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Görlitz baut Straßenbahn für Dresden

Am Mittwoch wurde die erste Karosserie bei Bombardier abgenommen. Die Dresdner Bahn - ein wichtiger Schritt für die Zukunft des Görlitzer Werkes.

Carsten Liebig, Leiter des Bombardier Werkes Görlitz, und Ministerpräsident Michael Kretschmer (rechts) fachsimpeln im Rohbau der neuen Straßenbahn für Dresden.
Carsten Liebig, Leiter des Bombardier Werkes Görlitz, und Ministerpräsident Michael Kretschmer (rechts) fachsimpeln im Rohbau der neuen Straßenbahn für Dresden. © Paul Glaser / glaserfotografie.d

Wenn die Familie des sächsischen Ministerpräsidenten in Dresden unterwegs ist, dann auch gern mal per Straßenbahn. Demnächst fährt sie dann wohl auch mal mit Bahnen, die zum großen Teil in Görlitz hergestellt sind. "Sozusagen auf heimischem Boden durch Dresden", lacht Michael Kretschmer. Nein, Gelegenheiten zu lachen und gute Nachrichten zu verkünden, hatte er in den vergangenen Tagen wahrlich nicht. Am Mittwoch in seiner Heimatstadt stand nun endlich wieder einmal etwas Positives im Mittelpunkt.

Baustart für neue Bahn war im August

Die Karosserie des ersten neuen Stadtbahnwagens für Dresden, der Rohbau, wird abgenommen. Im August hatte Bombardier mit dem Bau begonnen. Der Kopf und dessen Einzelteile werden in Görlitz bearbeitet, Dachteile und Seitenwände in Bautzen. Von der Spree werden sie dann an die Neiße geliefert.

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"Ja, wir hatten in den vergangenen Jahren Sorge um Bombardier in Görlitz", sagt der Ministerpräsident. Jetzt sei dem Standort wieder eine Zukunft gegeben. Ausdrücklich würdigt Michael Kretschmer die Leistung Carsten Liebigs. Der derzeitige Bombardier-Werksleiter verabschiedet sich zum Jahresende im Alter von 65 Jahren in den Ruhestand.

Er habe Dinge bewegt und auch schon mal Grenzen überschritten, so der Ministerpräsident. Das Thema Straßenbahn sieht er als ein "sehr emotionales, gerade auch für Görlitz". Hier laufen die Ausschreibungen für neue Straßenbahnwagen. "Ich hoffe sehr, dass die Wagen für Görlitz auch aus Görlitz kommen werden", sagt Oberbürgermeister Octavian Ursu.

Probebetrieb in Dresden wahrscheinlich Ende 2021

Die erste neue Straßenbahn soll im kommenden August an der Elbe eintreffen. Nach Inbetriebnahme und diversen Probefahrten wird voraussichtlich im Dezember 2021 der Probebetrieb mit Fahrgästen starten. Ab 2022 soll dann alle drei Wochen ein neuer Stadtbahnwagen nach Dresden geliefert werden und kurzfristig in den Linienbetrieb gehen. Bis Herbst 2023 sollen dann alle neuen Straßenbahnwagen ausgeliefert sein.

Die Wagenkästen für die Dresdner Verkehrsbetriebe sind eines der ersten Straßenbahn-Projekte, die in der neu installierten Produktionslinie in Görlitz gebaut werden. "Ich freue mich sehr, dass wir diesen wichtigen Meilenstein planmäßig erreicht haben und demnächst mit dem Innenausbau der neuen Flexity-Straßenbahn beginnen können", so Dirk Wunderlich, verantwortlich für das Nahverkehrsgeschäft in Deutschland bei Bombardier. Über 20 sächsische Unternehmen sind an dem Vorhaben beteiligt und liefern den Großteil der benötigten Materialien.

Dresdner konnten Meinung zu Görlitzer Bahn sagen

Die neuen Görlitzer Bahnen fahren in Dresden zunächst zwischen Kleinzschachwitz und Gorbitz, später zwischen Wilder Mann und Coschütz. Die Bahnen sind 43 Meter lang und 2,65 Meter breit. Damit sind die Wagen 35 Zentimeter breiter als die bisher in der Landeshauptstadt eingesetzten. Bis zu 290 Passagiere finden im Stadtbahnwagen Platz. Der Wagenkasten steht oberhalb der Bahnsteigkante, deshalb musste keine Station umgebaut werden. Allerdings benötigen die neuen Fahrzeuge mehr Platz zwischen den Gleisen. Rund 80 Prozent des Dresdner Gleisnetzes sind bereits für die neuen Bahnen vorbereitet.

Im Januar hatten sich etwa 16.000 Besucher des Verkehrsmuseums ein Bild von der neuen Bahn aus Görlitz gemacht. Rund 2.000 Meinungen dazu gingen ein. Fast alle fanden die neue Bahn gut, einige Änderungswünsche wurden aufgenommen.

Etwa 4,2 Millionen Euro kostet ein Fahrzeug, die gesamte Investition etwa 197 Millionen Euro. Der Freistaat fördert den Kauf mit EU-Mitteln in Höhe von knapp 103 Millionen Euro.

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