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Görlitzer Arzt veröffentlicht Corona-Appell

Henry Hedrich klärt über das Virus auf. Und über Unterschiede zu anderen Viren. Auch zur Impfung hat er eine klare Meinung.

Henry Hedrich
hat seine Hausarztpraxis in der Joliot-Curie-Straße 1 in Görlitz.
Henry Hedrich hat seine Hausarztpraxis in der Joliot-Curie-Straße 1 in Görlitz. © Nikolai Schmidt

Der Görlitzer Hausarzt Henry Hedrich meldet sich in der Corona-Diskussion zu Wort. Er hat einen langen Text geschrieben, den er auf der Internetseite seiner Arztpraxis veröffentlichen will, und den er auch der SZ zur Verfügung gestellt hat.

In erster Linie geht es ihm um Aufklärung. "Mit den allermeisten Erregern stecken wir uns bereits in der Kindheit an", schreibt er: "Dabei verlaufen die Infektionen meist unproblematisch, so auch bei Corona und Kindern." Später verfüge das Immunsystem über Gedächtniszellen, sodass bekannte Erkältungserreger in der Regel nur leichte bis mittlere Erkältungen verursachen.

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Corona-Infektion verläuft anders

"Eine Corona-Infektion aber verläuft anders", warnt Hedrich. Das Immunsystem kenne Corona noch nicht. Es reagiere spät, so dass eine massive Vermehrung der Viruspartikel in der Mundschleimhaut erfolgen könne. Diese Viruspartikel werden dann beim Sprechen ohne Maske bis zu sechs Meter weit in den Raum geschleudert. "Je mehr Viren der Gesprächspartner einatme, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit seiner Ansteckung", sagt Hedrich. Regelmäßiges Lüften, Abstand und das Tragen einer Maske mache eine Ansteckung unwahrscheinlich, da die Viruslast im Raum abnehme. Die Virusvermehrung im Mund könne bis zu fünf Tage dauern, ohne dass Erkrankungssymptome auftauchen.

Breite sich der Infekt dann auf die tieferen Atemwege aus, könne eine überschießende Immunreaktion mit schweren Entzündungsprozessen im Körper stattfinden. "Die Folge sind schwere Erkrankungsverläufe mit schlimmen Konsequenzen für einzelne Patienten bis hin zum Erstickungstod – eine der schlimmsten Todesarten überhaupt", warnt Hedrich. Fasse man alle Todesfälle durch Erkältungserreger (inklusive Influenza) zusammen, so müsse derzeit von einer 20-fachen Sterberate durch Corona bedingte Infektionen, verglichen mit den bekannten Erkältungserkrankungen, ausgegangen werden.

Keine gut wirksamen Medikamente

Bisher gibt es keine gut wirksamen Medikamente gegen die Infektion. Häufig kommen nur symptomlindernde Medikamente zum Einsatz. Das heißt, die Erwartung „Ich gehe zum Arzt, der verschreibt mir Medikamente und nach einer Woche geht es mir besser“, kann nicht erfüllt werden, warnt der Arzt. Er will, dass die Infektionszahlen sinken, damit der Lockdown beendet werden kann. Geht er hingegen weiter, so befürchtet Hedrich eine wirtschaftliche Krise, Verarmung, Zusammenbruch von Versorgungsstrukturen und natürlich weitere Todesfälle. "Es ist also unsere Pflicht gegenüber unserem Heimatland, die Hygienemaßnahmen einzuhalten", schlussfolgert er.

Zwei Wege zur Immunität

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Immunität könne man über zwei Wege erlangen: Die Infektion zu durchleben mit allen möglichen Komplikationen oder sich impfen zu lassen. Beim Impfen seien keine Erkrankungskomplikationen zu erwarten - aber eine sehr gute Wirksamkeit von über 90 Prozent. Der aktuell in Europa zugelassene Impfstoff der Firmen Biontech/Pfizer sei vollumfänglich an tausenden von Freiwilligen getestet worden. In nur ganz vereinzelten Fällen seien leichte bis mittlere allergische Reaktionen aufgetreten, die durch Medikamente gut beherrschbar seien. Es sei eindeutig nachgewiesen, dass der Nutzen der Impfung dem Impfrisiko weit überwiegt. "Lassen Sie sich impfen, sobald dies möglich ist", appelliert Hedrich: "Sie werden das Angebot zum Impfen in den nächsten Wochen und Monaten erhalten."

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