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Nostromo wehrt sich gegen Baupläne

Sollte im Schlachthofgelände ein Zivilschutzzentrum errichtet werden, müsste der Görlitzer Club weichen. Der will nicht weg – und findet Unterstützer.

Manuel Peschick, Jacek Krakowski, Sonja Lindner, Thomas Blumrich, Daniel Gersch, Dirk Kählig und Elisa Dombromsky (v.l.) waren auf diesem Bild vom vorigen Jahr – neben einigen anderen – das aktuelle Team des Nostromo.
Manuel Peschick, Jacek Krakowski, Sonja Lindner, Thomas Blumrich, Daniel Gersch, Dirk Kählig und Elisa Dombromsky (v.l.) waren auf diesem Bild vom vorigen Jahr – neben einigen anderen – das aktuelle Team des Nostromo. © nikolaischmidt.de

Die Idee der Stadtverwaltung, auf dem alten Schlachthofgelände auf der Cottbuser Straße ein Zivilschutzzentrum inklusive neuem Standort für die Berufsfeuerwehr zu errichten, stößt auf Widerstand.

„Der Verein Schall & Rauch betreibt seit 1999 mit seinen ehrenamtlichen Vereinsmitgliedern den Club Nostromo auf dem alten Schlachthofgelände“, erklärt Stefanie Gebel vom Verein. Mit viel Engagement und persönlichem Einsatz plane das Nostromo Veranstaltungen, kümmere sich um den Erhalt der Räume und vieles mehr. Zu den Veranstaltungen zählen die jährliche große Aftershow-Party nach dem Altstadtfest, eine Rockabilly-Party, ein gruseliges Kinderhalloween mit einer entsprechenden Abendveranstaltung für Erwachsene, eine Bad-Taste und viele mehr: „Hier bieten wir unseren Gästen den Rahmen für ein Zusammenkommen, Feiern und Wiedersehen, auch zu Weihnachten.“

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Längst noch kein Baubeschluss

Das solle nun kaputtgemacht werden. Am Donnerstag soll der Stadtrat eine Machbarkeitsstudie für ein Zivilschutzzentrum auf den Weg bringen. Das ist freilich noch längst kein Baubeschluss. Doch es ist ein Schritt in diese Richtung.

„Durch die geplante Beschlussfassung wird das nächste Stück Subkultur in Görlitz verschwinden“, sagt Stefanie Gebel. Aktuell durchlebe der Club wegen der andauernden Pandemie und der geltenden Einschränkungen ohnehin eine harte Zeit. „Durch viele tolle Menschen, die uns mit Spenden unterstützt haben, können wir positiv in die Zukunft sehen, jedoch macht uns die beabsichtigte Beschlussfassung alle guten Hoffnungen für eine Zukunft mit Lockerungen zunichte“, sagt Stefanie Gebel. Und stellt klar: „Wir wollen bleiben!“ Das Ehrenamt, die Kultur und das „Urgestein“ von Club sollen in Görlitz weiterleben.

Stadt hat nicht mit Verein geredet

Was die Vereinsmitglieder besonders ärgert: Die Stadt hat bis Montag nicht mit ihnen geredet. Nur zufällig haben sie vom geplanten Beschluss erfahren. „Wir befürworten durchaus eine Machbarkeitsstudie für das Gelände – aber unter Berücksichtigung aller Möglichkeiten, die das Areal mit sich bringt“, sagt Stefanie Gebel. Bei einer Gesamtgröße von 22.000 Quadratmetern sei schwer nachvollziehbar, dass es nur die Option geben soll, den Club abzureißen.

Am Montag wandte sich daraufhin Bürgermeister Michael Wieler erstmals an den Verein. „Wir können Ihr Anliegen selbstverständlich nachvollziehen und sind an einem Erhalt des Nostromo-Angebots für Görlitz und die Region interessiert“, schreibt Wieler. Doch das Gebäude stehe an einer für das zügige Erreichen der Hauptstraße günstigen Stelle des Grundstücks. Bei einer tieferen Standortbetrachtung seien zudem der Denkmalbestand und die für die Berufsfeuerwehr zwingend erforderliche exklusive verkehrliche Erschließung des Geländes zu betrachten. „Deshalb wäre es unredlich, einen mit gewisser Wahrscheinlichkeit erforderlichen Rückbau des durch Sie genutzten Gebäudes nicht zu thematisieren“, so Wieler.

Studie soll Genaueres herausfinden

Ob dies oder der Standort überhaupt eine tatsächliche Option für ein Zivilschutzzentrum mit Berufsfeuerwehr-Standort ist, sei aktuell aber noch nicht abschließend geklärt. Das solle die Machbarkeitsstudie herausfinden. Darin werde auch die Frage des Bestandes oder der Verlagerung des Nostromo – Letzteres mit der Suche nach geeigneten Ausweichstandorten – untersucht. Die Unterstützung einer möglichen Verlagerung durch die Stadt, wäre eine politische Entscheidung, über die am Ende der Stadtrat entscheiden müsste.

„In die Erarbeitung der Machbarkeitsstudie werden wir Sie gerne einbeziehen, damit alle Optionen zur Sprache kommen und abgewogen werden können“, so Wieler. Die Entwicklung des Schlachthofgeländes als Zivilschutzzentrum werde im Falle eines positiven Ergebnisses der Machbarkeitsstudie ein mittel- bis langfristiges Projekt sein. In den nächsten Jahren werde das Nostromo seinen Betrieb daher auf jeden Fall am Standort fortsetzen können. Für Anfang des neuen Jahres bietet Wieler dem Verein nun einen Gesprächstermin an, um die Angelegenheit persönlich zu beraten.

Motor Görlitz will genauere Prüfung

Jetzt hat sich die erste Stadtratsfraktion zu Wort gemeldet. Motor Görlitz/Bündnisgrüne bemängeln, dass der Verein für die Erstellung der Machbarkeitsstudie in der Stadtratsvorlage nicht als Gesprächspartner aufgeführt ist. Das sei nicht nachvollziehbar und zeuge von mangelnder Wertschätzung gegenüber der freien Szene.

In der Beschlussvorlage werde suggeriert, an ihrem bisherigen Standort auf der Krölstraße könne die Berufsfeuerwehr nicht zukunftsfest entwickelt werden. „Möglicherweise ist an diesem Traditionsstandort nicht das Optimum möglich“, sagt Mike Altmann von Motor Görlitz: „Aber aktuell ist genau zu prüfen, für welche Größenordnung von Projekten überhaupt Eigenmittel zur Verfügung stehen.“ Seine Fraktion wolle eine Untersuchung zur Projektidee auf dem Schlachthofgelände nicht verhindern, sagt Altmann. Aber ohne Gegenüberstellung der Investitions- und Betriebskosten der Optionen Krölstraße und Schlachthofgelände sei keine fundierte Grundsatzentscheidung möglich. In die Betrachtung sei das Nostromo in jedem Fall einzubeziehen. Seine Fraktion werde einen entsprechenden Änderungsantrag stellen.

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