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Ein Mönch hat jetzt die Görlitzer im Blick

Mitten in der Altstadt wird am Sonntag ein Mönchskopf eingeweiht. Doch das ist nicht alles, was an diesem September-Wochenende in der Stadt geboten wird.

Hans (links) und Michael Herbig von der Firma Herbig Denkmalpflege aus Ostritz bringen den aus Sandstein gefertigten Mönchskopf in der Fensternische an.
Hans (links) und Michael Herbig von der Firma Herbig Denkmalpflege aus Ostritz bringen den aus Sandstein gefertigten Mönchskopf in der Fensternische an. © Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.c

Was lange währt, wird manchmal doch noch gut: In dieser Woche haben Hans und Michael Herbig von der Firma Herbig Denkmalpflege aus Ostritz einen aus Sandstein gefertigten Mönchskopf in einer Fensternische an der Fassade der Görlitz-Information am Obermarkt/Ecke Fleischerstraße angebracht. Wer ihn noch nicht entdeckt hat, kann ihn am Sonntag bewundern. Dann lädt, ab 16 Uhr, der Bürgerrat Altstadt/Nikolaivorstadt/Klingewalde zu einer kleinen Einweihungsfeier ein.

Der Mönchskopf hat seinen Platz in einer Nische der Fassade der Görlitz-Information am Obermarkt/Ecke Fleischerstraße gefunden. Er blickt hinüber zur „Suchenden Mutter“ an der Fassade der Fleischerstraße 2.
Der Mönchskopf hat seinen Platz in einer Nische der Fassade der Görlitz-Information am Obermarkt/Ecke Fleischerstraße gefunden. Er blickt hinüber zur „Suchenden Mutter“ an der Fassade der Fleischerstraße 2. © Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.c

Hintergrund ist die Sage vom Klötzelmönch. Am Haus Fleischerstraße 2 schräg gegenüber ist eine steinerne Frau erkennbar, die „Suchende Mutter“. Ihr Blick aber ging bisher ins Leere. Genauer gesagt: in eine leere, gotisch gefasste Wandnische am Eckhaus der Görlitz-Information. „Dort muss früher ein Mönchskopf gewesen sein“, sagt Bürgerrat Thomas Hain. Bilder, wie der Mönch ausgesehen hat, gibt es nicht. Nur eine Textpassage haben seine Mitstreiter und er gefunden. „Dieser Frau gegenüber war ein bärtiger, hässlicher Männerkopf zu sehen“, heißt es dort.

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So sah die Nische an der Fassade jahrelang aus: leer.
So sah die Nische an der Fassade jahrelang aus: leer. © Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.c

Diesen Kopf wollten die Bürgerräte wieder anbringen. Und das schon seit 2017. Im Januar 2018 stimmten die Einwohner bei einer Bürgerversammlung über drei Entwürfe ab, zudem waren auch Bürgerrat, Denkmalbehörde und die Firma Kommwohnen als Eigentümerin des Gebäudes „wahlberechtigt“. Die aus Görlitz stammende und in Dresden lebende Romy Kumann setzte sich durch. Ihr Mönch sollte im Sommer 2018 eingeweiht werden.

Der Mönch schaut aus dem Eckhaus Obermarkt/Fleischerstraße in Görlitz.
Der Mönch schaut aus dem Eckhaus Obermarkt/Fleischerstraße in Görlitz. © Nikolai Schmidt

Das scheiterte schließlich an der Anbringung. „Frau Kumann hätte den Kopf gefertigt, aber sie wollte ihn nicht anbringen“, sagt Hain. Das sei aber von Anfang an Bedingung gewesen. Dann sollte ein Ingenieurbüro die Anbringung übernehmen, doch das hätte den geplanten Kostenrahmen von rund 3.700 Euro aus dem Budget des Bürgerrates gesprengt. Nach langem Hin und Her hat schließlich Herbig als Zweitplatzierter den Auftrag bekommen.

