merken
PLUS Görlitz

Parken wird in Görlitzer Innenstadt teurer

Auf ein paar Straßen in Görlitz kann jeder kostenlos parken. Allerdings finden das die Anwohner nicht immer gut. Nun ändert die Stadt die Regeln.

Vielleicht doch lieber mit Bus in die Stadt? Kein Platz frei auf der Bautzener Straße.
Vielleicht doch lieber mit Bus in die Stadt? Kein Platz frei auf der Bautzener Straße. © André Schulze

Eine Suchrunde ist das Minimum. Und manchmal bleibt nur das Parkhaus: Wenn sich trotz mehrerer Suchfahrten über die Görlitzer Emmerichstraße und im Umkreis kein Platz finden lässt. So hatte vor Kurzem ein Anwohner das Problem auf der Emmerichstraße geschildert. Sie gehört zu den wenigen Straßen in der Innenstadt, auf denen freies Parken gilt. Aber nicht im wörtlichen Sinne: Einen freien Platz zum Parken finde man mit Glück in einem bestimmten Zeitfenster am Nachmittag, „aber sonst ist hier immer alles rappeldickevoll“, erzählte der Anwohner.

Wo soll es Veränderungen beim Parken geben? 

Bauen und Wohnen
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?

Hier finden Sie alles, was Sie fürs Sanieren, Renovieren oder Bauen Ihrer eigenen vier Wände brauchen.

Bald soll es Erleichterung für die Innenstadt-Bewohner mit Auto geben. An drei Stellen plant die Stadt, die Parkregelungen zu verändern. Drei Stellen, an denen bisher jeder sein Auto kostenfrei und ohne Anwohnerparkausweis abstellen konnte: die Emmerichstraße zwischen Augusta- und Konsulstraße, die Bahnhofstraße zwischen Konsul- und Jakobstraße und die Bautzener Straße zwischen Landeskron- und Mittelstraße. Im Technischen Ausschuss sind die neuen Planungen vorgestellt worden.

Warum werden die Regelungen verändert?

Anwohner der Augustastraße etwa können sich einen Anwohnerparkausweis kaufen, ebenso die Anwohner der Konsulstraße. Die Bewohner der Emmerichstraße dazwischen dagegen nicht: Die Straße gehört, so ist es auch bei Bahnhof- und Bautzener Straße, zu keiner Anwohnerparkzone. Heißt, wenn Bewohner dort keinen freien Platz finden, können sie ihr Auto auch nicht einfach auf die benachbarte Konsulstraße stellen, zumindest nicht lange: Dort gilt Anwohner- und Kurzzeitparken. Und auf der Augustastraße gilt Anwohner- und gebührenpflichtiges Parken. Mancher Vermieter soll an der Emmerichstraße selbst für mehr Kapazitäten gesorgt haben, in den Hinterhöfen. „Das ist eine Ungleichbehandlung, die wir aufheben möchten“, sagt Jens Kunstmann, Verkehrsplaner der Stadt Görlitz. Vermehrt hätten Anwohner der betroffenen drei Straßen auch nachgefragt, erzählt er. Regelmäßig werde zudem überprüft, wie viele Anwohner und Pkw in bestimmten Bereichen gemeldet und ob Änderungen nötig sind.

Wo liegen die Schwierigkeiten? 

