekarrt werden. "Das ist uns nicht möglich. Da müsste ich noch Leute einstellen, die den ganzen Tag nichts anderes machen, als die Tonnen an die Straße und dann wieder zurück zu schieben", argumentiert Genossenschafts-Chefin Ebert. Als Großvermieter mit 2.500 Wohnungen bekomme man das nicht hin.

Zumal die Müllplätze vieler Wohnanlagen, zum Beispiel auch an der Rabenauer Straße, nahe der Fahrbahnen liegen würden, frei zugänglich. "Bisher sind doch Männer von der Müllabfuhr auch immer rangefahren, die wenigen Meter zu den Müllplätzen gelaufen und haben die Gelben Säcke abgeholt. Warum geht das jetzt bei den Tonnen plötzlich nicht", fragt sich Ebert. Beim Restmüll und beim Leeren der Papiertonnen würde das doch nach wie vor gut funktionieren.

Außerdem sei an manchen Grundstücken gar kein Platz, so viele gelbe Tonnen an die Straßenkante zu stellen. "In Pesterwitz ist der Fußweg zu schmal, um alle neun Tonnen dort zu positionieren", begründet Friderike Ebert. Und es gibt auch noch etliche Müllplätze, die haben noch überhaupt keine gelben Tonnen, so zum Beispiel die Wohnblöcke an der Robert-Koch-Straße in Deuben-Süd. Ebert: "Hier sind 165 Wohnungen betroffen."

Kein Anschluss unter dieser Nummer

Bei der Firma Kühl in Heidenau ist telefonisch niemand zu erreichen, der zu dem Vorgang Stellung nehmen könnte. Auch eine schriftliche Presseanfrage zu dem Thema aus der vergangenen Woche wurde bis zum späten Montagnachmittag nicht beantwortet.

Zumindest auf der Internetseite informiert Kühl, wie die Leerung der Tonnen gehandhabt wird. "Der 240-Liter-Behälter wird – wie bislang die Gelben Säcke – in einem 14‐tägigen Rhythmus geleert. Dafür ist der Behälter zum Leerungstermin am Straßenrand gut sichtbar bis 6 Uhr bereitzustellen", steht da.

Ob das bei jedem Grundstück möglich oder erforderlich ist, diese Frage stellt sich dem Entsorger offenbar nicht. Entsprechend schlecht kommt Kühl derzeit in den Sozialen Medien weg. Bei Facebook beispielsweise häufen sich die Debatten über liegengelassene Säcke und nicht geleerte Tonnen.

Falsche Termine im Abfallkalender

In der Genossenschaft hat man das Gefühl, es mit einer Mischung aus Anlaufschwierigkeiten und Prinzipienreiterei zu tun zu haben. "Ich habe ja Verständnis, dass bei der Umstellung der Entsorgung auch mal etwas nicht gleich funktioniert und sich erst einspielen muss", sagt Ebert.

Dass aber weder die Tonnen geleert noch die Säcke mitgenommen werden, empfindet man bei der Genossenschaft als Zumutung.

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Der Firma Kühl zugute halten muss man, dass es auch Schwierigkeiten bei der Information zu den Abholterminen gab. Im gedruckten Abfallkalender des Abfallzweckverbandes Oberes Elbtal (ZAOE) stehen teils andere Termine als auf dessen Internetseite. Das sorgte für zusätzliche Irritationen bei Vermietern und Grundstückseigentümern.

Nun hoffen alle auf den 29. Januar. Laut Online-Abfallkalender ist dann die nächste turnusmäßige Abholung der Gelben Tonnen geplant.

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