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Produzent kommt für Beethoven nach Görlitz

Michael Simon de Normier kennt Görlitz gut. Er will der Frage nachgehen, ob Beethoven afrikanische Wurzeln hat. Dazu will er sogar dessen Tochter exhumieren.

Michael Simon de Normier auf dem Görlitzer Untermarkt. Mit der Stadt ist der Filmproduzent seit über zehn Jahren verbunden.
Michael Simon de Normier auf dem Görlitzer Untermarkt. Mit der Stadt ist der Filmproduzent seit über zehn Jahren verbunden. © nikolaischmidt.de

Eigentlich wollte der Filmproduzent Michael Simon de Normier dieser Tage in Görlitz sein. Er ist großer Görlitz-Fan, auch aus beruflichen Gründen. Die Stadt lernte er kennen, als er 2008 den oscar-prämierten Film "Der Vorleser" hier mit produzierte. Derzeit arbeitet er an mehreren Projekten, in denen Görlitz eine Rolle spielen könnte.

So kam die Idee auf, sich hier eine Wohnung zu suchen, um vor Ort zu sein. Wohnungsangebote hat er vorliegen, erzählt de Normier. Ansehen wollte er sie sich nach dem Lockdown. Da der aber verlängert wurde, geht das derzeit nicht. Und in der aktuellen Corona-Lage würde de Normier es auch nicht für sehr ratsam halten, durch die Gegend zu reisen. "Und so bin ich jetzt noch in Berlin."

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Spielfilm und Doku geplant

Die Pandemie hatte de Normier schon vorigen Herbst einen Strich durch die Rechnung gemacht: Für einen Film über den Komponisten Ludwig van Beethoven suchte er zwei Hauptdarsteller. Einen, der den erwachsenen und einen, der den jüngeren Beethoven verkörpert. Für den jüngeren hatte de Normier voriges Jahr ein Casting am Berzdorfer See geplant. Das musste coronabedigt ausfallen. Weitergekommen ist de Normier dennoch. Er plant jetzt nicht nur einen Spielfilm, sondern auch eine Doku über Beethoven, bei der unter anderem einer Frage nachgegangen werden soll: Hatte Ludwig van Beethoven afrikanische Vorfahren?

Auch in dem Spielfilm, der nach wie vor geplant sei, spielt diese Frage eine Rolle. Deshalb hatte Normier nach farbigen Beethoven-Darstellern gesucht. Die These, ob Beethoven tatsächlich afrikanische Vorfahren hatte, wird immer wieder diskutiert. 1907 hatte der Musiker Samuel Coleridge-Tailor, selbst Sohn eines Afrikaners und einer Britin, behauptet, Beethoven habe afrikanische Wurzeln. In den 60er Jahren nahm der US-Bürgerrechtler Malcom X diese Annahme auf.

Eine These mit vielen Fragezeichen

Als ein Punkt wird beispielsweise angeführt, wie Beethoven von Zeitgenossen dargestellt und beschrieben wurde, mehrfach als "dunkel". Ein zweiter Hintergrund dieser Theorie ist, dass ein Teil von Beethovens Familie aus Flandern stammt, das im 16. und 17. Jahrhundert unter spanischer Herrschaft stand und dadurch einen maurischen Bevölkerungsanteil hatte. Was etwa die Twitter-Debatte voriges Jahr zeigte, ist, dass es auch zu Beethovens Zeit schon erfolgreiche dunkelhäutige Musiker in Europa gab. Ob Beethoven selbst dazu gehört, dazu gibt es aber auch erhebliche Zweifel.

Michal Simon de Normier will der Frage jedenfalls nachgehen.

So kam die Idee für die Doku auf. Durch die soll Philip Bender führen, selbst ein farbiger Künstler. Bender stand bislang für verschiedene TV-Serien vor der Kamera, etwa für "In aller Freundschaft", "Tonis Welt" und "Soko Leipzig", für das Stück "Monsieur Claude und seine Töchter" stand er zwei Jahre auf der Bühne des Schlosspark-Theaters Berlin.

Görlitz kann eine Rolle spielen

Möglich dass für die Doku auch in Görlitz gedreht wird, bestimmte szenische Einspielungen. Was zuerst beginnen kann, Doku oder Spielfilm, hänge an mehreren Faktoren. Für den Spielfilm ist er noch auf der Suche nach Darstellern. Corona hat auch das nicht leichter gemacht. Für die Doku geht es zum Beispiel noch um die Frage, ob womöglich auf dem Wiener Zentralfriedhof eine Exhumierung möglich ist. Normier will nicht nur Beethovens Herkunft nachgehen, sondern auch möglichen Nachkommen - den Spekulationen über eine uneheliche Tochter Beethovens. Entstanden ist daraus sogar eine Oper, "Minona". Klären könnte man es über eine DNA-Analyse, findet de Normier.

Eine Sprecherin der Wiener Friedhöfe bestätigt, dass es einen Kontakt gegeben habe wegen einer Exhumierung der infrage kommenden Tochter Beethovens, Konkretes gebe es dazu aber nicht. Die Aussichten in diesem Fall seien auch schwierig. Michael Simon de Normier hofft dennoch drauf, dass es klappen wird.

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