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Kulturprojekte in Höhe von 3,1 Millionen Euro geplant

Der Kulturkonvent unterstützt das mit Zuschüssen und beschließt strengere Regeln fürs Verteilen von Geld.

Symbolbild
Symbolbild © Jens Büttner/dpa

Die Auswahl der Wettbewerbsbeiträge für das Mitte Mai geplante 18. Neiße-Filmfestival läuft. Erste Programmpunkte stehen fest. So soll es eine Lesung mit dem Schriftsteller Navid Kermani geben, und zwar im Rahmen der Filmreihe „Mother Europe“ („Mutter Europa“). Eine Ausstellung unter der Überschrift „Europa in Bildern“ kündigt Festivalsprecher Michael Lippold an. Und eine Retrospektive mit Arbeiten der tschechischen Regisseurin und Drehbuchautorin Helena Trestikova. Sie soll 2021 den Ehrenpreis des Filmfestes erhalten. Was die Coronaepidemie letztlich zulässt, ist aber offen.

Doch immerhin gibt es für die Organisatoren nun etwas mehr finanzielle Sicherheit. Denn der Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien wird die deutsch-tschechisch-polnische Veranstaltung auch dieses Jahr fördern. Es gibt 75.000 Euro. Das beschloss der Kulturkonvent als Entscheidungsgremium auf seiner Sitzung am 11. März. Das Festival erhält damit wie in den vergangenen Jahren die höchste Einzelförderung. Gefolgt von der Kultur- und Weiterbildungsgesellschaft des Landkreises Görlitz – sie bekommt über 52.000 Euro für die Musikschulen. 44.000 Euro gehen an die Krabatmühle in Schwarzkollm bei Hoyerswerda. Mit über 38.000 Euro wird ein Minderheitenprojekt des Görlitzer Vereins Second Attempt bezuschusst.

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Zusammengenommen bewilligte der Konvent Projektmittel in Höhe von knapp 647.800 Euro. Rund 40 Vorhaben profitieren. Die Kulturraum-Zuwendung deckt nur einen Teil der Kosten. Insgesamt geben die Macher für ihre Aktivitäten etwa 3,1 Millionen Euro aus.

Langes Warten auf die Zusage

Zunächst waren 46 Vorhaben eingereicht worden; nicht alle seien bewilligt worden, wie Kulturraumsekretär Joachim Mühle informierte. Man habe die zur Verfügung stehenden Projektmittel von 700.000 Euro aber auch noch nicht ganz ausgeschöpft. Ein Projekt werde noch geprüft.

Die Empfänger hatten auf die Zusage lange warten müssen. Denn die Sitzung zu den Projektgeldern war wegen Corona zweimal verschoben worden. Grünes Licht gab es auch für knapp 585.000 Euro, die für Investitionen fließen, entschieden die Konventmitglieder. Das waren am Donnerstag der Görlitzer Landrat Bernd Lange, Birgit Weber als Beigeordnete des Bautzener Landrates, der Görlitzer Kulturbürgermeister Michael Wieler sowie Jan Budar, Direktor der Stiftung für das sorbische Volk. Über 74.000 Euro erhalten beispielsweise die Städtischen Museen Zittau für die Beseitigung von Riss-Schäden der Sakristei im Museum Kirche zum Heiligen Kreuz, wo das Große Fastentuch zu sehen ist. Das Kino-Café Rietschen bekommt über 11.400 Euro für Möbel, die Kreismusikschule Bautzen 40.000 Euro für die Digitalisierung. Auch bei den Investitionsmitteln sei die verfügbare Summe nicht ausgeschöpft worden, so Kulturraumsekretär Mühle. Fünf Anträge wurden zunächst zurückgestellt. Für die Vorhaben könnte es andere Quellen geben.

