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„Jetzt haben wir eine Stimme im ganzen Freistaat“

In Chemnitz hat sich ein Landesverband Industriekultur gegründet. Gleich zwei Vertreter aus dem Landkreis Görlitz wurden in den Vorstand gewählt.

Von Ingo Kramer
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Daniel Breutmann (44) vom Verein „goerlitz21“ wurde in den Vorstand des Landesverbandes Industriekultur Sachsen gewählt.
Daniel Breutmann (44) vom Verein „goerlitz21“ wurde in den Vorstand des Landesverbandes Industriekultur Sachsen gewählt. © Archivfoto: Pawel Sosnowski

Herr Breutmann, Sie waren bei der Gründung des Landesverbandes Industriekultur Sachsen dabei und wurden gleich in den Vorstand gewählt. Was bedeutet das für Ihre Arbeit in Görlitz?

Die Gründung bringt eine starke Stimme für die Interessen und Akteure der Industriekultur im ganzen Freistaat. Und: Neben mir wurde auch Anja Nixdorf-Munkwitz von der Stiftung Kraftwerk Hirschfelde in den Vorstand gewählt. Zwei der sieben Vorstände kommen also aus dem Landkreis Görlitz.

Industriekultur hört sich nach der Erforschung alter Fabriken an?

Auch. Aber Industriekultur ist heute nicht mehr nur das Objektbezogene. Es geht auch um den größeren Kontext, zum Beispiel das Entstehen von Werkssiedlungen sowie das Vermitteln von Fähigkeiten und Kenntnissen zu den Lebensverhältnissen jeweils in ihrer Zeit, die nicht verloren gehen sollen. Und es geht um Digitalisierung von Unterlagen, sowie die Nachnutzung von Gebäuden, die einst im Industriezeitalter gewachsen sind.

Was kann ein Landesverband dabei konkret erreichen?

Er kann eine starke Stimme sein gegenüber der Politik, aber auch Fördermittelgebern und Einrichtungen, die den Tourismus koordinieren. Schon im Landkreis Görlitz sieht sich keiner so richtig für Industriekultur verantwortlich. Da fühlt man sich alleingelassen. Wir hätten gern je einen Ansprechpartner beim Landkreis und der Stadtverwaltung. Parallel kann ein Landesverband verzahnen und Kräfte bündeln.

Vor welchen Herausforderungen stehen Vereine wie ihr eigener?

Die Probleme der Akteure sind immer die gleichen. Es geht darum, Nachwuchs zu finden, aber auch niederschwellige Fördermöglichkeiten für Projekte. Und es geht um Digitalisierung – also die Frage, wie Dokumente und Bestände digitalisiert werden, sodass sie für alle einsichtig sind. Mit einer Anbindung auf Landesebene – also einem Ministerium, das auf unserer Seite steht – kann da viel passieren. Andererseits müssen aber auch die Vereine selbst aktiv sein und nicht nur darauf warten, dass jemand auf sie zukommt.

Hat der Landesverband ein Budget?

Mitgliedsbeiträge und perspektivisch Fördermitgliedschaften werden allein nicht ausreichen. Ziel sollte es daher sein, dass der Verband Gelder einwirbt oder vom Freistaat bekommt. Wir sollten selbst über finanzielle Möglichkeiten verfügen, um Projekte zu initiieren und anzuschieben. Ich bin selbst gespannt, was der Landesverband zuerst unternehmen wird.

Der Landesverband muss noch einen Vorsitzenden wählen. Stehen Sie dafür zur Verfügung?

Ausschließen würde ich es nicht. Aber: Andere Vorstandsmitglieder sind hauptamtlich in dem Bereich tätig, ich nur im Ehrenamt im Verein. Das spräche wohl eher für einen der anderen Vorstände.