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Riesengebirge: Sorge vor nächstem Ansturm

Im vergangenen Jahr stürmten Tausende den Gipfel der Schneekoppe. Um die Natur zu schützen, gibt es nun Zäune.

Völkerwanderung zur Schneekoppe – das sorgte letztes Jahr für Schlagzeilen im Riesengebirge und darüber hinaus.
Völkerwanderung zur Schneekoppe – das sorgte letztes Jahr für Schlagzeilen im Riesengebirge und darüber hinaus. © privat

Blauer Himmel, ein paar Wölkchen. Der Blick geht ins Weite – das Riesengebirge, das Hirschberger Tal. Es sind verlockende Bilder, die eine Webkamera bietet. Noch scheint die Zahl der Wanderer in der sensiblen Naturregion danach überschaubar. Zu zweit meist bewegen sie sich klein wie Ameisen aus der Vogelperspektive dieser Webcam durch den Nationalpark.

Doch damit könnte es bald vorbei sein. Vor allem an den Wochenenden erwarten die Hüter des Parks Besuchermassen, die vor allem den höchsten Riesengebirgsgipfel, die Schneekoppe, ansteuern. Befeuert von Bildern im Internet machten sich im vergangenen Jahr an manchen Tagen zehntausende Menschen auf den Weg dorthin. Mitunter stauten sich die Leute. Nicht alle hielten sich an die Vorschriften zum Schutz der Natur, beklagte die Nationalparkverwaltung.

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Schon 2020 haben die Mitarbeiter der Parkverwaltungen und ehrenamtliche Helfer auf tschechischer und polnischer Seite darum Netze gezogen, um empfindliche Bereiche zu schützen. Regionalen Onlinemedien zufolge wurde auch 2021 wieder knapp ein Kilometer Schutznetze angebracht um das Ökosystem nahe der Schneekoppe sowie im Umfeld der Baude Dom Śl¹ski (Schlesierhaus) zu sichern. Denn in den ersten Monaten dieses Jahres seien erneut viele Gäste außerhalb der beschilderten Wanderwege angetroffen worden, um sich dort ohne Rücksicht auf die sensible Vegetation aufzuhalten, wie der stellvertretende Nationalparkdirektor sagte. Unterstützt von Polizeibeamten werde der Park-Sicherheitsdienst in der Sommersaison vor Ort unterwegs sein, um für die Einhaltung der Regeln zu sorgen.

Die Belastung der Schneekoppe werde nicht nur an einzelnen Spitzentagen deutlich. Schon die „normalen“ Besucherzahlen zeigen den Andrang. So werden hier auf tschechischer Seite in der Sommersaison täglich zwischen 8.000 und 9.000 Personen gezählt. Hinzu kommen 2.000 Besucher, die mit der Seilbahn den Gipfel „erklimmen“. Der tschechische Nationalpark hat in dieser Saison einen Flyer herausgegeben, in dem appelliert wird, sich „als Besucher wie als Gast bei besten Freunden zu verhalten“. Die Naturschützer erklären zudem, dass die Vegetationszeit auf der Schneekoppe sehr kurz ist und das eine Erholung zerstörter Flächen dort dreimal länger dauere als anderswo. Ausflügler sollen nur auf gekennzeichneten Wegen laufen und Hunde immer an der Leine führen, anderenfalls könnten sie zur Gefahr für andere Besucher und Wildtiere werden. Wanderer sollen auch keine Steine aufheben. Denn die hiesigen Geröllsteine weisen eine spezifische Struktur auf, die durch Frost und Wasser seit 10.000 Jahren gestaltet werde. Auch das Bauen von Steinfiguren und „Kunstwerken“ soll unterbleiben.

Seilbahnpreise steigen im Sommer

Auch Tiere brauchen besondere Schutzbereiche und -zeiten. So waren auf polnischer Seite zuletzt mehrere Wanderwege wegen der Birkhuhn-Balz gesperrt. Diese ist aber nun vorbei. Insgesamt leben rund 200 Vogelarten dauerhaft oder zeitweilig in der Gebirgsregion. Es gebe auch rund 320 Wirbeltiere. Hinzu kommen rund 15.000 Wirbellose. Man finde seltene und bedrohte Arten wie die Haselmaus und den streng geschützten Roten Apollofalter. Für ihn läuft auf polnischer Seite ein Zucht- und Wiederansiedlungsprogramm. So meldete Park-Mitarbeiter Roman Ropalla kürzlich, dass 7.000 Raupen geschlüpft seien. „Für uns ist das ein Rekordjahr.“ 2016 habe man mit 350 Eiern begonnen, nach dem Raupenstadium schlüpften 34 Falter. Dem jetzigen Erfolg sei die Aufzucht von etwa 1.000 Faltern vorausgegangen.

Eine „Methode“, um Besucherzahlen zu steuern sind höhere Eintrittspreise. So müssen Gäste des tschechischen Nationalparks in den Ferienmonaten bei Fahrten mit der Seilbahn auf die Schneekoppe mehr für die Tickets zahlen. Zurzeit betrage der Fahrpreis für eine Hin- und Rückfahrt 430 Kronen, etwa 17 Euro, im Juli und August werden 560 Kronen, also rund 22 Euro verlangt, bestätigt Seilbahnleiter Jiøí Špetla. Nach den Ferien werde der Preis reduziert und auf 470 Kronen, etwa 19 Euro, für die Hin- und Rückfahrt festgelegt.

Man sei damit aber nicht der teuerste Anbieter im Land. Nach Auskunft des Betreibers seien die Fahrpreise seit vier Jahren nicht verändert worden. Grund für die Steigerung sind vor allem die mit der Corona-Pandemie und den Schließungen verbundenen Ausfälle. Die Einnahmen seien um 30 Prozent zurückgegangen. Nutzten im Jahr 2019 noch knapp 312.000 Besucher die Seilbahn, seien es 2020 nicht ganz 231.000 Gäste gewesen, die sich von der Talstation in Pec pod Snìžkou (Petzer) auf den 1.602 Meter hohen Gipfel befördern ließen. Im ersten Halbjahr 2021 sollen bislang 18.790 Ausflügler erfasst worden sein. Die Seilbahn fährt täglich zwischen 8 bis 19 Uhr, wenn die Windgeschwindigkeit nicht höher als 60 Kilometer pro Stunden ist.

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