„Dann ging alles ganz schnell, auch die Genehmigungen von Denkmalschutz und Hauseigentümer“, freut sich Hain. Hans Herbig sieht die Anbringung als unkompliziert an. Er hat sowohl den Mönchskopf als auch die Fensternische 20 Zentimeter tief angebohrt, einen Edelstahl-Dübel eingesetzt und angemörtelt. „Das ist vielleicht etwas überdimensioniert, aber sicher ist sicher“, sagt er. Auch der heftigste Sturm werde den 30 Kilo schweren Sandstein-Mönchskopf nicht nach unten wehen.

Michael Prochnow liest aus Sage vor

Die Bürgerräte haben das Ganze ehrenamtlich initiiert und umgesetzt. Für sie ist es das bisher aufwendigste Projekt gewesen. Am Ende wird es im Kostenrahmen bleiben, freut sich Hain. Er hofft nun, dass am Sonntag – unter Wahrung der Corona-Abstandsregeln – viele Menschen zur Einweihung kommen. Der Stadtführer Michael Prochnow wird aus der Sage vom Klötzelmönch vorlesen, auch Oberbürgermeister Octavian Ursu hat sein Kommen zugesagt.

Es ist nicht der einzige Höhepunkt am Sonntag in Görlitz. Der Tag des offenen Denkmals findet aufgrund der Corona-Pandemie vor allem im Freien statt. Er beginnt sogar schon am Vorabend, ab 19 Uhr. Dann wird es im Nikolaizwinger Livemusik, Open-Air-Kino und Bewirtung geben, um 22 Uhr erklingt zudem die Sonnenorgel in der Peterskirche. Zum eigentlichen Denkmaltag stehen neben Nikolai- und Ochsenzwinger vor allem der Stadtpark und der Park des Friedens im Mittelpunkt. In allen vier Anlagen sind Führungen geplant, unter anderem um 13 Uhr an der Rosenterrasse im Stadtpark. Der Nikolaiturm kann von 10 bis 18 Uhr bestiegen werden. Der alljährliche Handwerkermarkt auf dem Untermarkt findet zeitgleich statt.

Gerhart-Hauptmann-Theater öffnet seine Türen

Zudem öffnet am Sonntag zum Denkmaltag auch das Gerhart-Hauptmann-Theater in Görlitz seine Türen. Von 11 bis 17 Uhr können Besucher in insgesamt acht Veranstaltungsblöcken Programmpunkte aus den Sparten Musiktheater, Tanz und Konzert sowie Darbietungen der Gesangssolisten und Ausschnitte aus den Stücken der Tanzcompany im Ambiente des umgebauten Zuschauerraums erleben. Kostenlose Eintrittskarten können vorab an den Theaterkassen reserviert werden. Vor dem Theater stellen sich die Gewerke vor, präsentieren Requisiten und beantworten Fragen. Auch die Theatergastronomie versorgt die Gäste auf dem Theatervorplatz.

Tierpark feiert sein großes Tierparkfest

Ebenfalls am Sonntag, von 9 bis 18 Uhr, feiert der Naturschutz-Tierpark sein großes Tierparkfest. Neben den tierischen Sehenswürdigkeiten laden im ganzen Park verteilt zahlreiche Aussteller und Mitmachaktionen zum Erleben und Erfahren, Basteln und Bewegen sowie Schlendern und Schlemmen ein. Der Tierpark selbst plant unter anderem einen Tierpfleger-Infostand, eine Haifischzahnsuche und ein Artenschutz-Glücksrad. Eine Kampfkunstschule führt, 11 und 15 Uhr, Showkämpfe auf. Auch der Bürgerrat Südstadt ist dabei.

Der Bürgerrat Altstadt/Nikolaivorstadt/Klingewalde indes hat nach dem Mönchskopf schon wieder neue Ideen. „Wir würden gern die alte Pferdetränke am Nikolaigraben öffnen, gleich neben der Jesus-Bäckerei“, sagt Thomas Hain. Er sucht jetzt historische Fotos von der Tränke. Wer welche hat, kann sie am Sonntag zur Mönchskopf-Einweihung mitbringen.

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