Görlitz
Merken

Eigeninitiative im Dorf bei Görlitz: Kinder stehen nicht länger im Regen

Ortschaftsrat Horst Bernhardt hat im Görlitzer Ortsteil Ludwigsdorf ein Bushäuschen versetzt – mit vielen Helfern. Fast wäre das an den Mühlen der Bürokratie gescheitert.

Von Ingo Kramer
 3 Min.
Teilen
Folgen
NEU!
Ludwigsdorfer Kinder haben das Bushäuschen bunt angestrichen.
Ludwigsdorfer Kinder haben das Bushäuschen bunt angestrichen. © Foto: privat

Unübersehbar steht es in Ludwigsdorf an der Rothenburger Landstraße, kurz vor dem Auenblick: Ein hölzernes Bushäuschen, hellblau, rot und grün angestrichen. Für den Ludwigsdorfer Ortschaftsrat Horst Bernhardt ist es in doppelter Hinsicht ein Lehrstück: Wie der Plan, ein solches Bushäuschen zu versetzen, fast an den Mühlen der Bürokratie gescheitert wäre – und wie viele Leute auf dem Dorf an einem Strang ziehen, wenn einer vorangeht.

So steht das fertige Häuschen jetzt an seinem neuen Standort.
So steht das fertige Häuschen jetzt an seinem neuen Standort. © Foto: privat

Dieser eine war Bernhardt. „Im Frühherbst 2022 war klar, dass der Bus ab Januar 2023 nicht mehr durch die Neißetalstraße fährt“, sagt der 58-jährige Tischler. So hatte er damals die Idee, eines der Bushäuschen, die dort künftig nicht mehr gebraucht werden, an die Rothenburger Landstraße zu versetzen, wo die Kinder bisher bei schlechtem Wetter im Regen auf den Schulbus warten mussten.

  • Hier können Sie sich für unseren kostenlosen Görlitz-Niesky-Newsletter anmelden.

Er stellte damals zwei Anfragen: Bei der Stadt, der das Häuschen gehörte, und bei Udo Witschel, dem Eigentümer des Grundstücks, auf das er das Häuschen stellen wollte. Letzterer war sofort dabei, kein Problem. „Bei der Stadt hingegen habe ich immer zu hören bekommen, was alles nicht geht“, sagt Bernhardt. Der Wille sei zwar da gewesen, aber die Bürokratie zu kompliziert. Daran wäre das Projekt fast gescheitert. Bis Bernhardt am Ende auf die rettende Idee kam, dass die Stadt das ohnehin längst abgeschriebene alte Häuschen aussondert. „Den entsprechenden Schein haben wir Ende vorigen Jahres bekommen, kurz vor dem Frost“, sagt Bernhardt, der auch im Heimatverein aktiv ist. Seit der ersten Anfrage war ein Jahr vergangen.

Doch nun begann der Winter. Als er vorbei war, transportierte David Ledwon vom Hotel „Dein Gutshof“ das Bushäuschen kurzerhand mit seinem Radlader auf das Grundstück von Horst Bernhardt. Der reparierte es und tauschte einen Teil der Hölzer aus – nach Feierabend und am Wochenende. „Insgesamt hat es sicher zwei volle Tage gedauert“, sagt er. Anschließend kamen Hermine, Frieda, Ella, Lela, Sophia, Johannes und Maxi dazu – fünf Mädchen und zwei Jungs im Alter von sechs bis 13 Jahren, allesamt Anwohner am neuen Standort des Häuschens und somit dessen Nutzer. Gemeinsam strichen sie das Bushäuschen farbenfroh an. Die Initialen aller sieben Kinder befinden sich an der Front.

Mit dem Radlader wurde das Bushäuschen für die Restaurierung durch Ludwigsdorf transportiert.
Mit dem Radlader wurde das Bushäuschen für die Restaurierung durch Ludwigsdorf transportiert. © Foto: privat

Als alles geschafft war, kam David Ledwon mit seinem Radlader ein zweites Mal zum Einsatz: Er transportierte das frisch restaurierte Bushäuschen an seinen neuen Aufstellort. Zwar ging beim Aufstellen eine Scheibe zu Bruch, aber ansonsten hat alles gut funktioniert – dank des Heimatvereins und ganz vieler Einzelpersonen und Firmen, die die ganze Aktion tatkräftig oder mit der Bereitstellung von Materialien unterstützt haben. Es sind zu viele, um sie hier alle zu nennen – aber Horst Bernhardt hat sich riesig darüber gefreut.

Ebenso begeistert war er, als er gesehen hat, wie gut das Häuschen gleich in den ersten Tagen angenommen wird: „Morgens ist es krachend voll“, hat er beobachtet. Das liegt daran, dass viele Kinder mit dem Bus zur Grundschule Zodel und zur Oberschule Rothenburg fahren. „Wenn man das sieht, weiß man, wofür man es gemacht hat“, sagt der Initiator. Am liebsten würde er noch weitere Bushäuschen aufstellen, doch an den anderen Haltestellen gehören die Grundstücke der Stadt. „Dort können wir nichts aufstellen“, sagt er: „Es gibt zu viele Vorschriften, die das verhindern.“