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Er bringt die Landeskrone digital zum Brodeln

Matthias Knappe erstellt 3-D-Animationen. Etwa davon, wie der Vulkan seinerzeit ausbrach. Die virtuellen Welten sollen bald von vielen genutzt werden können.

In Girbigsdorf hat Matthias Knappe sein kleines Büro. An seinem Arbeitsplatz entstehen außergewöhnliche Animationen.
In Girbigsdorf hat Matthias Knappe sein kleines Büro. An seinem Arbeitsplatz entstehen außergewöhnliche Animationen. © Constanze Junghanß

An der Tür kleben zwei einfache Papierzettel. „Mabino“ steht da drauf. Und „Edbyto“. Dazu ein Name: Matthias Knappe. Dass in dem Bürozimmer im Komplex an der Holtendorfer Straße ein Mit-Animator des Trailers des Video-Spiels „Minecraft“ sitzt, davon sieht man in dem kleinen, zweckmäßig eingerichteten Raum nichts. Zwei Computerbildschirme auf dem Schreibtisch, einer davon besonders groß, Tastatur und Kaffeetasse.

Den Kaffee trinkt Matthias Knappe türkisch, schwarz und stark. Er verbringt berufsbedingt täglich viele Stunden am Computer. Der Königshainer ist seit etwa 20 Jahren solo-selbstständiger 3-D-Grafiker. „Der Auftraggeber für den Minecraft-Trailer ist aus Schweden“, sagt er. Da kommt das Spiel her. Matthias Knappe gehört, wie er erzählt, zu den Animatoren aus Deutschland für den Trailer 2021. Seit drei Jahren macht er mit. Die Animation von 2019, die so auch seine Handschrift mit trägt, klickten im Internet bisher mehr als 46 Millionen Zuschauer an. „Bei den Trailern werden die Neuerungen im Spiel vorgestellt, eine Art Vorfilm ist das“, erklärt er. Zu seinen Auftraggebern gehören seit einer Weile aber auch der Museumsverbund, das Senckenberg-Museum und andere.

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Ein SZ-Bericht stellte den Kontakt her

Seine Firma hat er „Edbyto“ genannt - eine Verkürzung von den englischen Wörtern Education By Touch, was soviel heißt, wie „Bildung durch Berührung“. „Ich habe zwei Firmen – eine davon im Dienstleistungsbereich, die andere ist mein von mir entwickeltes Markenprodukt „Mabino“, sagt der Vater von zwei Kindern. Mabino ist eine Spiel-App. Die stellte er 2019 in Dresden auf einer Messe vor. Da konnte Matthias Knappe Kontakt zur Innovationsplattform „futurSax“ knüpfen und bekam 15.000 Euro Fördermittel. Das wiederum war der Grundstock für sein neues Unternehmen „Edbyto“.

Über die Mabino-App hatte die SZ berichtet. „Aufgrund des SZ-Artikels wurde ich unter anderem auch von Anja Köhler vom Schlesisch-Oberlausitzer Museumsverbund angesprochen“, sagt er. Seine Arbeit sei eine gefragte Dienstleistung, und die Idee einer Zusammenarbeit entstand. Knappe entwickelte eine App, die im Granitabbaumuseum alte Maschinen wieder zum Leben erweckt. Zwei Steinsägen, die Kompressoranlage und der Hydraulik-Steinspalter bekommen dafür QR-Codes. Auf das Smartphone übertragen kann man dann nicht nur in ein 3-D-Maschinenmodell von allen Seiten hinein schauen.

Hält der Unternehmer das Smartphone am Ortseingang Girbigsdorf auf die Straße, erscheint da wie von Zauberhand eine Maschine, die Steine zerkleinert. Die Maschine steht in Wirklichkeit in Königshain im Granitabbaumuseum.
Hält der Unternehmer das Smartphone am Ortseingang Girbigsdorf auf die Straße, erscheint da wie von Zauberhand eine Maschine, die Steine zerkleinert. Die Maschine steht in Wirklichkeit in Königshain im Granitabbaumuseum. © Constanze Junghanß

Die Maschinen werden auf dem Handy-Display auch in Gang gesetzt – so, als würden sie noch immer arbeiten. Eine Geschichtsreise in die Zeit vor 1975, als Granit in Königshain noch abgebaut wurde, also. Zusätzlich soll es Informationen zu den historischen Gerätschaften, ihrer Wirkungsweise und mehr geben. Die App wird in vier Sprachen konfiguriert – in Deutsch, Tschechisch, Polnisch und Englisch. Im Frühjahr wird sie fertig sein. „Bildung durch Berührung“ nennt sich seine Firma deshalb, weil Kinder mit dem Programm anschaulich lernen könnten. „Für die Schulen wäre das sicher interessant“, so der Entwickler. Eine weitere App ist für das Granitabaumuseum in Arbeit. „Wir spielen Bergbau“ heißt die. Den visuellen Bergbau können künftig kleine und große Besucher selbst betreiben: Als Sprengmeister, Lokführer, Steiger oder Kranfahrer beispielsweise. Daran tüftelt Matthias Knappe aktuell.

Trailer wirkt wie eine echte Dokumentation

Für das Senckenberg-Museum hat er jetzt einen Trailer zur Entstehung der Landeskrone Görlitz erstellt. Dazu ist er 32 Millionen Jahre in die Zeit „zurück gereist“, hat einen Kurzfilm am Computer per Animation erstellt. Wie die Flora der Region aussah ist zu sehen und wie der ehemalige Vulkan ausbrach und daraus die Landeskrone wurde. Der dreiminütige Trailer wirkt wie eine echte Dokumentation, so haargenau ist jeder Glutfunken dargestellt. „Mehrere Monate habe ich dafür gebraucht“, sagt Matthias Knappe.

Das Senckenberg-Museum arbeite mit dem Fachbereich Geologie der Hochschule Görlitz-Zittau zusammen. Da soll der Trailer für eine so genannte computergestützte Erweiterung der Realität genutzt werden. Der Unternehmer erklärt, was es damit auf sich hat: „Wenn man das Smartphone in Richtung Landeskrone hält und die App installiert hat, kann man den Vulkanausbruch am Display in 3-D erleben.“ Er zeigt in Girbigsdorf am Ortsschild, wie das für das Granitabbaumuseum bereits funktioniert, dreht das Handy in Richtung Königshainer Berge. Auf dem Display erscheint - wie von Zauberhand hingestellt - der historische Steinspalter dreidimensional mitten auf der Holtendorfer Straße, beginnt zu arbeiten und zerkleinert virtuelle Steine. In der Realität dagegen ist die Straße frei.

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