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Deutschlands einziger Klimastreik

Mit Maske stehen sie in Tharandt vor dem Rathaus - es ist die einzige Fridays-for-Future-Demo deutschlandweit. Warum die Aktivisten trotzdem auf die Straße gehen.

Demonstrieren unverdrossen für einen Wandel in der lokalen Klimapolitik: Tharandt for Future.
Demonstrieren unverdrossen für einen Wandel in der lokalen Klimapolitik: Tharandt for Future. © Norbert Millauer

Es ist Freitag, 12 Uhr. In Tharandt ist nicht viel los - außer am Rathaus. Dort steht Robin Vollhardt und hält ein Stück Kreide in der Hand. Gerade hat er drei große Vierecke auf den Platz gemalt. Sie sind 5  Meter lang sowie 2 Meter breit und stellen Parkplätze dar. So viel Platz brauche ein Auto. Was auf der Fläche stattdessen alles sein könnte, sollen sich die Demobesucher selber ausdenken.

Ungefähr 25 Leute sind am Freitag zum Klimastreik vor das Rathaus gekommen. Tharandt for Future fordert ein Umdenken in der Klimapolitik - bundesweit, aber auch im Landkreis. Eine Stunde haben sie sich Zeit genommen, ihren Protest kundzutun.

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Klimawandel auch in Corona-Zeiten

Die Redebeiträge der Demonstranten drehen sich um verschiedene klimapolitische Themen. "Wir müssen uns klar werden, dass es momentan zwei Krisen  gibt: die Corona-Krise und die Klimakrise", erklärt Robin, deshalb gehe er auch in der Corona-Zeit mit Maske auf die Straße. Gekommen sind zur Demo nicht nur Tharandter, sondern auch die Ortsgruppe aus Freiberg und eine Bürgerinitiative aus Ottendorf-Okrilla. 

Dort plant das Kieswerk, seinen Tagebau zu erweitern. Dafür muss ein Wald abgeholzt werden. Eine Bürgerbewegung hat gegen die Rodung eine Petition gestartet. Sie befürchtet ein Austrocknen der umliegenden Moore.

Themen sind seit Jahren die gleichen

"Das hatten wir auch schon vor 30 Jahren. Schon damals wussten wir um den Klimawandel. Die Themen sind die gleichen geblieben. Passiert ist seitdem zu wenig", erklärt Milana Müller. Sie ist Mitte 50, Stadträtin (Grün der Zeit) und bei Tharandt for Future aktiv, weil sie will, das sich was in der Klimapolitik ändert - auch auf kommunalpolitischer Ebene.  

Forderungen an die Stadt Tharandt

So müsse das Klimathema auch beim Bauen berücksichtigt werden - von ökologischen Rohstoffen bis hin zur Solarenergie. Hanna Geist, ebenfalls aus Tharandt, fügt hinzu: mehr ÖPNV, eine fahrradfreundliche Stadt und biologisch erzeugtes Essen an städtischen Kitas sowie Schulen. "Klimaschutz ist Daseinsvorsorge", sagt sie. 

Keine Schüler auf dem Streik

Hanna Geist und Milana Müller sind beide schon längst erwachsen, und auch sonst sind die Demobesucher zwischen 20 und 60 Jahre alt. Schüler und Schülerinnen fehlen ganz. Trotzdem kein Grund für die Klimaaktivisten, nicht auf die Straße zu gehen. "Viele Schüler wollen lieber auf die großen Demos in Dresden", erklärt Paula Sinapius. 

In Tharandt findet dieses Mal laut Fridays-for-Future-Webseite die einzige Klima-Demo deutschlandweit statt. Die Tharandter selbst interessiert das allerdings wenig. Fast niemand kommt am Rathaus vorbei, nur die Autofahrer schauen kurz zu der bunten Menge herüber. Die Gruppe Tharandt for Future wünscht sich mehr Interesse bei den Bürgern. Doch Paula Sinapius bleibt optimistisch. Greta habe auch lange allein gestreikt und trotzdem viel bewirkt.

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Neben den einmal im Monat stattfindenden Demos veranstaltet Tharandt for Future auch Diskussionsveranstaltungen. Am 7. Dezember soll es ein offenes Gespräch unter dem Motto "Tharandt macht" geben. Das Thema dreht sich um Formen der Bürgerbeteiligung. Derzeit ist es von 18 bis 21 Uhr in der Kuppelhalle Tharandt geplant. Anmelden können sich alle Interessierten per E-Mail.

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