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Ost-ICE rollt nächstes Jahr nach Görlitz

Die Leipziger Zugfreunde freuen sich über die zugesagte Finanzspritze vom Bund, bleiben aber realistisch. Noch ist das Geld nicht auf dem Konto.

So rollte er durch die DDR und über ihre Grenzen, der legendäre SVT.
So rollte er durch die DDR und über ihre Grenzen, der legendäre SVT. © Werkfoto/Sammlung Theurich

Mario Lieb ist noch ein bisschen skeptisch. "Ich bin ein vorsichtiger Kaufmann", sagt der Geschäftsführer der SVT Görlitz gGmbH in Leipzig. Vier Millionen Euro will der Bund geben für den "Zug für Mitteldeutschland", den Schnellverkehrstriebwagen der Deutschen Reichsbahn, der wieder auf Deutschlands Schienennetz unterwegs sein soll - unter welchem Namen auch immer, Karlex, Vindobona oder Neptun.

Ja, sie seien zuversichtlich, dass das Projekt Erfolg hat, sagt Mario Lieb. Und mit den angekündigten vier Millionen vom Bund könnte ein Zug wieder auf die Schiene gebracht werden. "Aber wir sind auch realistisch", sagt Mario Lieb. Ihm macht Sorgen, wie das Geld vom Bund auf das Konto der gGmbH gelangen soll. "Es fehlt bisher noch an einem entsprechenden Verfahren", sagt er.

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Zug könnte mit zugesagten Fördermillionen wieder rollen

Von Berlin nach Sachsen und dann zu den Eisenbahnenthusiasten - offensichtlich ein langer Weg. Man hoffe, so Mario Lieb, dass der Freistaat sich helfend einschalte.

Trotz allem: Die Arbeiten am Zug gehen weiter. Gerade ist ein technisches Aufarbeitungskonzept geschrieben worden. "Wir haben es zwei Aufarbeitungsfirmen zugeschickt", sagt Mario Lieb. Im Januar sollen die Preisvorschläge vorliegen. Inzwischen wird aus eigener Kraft am Zug gearbeitet. Einige Umwälzpumpen wurden erneuert. "Man muss natürlich bedenken: Sie sind 60 Jahre alt. Da Ersatzteile zu bekommen, ist schon schwierig", so Mario Lieb. Deshalb denkt er an eine zeitgemäße Form der Ersatzteilgewinnung - aus dem 3-D-Drucker.

Im kommenden Jahr soll der SVT Görlitz nach Görlitz kommen, zum Stadtjubiläum und wahrscheinlich von einer anderen Lok geschleppt. "Wir wollen dann auch einen zweiten Spendenmarathon organisieren", sagt Mario Lieb. Er hofft, dass sich vor allem auch Bombardier-Mitarbeiter daran beteiligen werden.

Zweiter Spendenmarathon in Görlitz geplant

So oder so: Das Ende der Aufarbeitung des Zuges 2023 bleibe weiter das Ziel der gGmbH. Mario Lieb hat auch einen Zeitplan. Im dritten und vierten Quartal kommenden Jahres soll der erste Wagen aufgearbeitet werden, 2022 weitere vier Fahrzeuge folgen. "Mit vier Teilen kann der Zug wieder rollen", sagt Mario Lieb. Wirtschaftlich zu betreiben wäre er mit fünf. Inzwischen laufen auch Kosten weiter, etwa für die Hallenmiete. Im März vergangenen Jahres wurde die sechsteilige Zugeinheit nach Dresden gebracht. Seither steht sie dort witterungsgeschützt in einer Halle.

1963 war der SVT auf der Leipziger Messe vorgestellt worden. Genau 60 Jahre später, 2023, soll er wieder auf der Schiene sein. Mit 140 Stundenkilometern sind Fahrten durch Deutschland geplant. 296 Tonnen ist der Zug schwer, 145 Meter lang, 250 Sitzplätze gibt es plus 23 im Mitropa-Restaurant. Die Betreibergesellschaft SVT Görlitz gGmbH plant zunächst mit zehn Sonderfahrten pro Jahr und weiteren Chartertouren.

Erst Ende November hatte der Haushaltsausschuss des Bundestages über Fördermittel für den Wiederaufbau des Zuges entschieden. Unter dem sperrigen Titel "Restaurierung von historischen Triebzügen des internationalen Schienenpersonenfernverkehrs" gibt es vier Millionen Euro. Damit, so der Weißwasseraner Bundestagsabgeordnete Thomas Jurk (SPD), könne die SVT Görlitz gGmbH die Idee "Ein Zug für Mitteldeutschland" verwirklichen, die Grundlage für die Restaurierung und künftige Nutzung schaffen. SVT steht für Schnellverbrennungstriebwagen. Acht der exklusiven Züge hatte die Reichsbahn zu DDR-Zeiten im Einsatz. Sie fuhren unter anderem über Prag bis Wien oder per Fähre von Warnemünde nach Kopenhagen, hergestellt vom Waggonbau Görlitz.

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