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Gastronomen trotz Corona sehr entspannt

Die Stadt Görlitz erlässt den Wirten Gebühren für Außensitze. Die freuen sich. Und haben auch sonst Grund für Optimismus.

So voll waren die Außensitze von N13, Casa Nova und La Habana Bar am Untermarkt in Görlitz im Juni 2019. Die Wirte hoffen, dass es bald wieder so aussieht.
So voll waren die Außensitze von N13, Casa Nova und La Habana Bar am Untermarkt in Görlitz im Juni 2019. Die Wirte hoffen, dass es bald wieder so aussieht. © nikolaischmidt.de

Bei Robert Meinecke ging es ganz fix. „Binnen einer Woche habe ich meinen Abschlag für die staatliche Überbrückungshilfe III bekommen“, freut sich der Inhaber des Lokals N13 auf dem Görlitzer Untermarkt. Abschlag heißt: Er hat 50 Prozent von dem bekommen, was er zur Deckung seiner Fixkosten voraussichtlich erhalten wird – und das schon für das komplette erste Halbjahr, also bis Juni. „Von daher bin ich momentan recht entspannt“, sagt er.

Robert Meinecke betreibt das Lokal N13 am Untermarkt. Er hat schon Überbrückungshilfen für 2021 bekommen und ist auch deshalb recht zuversichtlich.
Robert Meinecke betreibt das Lokal N13 am Untermarkt. Er hat schon Überbrückungshilfen für 2021 bekommen und ist auch deshalb recht zuversichtlich. © nikolaischmidt.de

Seit Donnerstagabend haben Meinecke und viele andere Gastronomen in Görlitz einen weiteren Grund zur Freude: Der Stadtrat hat einstimmig beschlossen, dass die Stadt dieses Jahr keine Sondernutzungsgebühren für das Aufstellen von Tischen und Stühlen auf Gehwegen und Straßen erhebt. Das gilt bis zum Jahresende. Damit will die Stadt die Gastronomen in der schwierigen Zeit der Corona-Pandemie entlasten. „Voriges Jahr wurde das gut genutzt und ich denke, dass auch dieses Jahr viele darauf zurückgreifen werden“, sagte OB Octavian Ursu im Stadtrat.

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Die Frage ist nur: Nutzt das überhaupt noch allen Gastronomen etwas? Oder sind einige aufgrund der Corona-Situation und der langanhaltenden Schließung mittlerweile am Ende, sodass sie nach dem Lockdown gar nicht wieder aufmachen werden? „Ich weiß von niemandem, dass er deshalb schließen muss“, sagt Meinecke. Allerdings habe er zumindest von ein bis zwei Lokalen gehört, bei denen sich die Lage inzwischen zuspitzt. Welche das sind, will er nicht sagen. Nur so viel: Es sind keine rund um den Untermarkt.

Keine großen Sorgen am Untermarkt

Das bestätigt auch Matthias Holfert, der am Untermarkt/Ecke Peterstraße mit dem St. Jonathan und dem Café Gloria gleich zwei Lokale betreibt: „Ich habe von keinem gehört, der schließen muss.“ In der Altstadt habe er viele Kontakte, etwa zu Ratscafé, Filetto, Casa Nova, Horschel oder zur Destille: „Von denen ist niemand in Schwierigkeiten“, sagt Holfert. Ein Hauptgrund in seinen Augen: „In Görlitz sind die Mieten recht verträglich, dadurch kommt es nicht so schnell zu Problemen.“ Zudem hätten viele im Jahr 2019 gut gewirtschaftet und deshalb 2020 auch gute November- und Dezemberhilfen vom Staat erhalten.

