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Wo der Ärztemangel in Görlitz zu spüren ist

Nord und Süd, Königshufen und Hagenwerder, haben viel gemeinsam: Die Menschen wohnen dort gern. Aber sie haben auch ein ähnliches Problem.

Im September war Jahrmarkt in Königshufen. Insgesamt ist das Wohngebiet gar nicht mehr so unbeliebt.
Im September war Jahrmarkt in Königshufen. Insgesamt ist das Wohngebiet gar nicht mehr so unbeliebt. © Nikolai Schmidt

Königshufen ist Plattenbau. Der nördlichste Stadtteil von Görlitz wuchs vor allem während der DDR - mit den Plattenbauten. 6.000 Wohnungen entstanden zwischen Ende der 70er und Ende der 80er Jahre - die nach der politischen Wende schnell an Beliebtheit verloren. Und jetzt? "Ode an die Platte" titelte kürzlich Zeit online: Schlichtheit, Retro-Gefühl und Preis würden durchaus Studenten und junge Familien wieder anziehen. 

Wohnen punktet

Auch im Familienkompass schneidet das Wohnen in Königshufen gar nicht schlecht ab.  In die Auswertung zählen auch die Nachbarn aus den Ortsteilen Ludwigsdorf, Ober-Neundorf und Klingewalde, die wiederum deutlich anders geprägt sind: Viele Einfamilienhäuser und Höfe. Insgesamt 74 Prozent der Umfrage-Teilnehmer sagen, sie fühlen sich hier wohl, nur reichlich drei Prozent sehen es komplett anders. 

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Mit der ÖPNV-Anbindung etwa sind viele zufrieden. Und vor allem mit Wohnungsangebot und Mietpreisen. Über die Hälfte schätzt die Wohnkosten als niedrig ein, 41 Prozent dagegen finden sie zu teuer. 

Vergleichsweise viel im grünen Bereich liegt auch beim Thema Schule: Jeweils etwa die Hälfte der Teilnehmer aus dem Görlitzer Norden findet, dass ihr Kind gut gefördert wird, der Zustand der Gebäude in Ordnung ist, Eltern gut informiert werden. Und das, obwohl es um die Sanierung der Grund- und Förderschule Königshufen voriges und dieses Jahr großen Streit gab. 

In Görlitz-Königshufen wohnt es sich gut. Aber hier Arbeit zu finden, ist nicht leicht.
In Görlitz-Königshufen wohnt es sich gut. Aber hier Arbeit zu finden, ist nicht leicht. © SZ Grafik
Um die Schulsanierung in Königshufen gab es viel Streit. Insgesamt schneidet das Thema aber nicht schlecht ab.
Um die Schulsanierung in Königshufen gab es viel Streit. Insgesamt schneidet das Thema aber nicht schlecht ab. © SZ Grafik
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Bei der Familienpolitik geben die Umfrageteilnehmer in den nördlichen Ortsteilen gute Noten. Das ÖPNV-Angebot schneidet gut ab. 
Bei der Familienpolitik geben die Umfrageteilnehmer in den nördlichen Ortsteilen gute Noten. Das ÖPNV-Angebot schneidet gut ab.  © SZ Grafik
Im Norden wie in ganz Görlitz: Ärztemangel ist immer wieder Thema. 
Im Norden wie in ganz Görlitz: Ärztemangel ist immer wieder Thema.  © SZ Grafik
Sauberere Spielplätze würden sich die Familien im Görlitzer Norden wünschen. Ansonsten sind sie mit den Wohnbedingungen recht zufrieden. 
Sauberere Spielplätze würden sich die Familien im Görlitzer Norden wünschen. Ansonsten sind sie mit den Wohnbedingungen recht zufrieden.  © SZ Grafik
Im Norden von Görlitz scheinen die Menschen etwas zufriedener zu sein mit ihrer Arbeitssituation als etwa in Hagenwerder oder Tauchritz. Dennoch: Die Zukunftschancen für die Kinder sehen über zwei Drittel nicht positiv. 
Im Norden von Görlitz scheinen die Menschen etwas zufriedener zu sein mit ihrer Arbeitssituation als etwa in Hagenwerder oder Tauchritz. Dennoch: Die Zukunftschancen für die Kinder sehen über zwei Drittel nicht positiv.  © SZ Grafik

Arbeitssuche? Schwierig

Und dennoch, viele Königshufener, Ludwigsdorfer und Klingewalder - 71 Prozent - sehen keine guten Zukunftschancen für ihre Kinder. Nur ein sehr kleiner Teil bewertet sie positiv. Ähnlich ist es bei den Stadt- und Ortsteilen weiter im Westen bis Süden: Schlauroth, Kunnerwitz, Weinhübel, Hagenwerder bis Tauchritz. 73 Prozent sehen hier keine guten Zukunftschancen. Das kann an der Teilnehmerstruktur bei der Umfrage liegen, falls sich beispielsweise viele Senioren beteiligt haben: Tendenziell, zeigen Umfragen immer wieder, beantworten Ältere Zukunftsfragen weniger positiv als Jüngere. 