Was Anwohner freut, macht Berufspendlern vielleicht eher Sorgen. Das Dilemma liegt in den vielen verschiedenen Interessenlagen. „Das ist kein Görlitz-spezifisches Phänomen“, sagt Jens Kunstmann. Aber auch in der Görlitzer Innenstadt gibt es neben den Anwohnern Geschäftsinhaber, die ihren Kunden gerne Parkplätze in der Nähe anbieten würden. Es gibt weitere Einrichtungen, die Mitarbeiter haben – die fußläufig zum Arbeitsplatz ihr Auto abstellen möchten. Gerade die Bautzener Straße, nahe am Zentrum, wird gern genutzt von Pendlern. Auf der Bahnhofstraße ist beispielsweise das Landratsamt mit vielen Mitarbeiten und Besuchen. Für sie soll bei der Landratsamts-Erweiterung eine Tiefgarage entstehen, aber das dauert noch. Ein Berufspendler, der als Dolmetscher oft an ganz verschiedenen Orten in der Stadt zu tun hat, erzählte kürzlich der SZ, wie froh er ist, wenn er mal einen kostenfreien Platz findet. Fünf, sechs Parkeuro pro Tag, das sei keine Seltenheit. Die SZ hatte ihn an der Bahnhofstraße getroffen: Er hofft, dass dort wenigstens Kurzzeitparken für alle möglich bleibt. Auf der anderen Seite haben es Anwohner gerade auf Bahnhof- und Emmerichstraße schwer, auszuweichen, „und im Süden ist die Bahnstrecke, das ist auch schwierig“, erklärt Jens Kunstmann. „Wessen Interessen will man da höher gewichten? Es geht nur mit Kompromissen.“

Wie sieht nun die Lösung für die Emmerichstraße aus?

Ein Kompromiss ist die neue Regelung auf der Emmerichstraße. Kommt man von der Augustastraße, soll der rechte Seitenstreifen zum reinen Anwohnerparken werden. Auf der linken Seite bleibt, wie bisher, freies Parken. Mit dem Anwohnerparkschein WP können die Bewohner ihre Autos dann auch auf der Augusta- oder Konsulstraße abstellen. Ein Parkausweis kostet in Görlitz pro Jahr 30 Euro. Allerdings, eine Garantie auf einen Stellplatz ist nicht inklusive.

Bahnhofstraße: Wer der Glückliche wohl ist, der diesen freien, kostenlosen Parkplatz findet? Davon gibt es in Görlitz nicht mehr viele.
Bahnhofstraße: Wer der Glückliche wohl ist, der diesen freien, kostenlosen Parkplatz findet? Davon gibt es in Görlitz nicht mehr viele. © André Schulze

Wie sieht die Regelung für die Bahnhofstraße aus?

Auch die Bewohner der Bahnhofstraße können einen Ausweis für den Bereich WP beantragen. Und auch hier gibt es einen Kompromiss: Für den Bereich zwischen den Hausnummern 34 und 41 sind 15 Stellplätze für Kurzzeit- und Bewohnerparken angedacht. Zwischen den Hausnummern 42 und 50 sollen 23 Stellplätze ausschließlich den Bewohnern zur Verfügung stehen.

Wie sieht die Regelung für die Bautzener Straße aus?

Komplizierter ist es auf der Bautzener Straße zwischen Landeskron- und Mittelstraße: Westlich schließt sich der Parkbereich LP an, östlich der Parkbereich BP. Beide sollen ein bisschen größer werden. Das Stück zwischen den Häusern 54 bis 44 soll der Parkzone BP zugeordnet werden, die Bautzener Straße 43 bis 37 der LP-Zone, die etwa auch auf der angrenzenden Landeskronstraße gilt. Die Bewohner in diesem kleinen, neuen LP-Stück sollen wählen können, welchen Parkausweis sie möchten. So sollen auf der Bautzener Straße zwischen Landeskron- und Brunnenstraße 33 reine Anwohnerparkplätze entstehen. Weiter Richtung Osten, aber damit auch weiter vom Zentrum weg, kann man weiter frei parken.

Ab wann gelten die Regelungen?

Im Technischen Ausschuss wurde noch kein Beschluss gefasst über die Regelungen. Aber vorgesehen ist, dass sie bis zum Jahresende umgesetzt werden. Zunächst soll dann beobachtet werden, ob sie angenommen werden, oder viele Anwohnerplätze frei bleiben. Sollte sich herausstellen, dass die Bedürfnisse doch anders sind, lasse sich auch umsteuern, so Kunstmann.

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier. 

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier. 

Mehr zum Thema Görlitz