Bei ihm selbst sei das auch so gewesen. Die Überbrückungshilfe III für Januar bis Juni 2021 habe er noch gar nicht beantragt: „Aber ich weiß von anderen, dass sie das Geld binnen Tagen erhalten haben.“ Für seine Lokale sei er sehr entspannt. Im St. Jonathan hat er den Winter über einen Abholservice angeboten: „Das lief sehr gut.“ Jetzt hatte er zwei, drei Wochen zu, um in der Küche umzubauen und den Hof startklar zu machen: „Ab Gründonnerstag geht es mit dem Abholservice weiter.“ Natürlich würden alle Gastronomen in den Startlöchern stehen: „Wir wollen alle wieder richtig aufmachen und Gäste empfangen.“

Vermieter halbiert die Kaltmiete

Das bestätigt auch Mike Fey, der am Untermarkt die La Habana Bar betreibt: „Es wäre schön, wenn es endlich losginge.“ Die gute Nachricht über den Gebührenerlass hat er am Freitag vom OB höchstpersönlich erhalten: „Ich habe ihn beim Einkaufen getroffen.“ Für seine Bar ist Fey optimistisch. „Ich habe den Vorteil, dass ich als Soloselbstständiger keine Personalkosten habe.“ In der Saison beschäftige er nur Minijobber. Zudem sei sein Vermieter kulant und habe ihm die Kaltmiete halbiert. Die staatliche November- und Dezemberhilfe sei eingetroffen, wenngleich spät. Ab Januar habe er auch Geld beantragt, aber da sei bisher noch nichts angekommen. Insgesamt sei er also in einer ganz guten Lage: „Ich habe aber auch viel Mitgefühl mit allen, die nicht so viel Glück haben.“ Doch er weiß von keinem, der aufgeben muss.

Caféinhaber kümmert sich um Azubi

Auch Enrico Walkstein vom Café Flair in der Brüderstraße hat von niemandem gehört: „Allerdings habe ich in Pandemie-Zeiten auch nicht viele Kontakte.“ Für sein eigenes Lokal ist er optimistisch: Die November- und Dezemberhilfe ist mit Zeitverzug geflossen, seine beiden Festangestellten halten zu ihm, sie sind in Kurzarbeit und erhalten 80 Prozent ihrer Bezüge. Walkstein als Selbstständiger kann keine Kurzarbeit beantragen, höchstens Hartz IV: „Aber so weit ist es zum Glück noch nicht“, sagt er. Im Moment kümmert er sich um seinen Azubi, der ab Mai Abschlussprüfungen hat und den er gern halten möchte: „Ich habe ihn nicht in Kurzarbeit geschickt, sondern unterstütze ihn bei seinen Prüfungsvorbereitungen.“ Alles in allem sehe er die Lage nicht allzu verbissen. Das Wichtigste für ihn sei, dass bald wieder Tourismus möglich sein wird: „Allein von den Görlitzern könnten wir nicht leben.“

Enrico Walkstein (Mitte) bildet im Café Flair in der Brüderstraße den Lehrling Anoosh Masoudi (rechts) aus. Der hat bald Abschlussprüfungen, Walkstein hilft ihm bei den Vorbereitungen.
Enrico Walkstein (Mitte) bildet im Café Flair in der Brüderstraße den Lehrling Anoosh Masoudi (rechts) aus. Der hat bald Abschlussprüfungen, Walkstein hilft ihm bei den Vorbereitungen. © nikolaischmidt.de

Gerd Bürger vom Café 1900 am Obermarkt lebt ebenfalls von Touristen: „Deshalb ist der Winter für mich ohnehin schwierig.“ Wichtig sei, dass er im Sommer öffnen kann. „Für dieses Jahr bin ich zuversichtlich“, sagt Bürger. Er wisse aber, dass es vielen schlechter geht – vor allem den Gastronomen, die von Familienfeiern leben. „Allerdings habe ich von keinem gehört, dass er schließen muss“, sagt auch Bürger. Wie Walkstein hat auch er die November- und Dezemberhilfe erhalten, aber für 2021 noch nichts. Bürger hat keine Angestellten, das macht es jetzt einfacher.

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Selbst Robert Meinecke im N13 hat aktuell keine: „Alle Verträge sind zum Jahresende ausgelaufen.“ Der Großteil seiner Leute wird wiederkommen, wenn er wieder öffnen darf. „Aber ich habe noch Bedarf an Pauschalkräften für den Service“, sagt er. Das treibt ihn mehr um als die Corona-Lage: „Da können wir im Moment nur abwarten und dann schauen, unter welchen Bedingungen wir wieder öffnen dürfen.“

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