Es könnte aber auch an der eigenen beruflichen Lage liegen. Hier zeigt sich sowohl bei den Stadt- und Ortsteilen im Norden wie auch im Süden viel rot. Zwar sind die Arbeitnehmer sehr zufrieden mit kurzen Arbeitswegen. Etwa die Hälfte sagt, ihre Arbeit sei sicher. Aber einen Job überhaupt zu finden - sei nicht leicht. Und 45 Prozent im Norden und über die Hälfte im Süden sehen ihre Arbeit nicht angemessen bezahlt. 

In den Ortsteilen von Schlauroth bis in den Süden nach Hagenwerder und  Tauchritz wohnen die Menschen zwar auch gern, sie hätten aber gern mehr Ärzte. 
In den Ortsteilen von Schlauroth bis in den Süden nach Hagenwerder und  Tauchritz wohnen die Menschen zwar auch gern, sie hätten aber gern mehr Ärzte.  © SZ Grafik
Über 70 Prozent der Umfrage-Teilnehmer in den westlichen und südlichen Ortsteilen von Görlitz sehen keine guten Zukunftschancen für ihre Kinder. Das ist pessimistischer als im sächsischen Schnitt. 
Über 70 Prozent der Umfrage-Teilnehmer in den westlichen und südlichen Ortsteilen von Görlitz sehen keine guten Zukunftschancen für ihre Kinder. Das ist pessimistischer als im sächsischen Schnitt.  © SZ Grafik
Ein großes Problem in ganz Görlitz und auch in den südlichen Ortsteilen: Ärztemangel. Über die Hälfte wünschen sich mehr Kinderärzte, zwei Drittel finden, es gibt nicht genügend Hausärzte, noch mehr sehen einen Fachärztemangel. 
Ein großes Problem in ganz Görlitz und auch in den südlichen Ortsteilen: Ärztemangel. Über die Hälfte wünschen sich mehr Kinderärzte, zwei Drittel finden, es gibt nicht genügend Hausärzte, noch mehr sehen einen Fachärztemangel.  © SZ Grafik
Zufrieden sind die Menschen in den südlichen Ortsteilen mit den Kitas, zum Beispiel mit der Förderung ihrer Kinder. 
Zufrieden sind die Menschen in den südlichen Ortsteilen mit den Kitas, zum Beispiel mit der Förderung ihrer Kinder.  © SZ Grafik
Bei der Zufriedenheit mit den Schulen liegen die westlichen und südlichen Ortsteile von Görlitz etwa im Sachsen-Schnitt. Mobbing ist immer wieder ein Thema, das viele beunruhigt. 
Bei der Zufriedenheit mit den Schulen liegen die westlichen und südlichen Ortsteile von Görlitz etwa im Sachsen-Schnitt. Mobbing ist immer wieder ein Thema, das viele beunruhigt.  © SZ Grafik
Freizeit- und Vereinsangebote könnten mehr sein. Mit dem ÖPNV sind die Menschen in den Görlitzer Ortsteilen dagegen recht zufrieden. 
Freizeit- und Vereinsangebote könnten mehr sein. Mit dem ÖPNV sind die Menschen in den Görlitzer Ortsteilen dagegen recht zufrieden.  © SZ Grafik
Beim Wohnangebot und den Wohnkosten sind die Menschen von Schlauroth bis Tauchritz recht zufrieden. 
Beim Wohnangebot und den Wohnkosten sind die Menschen von Schlauroth bis Tauchritz recht zufrieden.  © SZ Grafik

Viele wünschen sich mehr Ärzte

Was Nord und Süd ebenfalls verbindet: eine große Unzufriedenheit mit der ärztlichen Situation. Das ist in Görlitz kein neues Thema, in Alt- oder Innenstadt sehen die Zahlen nicht viel besser aus. Schnelle Arzttermine? Im Süden, also von Schlauroth bis Tauchritz, beantworten sogar 80 Prozent der Teilnehmer diese Frage negativ. 

Was die Menschen im Süden dagegen überdurchschnittlich gut bewerten ist die Qualität an den Kitas. Mit den Öffnungszeiten scheinen viele nicht glücklich zu sein - mit Schichtarbeit seien sie schwer zu vereinbaren. Aber mit den Erziehern, der Förderung der Kinder, der Kitaausstattung sind besonders viele zufrieden. ebenso mit dem Wohnen. Vielleicht liegt es ja an den Plattenbauten - Weinhübel hat auch welche. 

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