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Waschen wie zu Omas Zeiten

Heiderose Starke und ihr Mann trugen in Görlitz eine Ausstellung "Waschhaus 1930" zusammen. Jetzt suchen sie ein spezielles Exponat.

Reinhard und Heiderose Starke in der Wäscheausstellung. Die meisten der Objekte trugen sie selbst zusammen.
Reinhard und Heiderose Starke in der Wäscheausstellung. Die meisten der Objekte trugen sie selbst zusammen. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Montags war Waschtag. Zumindest um 1930 herum. Heiderose Starke und ihr Mann Reinhard wissen jetzt genau, warum. Die beiden Görlitzer beschäftigten sich vor einiger Zeit mit dem Thema Waschhaus und trugen zahlreiche Exponate für eine kleine Ausstellung zusammen. Jetzt suchen sie etwas ganz Spezielles.

Als die gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft Görlitz eG (GWG) vor ein paar Jahren ihr 110-jähriges Bestehen feierte, brachten sich die Mieter in das Jubiläum ein. Heiderose Starke und ihr Mann organisierten eine Ausstellung unter dem Titel "Waschhaus 1930". In jedem Haus gibt es ein Waschhaus, das von allen Mietern genutzt werden kann.

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Historische Wäsche hängt in der Wäscheausstellung. Heutzutage könnte es passieren, dass dieser Spruch einen Shitstorm verursacht.
Historische Wäsche hängt in der Wäscheausstellung. Heutzutage könnte es passieren, dass dieser Spruch einen Shitstorm verursacht. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Zinkwanne bekam plötzlich Beine

Die verschiedenen Maschinen, Geräte und Zubehör waren da zu finden: Holzbottich-Waschmaschinen, Zinkwannen, Waschbretter, Wäscherollen, Wäschemangeln, Wäschestampfer. Eine ganze Menge davon trug das Ehepaar Starke zusammen. Das meiste davon kam aus Beständen der eigenen Familien, aber auch der Hausmeisterservice Böhme spendierte ein paar Exponate.

Heiderose Starke war damals sehr froh, dass die GWG erlaubte, die Ausstellung in einer leer stehenden Wohnung Im Bogen 5 aufzubauen. "Da brauchten wir keine Regenvariante", erinnert sich die 79-Jährige. Regelrecht begeistert war sie, als die GWG ihr Einverständnis gab, dass die Ausstellung stehen bleiben soll und von Interessenten besichtigt werden kann. "Ich hätte auch gar nicht gewusst, wohin mit den Exponaten", sagt sie und erinnert sich schließlich daran, dass sie die Sachen wahrscheinlich nur an den Straßenrand hätte stellen müssen. "Als wir damals die Zinkwannen für den Transport am Straßenrand abgestellt hatten, bekam eine plötzlich Beine", erzählt sie. Der Interessent habe wohl gedacht, die Wannen sollten weg.

Familie Starke führte seither viele Besucher durch die Ausstellung, nachdem sich bei der Jubiläumsfeier Besucher die Klinke in die Hand gaben. Kita-Gruppen und Schulklassen waren da, auch so manche Familienfeier wurde mit einem Ausstellungsbesuch bereichert. Die Ausstellung zeigt in zwei Räumen außer den genannten Maschinen und Geräten auch Wäsche und Bügeleisen aus verschiedenen Jahrzehnten. Sogar unbenutzte Wäschestücke von vor 1900 sind darunter sowie ein Hemdchen, das Heiderose Starkes Vater als Kleinkind anhatte, wovon noch heute ein Foto zeugt. Ein Bild von Heiderose Starke als Kleinkind zeigt sie in einer Zinkbadewanne, die nun in der Ausstellung steht.

Mit diesen Eisen bügelte die Hausfrau vor Jahrzehnten.
Mit diesen Eisen bügelte die Hausfrau vor Jahrzehnten. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Eine Wäschepresse wird gesucht

Nun sucht Heiderose Starke für die Ausstellung ein spezielles Exponat: eine Wäschepresse, die in den 1950er/60er-Jahren innerhalb der Konsumgüterproduktion im Werk III des Waggonbau Görlitz hergestellt wurde. Das Werk befand sich dort, wo heute der Netto-Einkaufsmarkt zu finden ist. Wer eine solche Wäschepresse für die Ausstellung zur Verfügung stellen kann, sollte sich bei Familie Starke unter Telefon 03581/408723 melden.

Was passiert weiter mit der Ausstellung?

Das Haus Im Bogen 5 hat derzeit nur wenige Bewohner. Es ist sanierungsbedürftig. Für die nächsten ein, zwei Jahre ist die Sanierung des Wohnhauses aber nicht vorgesehen, erklärt Heike Froneberg, geschäftsführender Vorstand der GWG. "Welche Perspektive die Ausstellung hat, wenn wir das Haus Im Bogen 5 sanieren oder die Eheleute Starke sich darum nicht mehr kümmern können, kann ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht sagen", erklärt Frau Froneberg auf SZ-Nachfrage.

Darum war montags Waschtag

Warum nun ausgerechnet der Montag Waschtag war? Früher benötigte die Hausfrau sehr viel Zeit für das Waschen von Kleidung und Wäsche. Der Montag war dafür am besten geeignet, es gab Zeit. Montags wurde nämlich nicht viel gekocht – es gab meist die Reste vom Wochenende. "Das mit den Resten mag heute noch stimmen", meint Heiderose Starke, "aber dank moderner Waschmaschinen und Trockner spielt der Wochentag kaum noch eine Rolle. Gewaschen wird, wenn genügend Wäsche da ist, um die Waschmaschine zu füllen oder die Leute Zeit haben."

Wäsche aus zwei Jahrhunderten wird hier gezeigt. Von manchen Stücken wissen jüngere Ausstellungsbesucher nicht, wofür sie verwendet wurden. Für Staunen sorgt die Unterwäsche aus dem 19. /Anfang 20. Jahrhundert. Die ist hier aber nicht zu sehen.
Wäsche aus zwei Jahrhunderten wird hier gezeigt. Von manchen Stücken wissen jüngere Ausstellungsbesucher nicht, wofür sie verwendet wurden. Für Staunen sorgt die Unterwäsche aus dem 19. /Anfang 20. Jahrhundert. Die ist hier aber nicht zu sehen. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

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