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Görlitzer Wochenmarkt bleibt ein Zankapfel

Seit Februar betreibt die Deutsche Marktgilde den Wochenmarkt auf der Elisabethstraße. Seitdem sind die Händler in Aufruhr.

Katrin Schiel im Görlitzer Stadtrat.
Katrin Schiel im Görlitzer Stadtrat. © Screenshot/privat

Zweifel, ob es so gut war, den früheren Betreiber des Görlitzer Wochenmarktes in die Wüste zu schicken, gab es schon voriges Jahr. Der neue Betreiber seit Februar ist die Deutsche Marktgilde. Sie stellte im Stadtrat ihr Konzept für den Görlitzer Wochenmarkt auf der Elisabethstraße vor. Das interessiere ihn weniger, sagte einer der Wochenmarkthändler. Er hat andere Sorgen: Für die Stände sei nun deutlich mehr zu bezahlen. Viele Händler würden nun nicht mehr kommen.

Wer ist die Deutsche Marktgilde?

Die Deutsche Markgilde wurde 1985 gegründet, ihr Hauptsitz ist in Eschenburg in Hessen. Sie hat sechs Niederlassungen, eine in Dresden. Dresden ist auch die Stadt, in der sie die meisten Märkte betreibt. Insgesamt betreibt das Unternehmen Märkte an 125 Standorten, hat rund 180 Mitarbeiter. In der Oberlausitz ist die Marktgilde bisher aber kaum vertreten, der nächste Wochenmarkt ist der in Neusalza-Spremberg.

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In Görlitz haben bislang 38 bis 40 Händler zugesagt, auch in Zukunft dabei zu sein, schildert Katrin Schiel, Prokuristen der Dresdner Niederlassung. Eine Händlerflucht wolle sie nicht bestätigen. Auch von den polnischen Händlern hätten mehrere versichert, in Zukuft wieder dabei zu sein. Dass in den vergangenen Wochen nur wenige da waren, hat vor allem mit den Beschränkungen durch die Corona-Krise zu tun. Ein ungünstiger Start war es, sagt Katrin Schiel. Nicht nur wegen Corona, auch wegen des Wetters bislang.

Was planen die neuen Betreiber?

Ein Ziel sei, Sortimentslücken zu schließen. Einen Bäcker zum Beispiel gibt es nicht auf dem Wochenmarkt. Vor allem gehe es darum, weitere Händler herzulocken. Dass das tatsächlich schwieriger sei als in Dresden, sei mit Blick auf die potenziellen Kundenzahlen, die Einwohnerzahl, klar. In der Regel suche die Marktgilde dann im Umkreis von rund 70 Kilometern nach Interessenten und hat auch eine Kartei mit Händlerkontakten. Die besten Ergebnisse erziele sie aber oft, wenn sie bei anderen Wochenmärkten in der Region gezielt Händler anspreche, ob sie vielleicht auch nach Görlitz kommen möchten.

Ein anderes Ziel sei die Zusammenarbeit mit Vereinen, Gastronomen, Kitas und Schulen, Krankenkassen. Erste Gespräche, solche lokalen Partner mit verschiedenen Aktionen mit einzubinden, gebe es bereits.

Die Probleme der Händler

Allgemein gelte, dass die bisherigen Händler auf jeden Fall wiederkommen können. Aber unter neuen Bedingungen. Und die machen den Händlern Sorgen. Wegen des Standgeldes, etwa auch wegen des Wasseranschlusses, der nicht mehr zur Verfügung steht. Dazu kommt die Sorge, wie hoch die Strompauschale in Zukunft ausfallen wird. Alles Punkte, die er nicht nachvollziehen könne, sagte der Imbissbetreiber, der sich im Stadtrat zu Wort meldete. Herr Fritz habe viel weniger Geld verlangt und dennoch ein gutes Geschäft gemacht.

Francois Fritz hat den Wochenmarkt auf der Elisabethstraße 18 Jahre lang betrieben, am Anfang allein, dann zusammen mit Marzena Paszkiewicz und Sylwia Fritz. Sie stehen auch hinter einem Hotel auf der Elisabethstraße.

Wie die Gebühren zustande kommen

Die Grund-Standgebüren waren bei ihm ähnlich wie bei der Deutschen Marktgilde. Sie beruhen erst mal auf der Höhe der Pacht, die an die Stadt als Vermieter der Fläche zu zahlen ist. Im Moment gibt es einen verringerten Pachtzins, weil wegen der Corona-Krise deutlich weniger Händler da sein können. Die Flächenpacht in Normalzeiten aber sei in Görlitz sehr hoch, erklärt die Deutsche Marktgilde. Eine vergleichsweise hohe Pacht müsse sie auch in Dresden bezahlen. Dass die Standgebühr für die Händler dort letztlich dennoch niedriger ausfällt, hat unter anderem mit der größeren Zahl der Händler zu tun. Je mehr Händler, desto leichter ist ein Markt wirtschaftlich zu betreiben. In Görlitz aber sei die Händlerzahl auch früher schon vergleichsweise niedrig gewesen.

In Görlitz dagegen kommt auf der Kostenseite mehr dazu. Sie seien nicht gekommen, um sich an Görlitz zu bereichern, hatte Frau Schiel früher schon gesagt. "Aber natürlich müssen wir die Wochenmärkte kalkulieren, um in der Marktwirschaft zu bestehen." So ist der Pächter etwa für die Platzpflege, etwa auch Baumbeschnitt zuständig, muss einen Marktmeister stellen, Sanierungen bezahlen.

Der frühere Betreiber konnte vieles - Toiletten für die Händler, Platzreinigung, Marktaufsicht - mithilfe der Hotel-Infrastruktur regeln. Reich sei er mit dem Wochenmarkt trotzdem nicht geworden, hatte Francois Fritz kürzlich erzählt. In den letzten fünf Jahren habe er pro Jahr zwischen 4.000 Euro plus und 1.000 Euro minus gemacht.

Wie weiter mit Wasser und Strom?

Die sechs Stromkästen müssen saniert werden. Kommende Woche soll das passieren, für rund 3.000 Euro. Bisher waren sie mit einem Münzsystem ausgestattet. In Zukunft soll es drei Pauschalen - je nach Verbrauch - geben. Wie hoch diese genau ausfallen, konnte Katrin Schiel am Donnerstag noch nicht sagen.

Das Wasser, erklärte sie, würde die Gebühren für die Händler noch mehr erhöhen, denn ein Trinkwasseranschluss muss regelmäßig gewartet werden. Es gebe an keinem anderen Standort der deutschen Marktgilde einen Wasseranschluss, die Händler würden sich ihr Wasser selbst mitbringen. Ein Thema sei das bislang auch nie gewesen. Mehrere Stadträte forderten eine andere Lösung.

Zumindest aber, forderten sie, könne die deutsche Marktgilde den Corona-Nachlass an die Händler weitergeben. Für die andere Seite, die Deutsche Marktgilde, kommt bald dazu, dass der Platz wieder mit Pollern umstellt werden soll, um kein Parkchaos ausbrechen zu lassen. Das nächste Problem auf der Elisabethstraße.

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