Weil vor vielen kulturellen Veranstaltungen und Projekten wegen Corona auch dieses Jahr Fragezeichen stehen, beschlossen die Konventmitglieder dafür Lösungen. Denn wenn Museen, Theater, Zoos nicht wie geplant öffnen und arbeiten können, Aktionen verkleinert, verkürzt werden oder ganz ausfallen, müssen die Organisatoren möglicherweise Geld zurückzahlen, das sie vom Kulturraum bekommen haben. Weil aber „schwerwiegende Nachteile“ für Einrichtungen und Veranstalter vermieden werden sollen, darf das Kulturraumsekretariat, das alles prüft, Einzelfallentscheidungen treffen. Das war auch letztes Jahr schon möglich.

Einige Tierparks wollen ab 15. März wieder öffnen

So können Projekte verschoben, der Förderzweck geändert werden. Selbst bei einer Absage ist das Geld nicht zwangsläufig weg. Das sei wichtig, sagt Bernd Großer. Der ehemalige Zittauer Zoochef ist seit Kurzem Vorsitzender des Kulturraum-Beirates, der die Entscheider berät. Die Ungewissheit sei groß. Für alle steht die Frage an: „Wann können sie wieder Einnahmen erzielen?“ Zoos und Tierparks der Oberlausitz erwirtschaften beispielsweise 30 bis 50 Prozent ihrer Kosten selbst. Einige wollten das eigentlich ab 15. März wieder tun und öffnen. Doch wegen steigender Infektionszahlen im Kreis Görlitz stellte Landrat Bernd Lange das infrage.

Beschlossen wurde am Donnerstag auch eine neue Richtlinie für die institutionelle Förderung, also für grundsätzliche Zuschüsse zu Betriebs- und Personalkosten. Bislang übernimmt der Kulturraum zwischen acht bis 40 Prozent dieser Summen. Das wird ab 2022 vereinheitlicht. Zunächst sollten es für die meisten Empfänger 20 Prozent der Kosten sein. Nach viel Protest unter anderem aus Bautzen, Kamenz und Zittau hat man sich nun auf 25 Prozent verständigt. „Wir haben einen Kompromiss gefunden. Der wird vom Beirat mitgetragen“, so Bernd Großer. Allerdings werden nur 90 Prozent der Gesamtkosten überhaupt berücksichtigt.

Bei den übrigen zehn Prozent geht der Kulturraum davon aus, dass die Zoos, Museen, Bibliotheken und andere Einrichtungen das selbst erwirtschaften können. Der Kamenzer Oberbürgermeister Roland Dantz wies darauf hin, dass man die Möglichkeiten von beispielsweise Zoos dabei nicht mit denen von Bibliotheken oder Häusern wie dem Kamenzer Lessingmuseum vergleichen dürfe. „Wenn wir Lessings Katze lebendig im Museum zeigen könnten, hätten wir wahrscheinlich sehr viele Besucher und die entsprechenden Einnahmen“, sagte Dantz ironisch.

Idee eines gemeinsamen Kulturraumtheaters

Festgelegt wurde auch: Sitzgemeinden – also die Städte und Gemeinden, in denen die Einrichtung zuhause ist – müssen 15 Prozent der Sach- und Personalkosten tragen. Im ersten Entwurf waren noch 20 Prozent vorgesehen. In fünf Jahren, so wurde besprochen, sollen die Auswirkungen der Richtlinie überprüft werden.

Theater und sorbische Institutionen sind von den neuen Regeln nicht betroffen. Für die Bühnen der Region erwägt der Kulturraum grundsätzliche Strukturveränderungen. Dafür liege ein Gutachten vor, dass nun geprüft werde, so Konventsvorsitzender Bernd Lange. Im zweiten Quartal 2021 hofft er auf Beschlüsse in den Kreistagen beziehungsweise bei den Theater-Gesellschaftern, um an dem Thema weiterzuarbeiten. Zur Debatte steht seit Jahren die Idee eines gemeinsamen Kulturraumtheaters für die Oberlausitz.

Trotz Corona-Ungewissheiten kündigte Joachim Mühle zum Abschluss konkrete Kulturveranstaltungen für 2021 an. So soll im September das zweite Oberlausitzer Kammermusikfestival in der Region stattfinden. Auch das zunächst vom Bund finanzierte Lausitz-Festival werde wieder geplant.

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