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Zeckenstiche werden häufiger – und gefährlicher

Mit der Corona-Pandemie steigen die Fallzahlen von Zeckenbissen auch in Sachsen. Neue Arten und Risikogebiete kommen hinzu.

Noch sucht sich die Zecke auf der Haut eine Einstichstelle. Ein Stich kann mit FSME oder mit Borreliose infizieren.
Noch sucht sich die Zecke auf der Haut eine Einstichstelle. Ein Stich kann mit FSME oder mit Borreliose infizieren. © dpa/Patrick Pleul

Stuttgart. Durch Corona zieht es mehr Menschen in die Natur. Das ist gut, birgt aber auch Gefahren. Denn im Freien kommen sie intensiver mit Zecken in Kontakt. Gefährliche Erkrankungen, wie die Frühsommermeningoenzephalitis (FSME) und die Borreliose sind in vielen Regionen Deutschlands angestiegen. „So gab es in Deutschland im letzten Jahr 705 FSME-Fälle. So viele wie nie, seit diese Krankheit vor 20 Jahren meldepflichtig wurde“, sagt Professorin Ute Mackenstedt von der Universität Hohenheim bei Stuttgart. 2019 waren es noch 443 Fälle. Auch Sachsen registriert eine Zunahme: von 27 im Jahr 2019 auf 31 im letzten Jahr.

Parasitologen, wie Ute Mackenstedt, sehen aber auch im Klimawandel einen Grund für die steigenden Zahlen. „Da Zecken bei Temperaturen ab etwa sieben Grad aktiv sind, finden sie in Deutschland immer bessere Überlebensbedingungen.“ Es gebe kaum noch Zeiträume im Jahr, die zeckenfrei seien. Und die Spinnentiere breiteten sich weiter gen Norden aus. Die Hotspots in Bayern und Baden-Württemberg gebe es zwar noch immer, doch viele Erkrankungsmeldungen kommen auch aus nördlichen Bundesländern.

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Mehr Zecken mit FSME infiziert

Die Wissenschaftler haben aber auch eine andere Entdeckung gemacht, die sie verunsichert: „Waren in den letzten Jahren etwa nur zwei Prozent der Zecken mit FSME infiziert, sind es heute schon fünf Prozent“, sagt Professor Gerhard Dobler, Mikrobiologe und Leiter des Konsiliarlabors für FSME in Deutschland. 15 Prozent der Zecken seien mit Borrelien behaftet, auch da gebe es eine Zunahme. Das ließe sich aber nicht allein mit dem Klimawandel erklären. „Hier ist noch viel Forschung nötig“, so der Mikrobiologe.

© FP-Grafik/Ariane Bühner

Zahlen über die Verbreitung der Borreliose liegen für ganz Deutschland nicht vor, da die Krankheit nicht in allen Bundesländern meldepflichtig ist. In Sachsen wurden im letzten Jahr knapp 1.800 Borreliosefälle registriert. Ein Jahr zuvor waren es 2.300. „Die Diagnostik ist oft kompliziert, weshalb auch von einer hohen Dunkelziffer auszugehen ist“, sagt Dobler. Bei der Borreliose ist eine Behandlung mit Antibiotika möglich. Die Borrelien befallen vor allem das Nervensystem und die Gelenke.

Antibiotika helfen gegen FSME nicht, denn diese Form der Hirnhautentzündung wird durch Viren ausgelöst. Die Krankheit kann mit Lähmungen und Beeinträchtigungen des Nervensystems einhergehen, im schlimmsten Fall sogar tödlich enden. Schutz bietet nur eine Impfung.

Riesenzecke in Sachsen noch nicht gesichtet

Die in Sachsen am häufigsten vorkommende Zeckenart ist der gemeine Holzbock. Doch auch die Auwaldzecken breiten sich immer mehr aus. „Im letzten Jahr ist uns erstmals eine Auwaldzecke aus Sachsen eingeschickt worden, in der wir FSME nachweisen konnten“, so Mackenstedt. „Obwohl diese Zeckenart den Menschen seltener befällt als Tiere, spielt sie für die Übertragung von FSME und Borreliose eine große Rolle.“ Die vor wenigen Jahren in Deutschland neu entdeckte Riesenzecke Hyalomma hingegen wurde in Sachsen noch nicht nachgewiesen. Sie stamme aus tropischen Gefilden und könnte durch Zugvögel eingeschleppt worden sein. Die Hyalomma überträgt malariaähnliche Erkrankungen – auch auf Menschen. In Bezug auf FSME und Borreliose spiele sie den Wissenschaftlern zufolge keine Rolle.

Obwohl Zecken kaum natürliche Feinde haben, ist ein Schutz vor Stichen und Erkrankungen möglich. „Die Tiere leben auf Wiesen und niedrigen Pflanzen – etwa in einer Höhe von 50 Zentimetern, wo sie leicht im Vorbeigehen abgestreift werden können“, sagt Gerhard Dobler. Deshalb sollte man im Wald und auf Wiesen immer lange Hosen tragen. „Am besten, man stopft sie sich in die Socken, so kommen die Tiere nur schwer an die begehrten Hautflächen.“ Nach dem Aufenthalt empfiehlt er, den Körper, zum Beispiel vor dem Duschen, nach Zecken abzusuchen. „Sie sitzen am liebsten an Stellen mit dünner und schweißfeuchter Haut, etwa Armbeugen und Kniekehlen.

Zügiges Entfernen ist wichtig

Auch wenn sich eine Zecke bereits festgesaugt hat, muss es noch nicht zu einer Infektion gekommen sein. Wie Dr. Rainer Oehme vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg sagt, geben borreliose-infizierte Tiere ihre Bakterien erst etwa zwölf Stunden nach dem Stich ab. Bei FSME gelangten die Erreger zwar sofort in die Blutbahn, doch die Viruslast sei am Anfang noch gering. „Ein zügiges und vollständiges Entfernen ist deshalb wichtig.“ Am besten gelinge das mit einer Zeckenzange oder Zeckenkarte, die es zum Beispiel in Apotheken gibt. Sei das nicht zur Hand, wäre es besser, die Zecke mit den Fingernägeln herauszuziehen, als bis zum nächsten Tag auf den Arzt zu warten.

Der effektivste Schutz ist aber eine Impfung. Sie schützt allerdings nur vor FSME, nicht vor Borreliose.

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Für Ihre Forschung bittet die Uni Hohenheim um die Zusendung von Zecken. Festgesogene Zecken entfernen und in kleinen, fest verschlossenen Behältern zusammen mit einem Grashalm aufbewahren, damit die Zecke nicht austrocknet. Wichtig ist der Vermerk von Fundort und Datum.

Postversand an: Universität Hohenheim, Fachgebiet für Parasitologie, Emil-Wolff-Straße 34, 70599 Stuttgart.

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